Die Bürgeranhörung der Martha J.

 

 

Ein Kammerspiel über Politik
in 4 Akten

 

von

Wolf-Alexander Melhorn

 

 

 

 

Die zeitliche Begrenztheit jedes Lebens 'zwingt' auch zu Entscheidungen, die moralisch zwar falsch sind, aber - würden sie anders ausfallen - für den weiteren Lebensweg unerwünschte Folgen haben könnten. Wem oder was darf man sich in einer solchen Lage stärker verbunden oder gar verpflichtet fühlen?

 

 

 

In dem 5-Personen-Stück kommt eine Familie im Altenheim Spital zum Kaffee zusammen.

MARTHA ist gegen den Willen ihrer Kinder in das Altenheim gezogen. Dort lernte sie KURT kennen, mit dem sie inzwischen eine tiefe Zuneigung verbindet. Ihre Kinder sehen in dem Umzug in das Altenheim einen skandalösen Vorfall, denn das Heim soll nach dem Willen der Partei aufgelöst werden. MARTHA weigert sich aber nicht nur auszuziehen, sondern unterstützt außerdem das politische Tun des Heilpraktikers Maier, der mittels eines Bürgerbegehren und über die Medien gegen die Partei um den Erhalt des Heimes kämpft.

In dem Gespräch prallen die Meinungen scharf aufeinander, zumal sich innerfamiliär viel Gegensätzliches augestaut hat. Die Kinder wollen ihre Mutter zwingen, das Heim zu verlassen, damit es abgerissen werden kann..

ERIKA wirft ihrer Mutter vor, sie schade in der Partei ihrem Schwiegersohn Franz - Unternehmer und Stadtrat - durch ihr stadtbekanntes Verhalten und zerstöre außerdem das Ansehen der Familie.

MARTHA’s Sohn HUBERT - parlamentarischer Justizstaatssekretär und Landtagsabgeordneter – kommt hinzu. Er hält ihr vor, wegen ihrer Aktivitäten Schwierigkeiten mit ‚dem Chef’, dem Ministerpräsidenten, zu haben.

Die beiden Alten, MARTHA und KURT wehren sich nach Kräften, hoffen, sie könnten durch ihre ‘Wahrheit’ überzeugen. Tatsächlich führen sie unwissentlich nur eine Scheindiskussion, vergleichbar einer öffentlichen Bürgeranhörung, wie es MARTHA schließlich enttäuscht formuliert.

Schließlich erklärt HUBERT das Gespräch für beendet und deutet an, bei der festsstehenden Verlegung werde KURT von MARTHA getrennt. KURT hat daraufhin einen Schwächeanfall und geht auf sein Zimmer. Kurz danach stürzt eine SCHWESTER herein, um MARTHA zu KURT zu holen.

Während ERIKA und HUBERT auf die Rückkehr der Mutter warten, eröffnet HUBERT der Schwester streng vertraulich, die Auflösung des Altenheimes im Zuge der ‚Großen Rochade’ sei ohnehin nur ein Bauernopfer in einem, für die Öffentlichkeit inszenierten Ablenkungsmanöver. Tatsächlich gehe es um ein Mammutkaufhaus im neuen Industriegebiet, das wegen seiner Größe eigentlich nicht genehmigt werden dürfe. Die Partei habe jedoch eine Millionenspende erhalten. Auf die 'Launen' seine Mutter könne er jedenfalls keine Rücksicht nehmen, sonst gefährde das seine weitere politische Karriere..

 

 

 

Sprechrollen:

MARTHA . - Witwe des Amtsgerichtsdirektors Jetter
'KURT - ihr guter Bekannter
ERIKA - ihre Toichter
HUBERT - ihr Sohn
SCHWESTER - Helferin des Altenheims

 

 

 

 

 

 

 

I. Akt

 

 

 

 

I. AKT

1. Szene  

( MARTHA und KURT beim Schach Spielen )

 

MARTHA: ( siegessicher ): Der macht Dir Schwierigkeiten! - Was…?

 

KURT ( nachdenkend ): Der Läufer…? -  Von wegen… ! ( deutet dabei auf die Figuren ). Den Turm … - Dann musst Du rüber … - Und ich dann mit dem Bauern einen vor… –  ( lächelt ) Schon sieht die Welt ganz anders aus …( er zieht )

 

MARTHA ( winkt ab ) : Dann mit der Dame…. ( sie deutet das mit dem Finger an )

 

KURT ( munter ): Warum spielen wir dann noch…?-  Das ist ja wie beim Kartenlegen…- Wenn Du das so offen sagst…

 

MARTHA ( heiter ): Na… Du hast damit angefangen.

 

KURT ( grinst ): Ich wollte Dich nur etwas an Dir zweifeln lassen…

( Er vertieft sich wieder in das Spiel. Sie aber lehnt sich plötzlich zurück) (Er bemerkt es schließlich )

Keine Lust mehr?

 

MARTHA ( zögernd ): Ach… -  Lass uns doch bitte aufhören, Kurt. – Morgen wieder. Ja?  

( KURT sieht sie nachdenklich an. MARTHA schließlich unbehaglich, betont)  

Ja… ! -  Erika …

 

KURT( freundlich ): Nun mach’ halblang, Mädchen.

( deutet auf den daneben stehenden Kuchen )

Kuchen ... Kaffee… - Doch alles vorbereitet!

MARTHA ( leicht ungehalten ) : Darum geht’s doch nicht…

(PAUSE)

KURT ( bedeutungsvoll):  Bringt das was?

 

MARTHA ( verzagt ): Weiß ich doch selbst …

 

KURT ( ergreift liebevoll ihren Arm ): Das wird sich alles finden, Martha!  - ( herzlich ) Man zankt sich und versöhnt sich wieder. - Nun mal Familie...!

 

MARTHA ( schüttelt den Kopf, bedrückt ): Das geht jetzt schon ein ganzes Jahr!

 

KURT ( eindringlich ) : Schon klar! - Die wollten Dich wohl auch bestrafen… - Doch nimm die meisten andern im Spital... - Zu denen kommt auch keiner! - Seit Jahren, manchmal... !

 

MARTHA ( eigensinnig ): Meine gehen aber täglich hier vorbei! ! – Die  hätte wirklich Zeit, die Erika...!

 

KURT ( verständnisvoll ) : Schon, Martha…

 

MARTHA ( gefasst): In deren Kreisen gilt eben das Spital ... ( gehässig ) als alter Kasten ... als nicht fein genug! – ( bitter ) Nicht mal Gregor oder Ines lassen sie zu mir ! 

 

KURT ( behutsam, tätschelt dabei ihren Arm ):  Die vergessen Dich schon nicht , Martha.

(PAUSE ) 

MARTHA ( aufgebracht ): Dass die nicht endlich selbstbewusster wird, die Erika ... -  (betont ) Kurt! - Meine Tochter wird von ihrem Mann bestimmt! – ( wütend ) Wenn Paul verboten hätte, meine Mutter zu besuchen…

(PAUSE)

KURT ( ruhig ): Vielleicht erwartest Du von Deinen Kindern ja zu viel...

 

MARTHA ( aufgebracht ) : Nur etwas von der Liebe … - Als Respekt ...

( PAUSE)

( bekümmert )  Nur weil ich hier ins Heim gezogen bin …?

 

KURT ( ungehalten ): Nun aber halblang, Martha…! – Sind doch fast durchweg nette Menschen! Hier, bei uns!

 

MARTHA (nickt, seufzt ): Kennst nur den Hochmut meiner Sippe nicht… - (nachdrücklich) Erika war früher so ein liebes Kind…! - Doch der Herr Göttergatte... - Franz …! Der Herr Stadtrat... - Wenn der bestimmt, ihr , ich sei im Unrecht, bin ich’s eben! 

( PAUSE)

KURT ( vedrsöhnlich ) : Vielleicht leidet   Erika ja auch an dieser Sache?

MARTHA ( nickt, müde ): Ich höre ja schon auf zu jammern....

 KURT ( liebevoll): Schon gut. Das musste eben raus…  - ( grinst ) Sonst fault es nur da drinnen!  - ( nach Pause aufmunternd ) Deine Erika hat eben ihren eign’en Kopf! - Ganz die Mutter...!

MARTHA ( seufzt ): Die sieht in Franz wohl  auch ein Stück weit ihren Vater! - (anerkennend) Hat schon was, wie Paul… 

 KURT ( neckend ): Vielleicht wird sie doch noch wie die Mutter. Dann wird sich alles finden.

MARTHA ( übergeht den Einwurf, nachdenklich ): - Statt dass sich Alt und Jung zusammenschmeißen …  der eine bringt die Kraft… das Leben! - der andere Erfahrung... geh'n alle aufeinander los! – Schade… denk’ ich oft … um diese Welt! - Was könnte aus ihr werden …

(PAUSE)

KURT ( behutsam ) : Du denkst, die ärgert, was Du getan hast, für das Heim? - ( betont ) Gegen ihre 'hohe Politik' ?

 

MARTHA ( aufgbracht ): Unser Spital soll weg, nach deren Willen ! - Die geben da nicht nach! - Wer nicht mitzieht, ist dagegen, Kurt!! – ( bitter ) - Die bestrafen die eig'ne Mutter, nur weil die andrer Meinung ist?

KURT  ( nachdenklich ): Sind nun mal mit der Politik verbunden, der Franz und Deine Erika! - Von Deinem Sohn ja ganz zu schweigen …

( PAUSE )

MARTHA  ( trocken, nickt ) : Der politische Staatssekretär! - Der Hubert schläft vermutlich auf Parteistatuten. - (atmet tief durch, energisch ) Was kümmert mich denn die Partei? - Noch darf ich eine eig'ne Meinung haben… - - Ich habe mich an einem Bürgerbegehren beteiligt! - Ist das so schlimm?

 

Pause

KURT : Ich weiß nicht. - - Viele zogen rum und sammelten Unterschriften für's Spital... - Du eben auch ...!

 

MARTHA : Du kennst die hier nicht, Kurt…! – Die hatten immer jemand zu gehorchen. Jahrhundertelang war das die Kirche, dann kam das Dritte Reich und heute eben der Partei...

 

KURT ( liebevoll ): Sieh' bitte nicht Gespenster, Mädchen. -  - Freu' Dich lieber auf die Enkel!

 

MARTHA ( aufgemuntert ): Wirst Du sehen, wie lieb die sind, die Beiden!

( PAUSE  )

KURT ( behutsam ): Ich gehe dann jetzt mal, Martha...

 

MARTHA ( aufgeregt ): Kommt nicht in Frage! - Nein!

 

KURT ( freundlich, bestimmt ): Du setzt Dich doch bloß wieder in die Nesseln, Mädchen! – Für die bin ich ein Fremder…

 

MARTHA  ( fest ): Dann sollen sie Dich kennen lernen! – Mir ist das wichtig, Kurt! – (trotzig) Wem's nicht gefällt, soll wieder gehen!

 

KURT ( lacht ): Sag’ mal... - Dein Paul… - Hatte der bei Dir denn was zu sagen?

 

MARTHA  ( stutzt, dann launig ): Hab' vielleicht nur was nachzuholen… - ( betont ) Und daran wirst Du mich nicht hindern!

 

KURT ( er knufft sie liebevoll in die Seite ): Also gut dann …- Überredet!

( PAUSE )

MARTHA ( etwas verlegen ): Wenn ich Dich noch um was bitten dürfte, Kurt ….  - Sag’ nicht …Mädchen… - Vor den andern. – Ja?

 

KURT ( gewollt unverständig): Bei Deiner Jugend? – ( betont harmlos) Oder hältst Du das für plumpe Schmeichelei?

 

MARTHA  ( herausfordernd ): Tätschelst mir womöglich noch den Hintern vor den andern… -  Macho, alter! – Nein.- Wirklich, Kurt … -  Du machst mich lächerlich, vor dem Gemüse…! –  Ich ...! - Mit einem Lustgreis, wie mit Dir…

 

KURT ( übertrieben ernst ): Aber nur dies eine Mal!

 

MARTHA ( lächelt ): Ja, ja… -  Wir reden dann darüber …

( sie wendet sich plötzlich wieder dem Schachspiel zu )

Also…! - Zeig’ mal, was Du kannst…

 

 

 

 

 

 

 

 

1.AKT

2.Szene  

( Vorige. Kuchen auf dem gedeckten Tisch. MARTHA geht kurz ans Fenster; setzt sich und ordnet danach unruhig den gedeckten Tisch. KURT beobachtet sie nachdenklich-besorgt; sieht schließlich auf die Uhr )

 ( es klopft )  

MARTHA ( beherrscht ) :  Herein!

 

 

 

 

 

 

 

1.AKT

3.Szene

( ERIKA tritt ein, geht sofort auf MARTHA zu und küsst sie auf die  Wange. MARTHA, zunächst erfreut, plötzlich  betroffen )

 

ERIKA (übergibt ihr Blumen, forsch ): Hier, Mutter! – Die gefallen Dir doch so ...

 

MARTHA ( kühler ): Du ... - Allein?

 

ERIKA ( leichthin ):  Ines und Gregor sind mit Franz ins Birnental.- Wandern. ( herzlich ) – Sicher gut, wir sprechen uns alleine aus… - Wir haben uns so lange nicht gesehen...

 

MARTHA ( abweisend ): Für mich war klar, ihr kommt heut’ alle!

 

ERIKA ( energisch ):  Bitte...- Mutter! - ( deutet dann auf KURT ) Möchtest Du uns nicht bekannt machen…?

 

KURT ( etwas eilfertig ): Mein Name ist Michelsen.

(ERIKA gibt ihm die Hand )

MARTHA ( fasst sich ): Mein Bekannter. - Und das, Kurt, ist Erika.- Frau Hänel…  

 

KURT  ( etwas ungelenk ): Sie hat mir viel erzählt, von Ihnen und den Enkeln... Freut sich schon die ganzen Tag, dass sie kommen.

 

ERIKA (kühl ): Ach... Wie nett...

 

MARTHA ( etwas ärgerlich ): Und jetzt? - Der viele Kuchen...

ERIKA ( sachlich ): Verschenkst Du an die Mitbwohner. Freut sich sicher mancher …

( sie geht im Zimmer umher und sieht sich um ) ( anerkennend )

Doch! – Etwas klein, das alles…  - Aber gemütlich.... - Muss ich sagen...… (tritt ans Fenster) Mit Blick auf die Bergnerstraße...

( MARTHA bleibt zurückhaltend ) ( ERIKA bleibt ungehalten stehen )

Jetzt mach' doch da nichts draus! - Franz hatte endlich einmal Zeit für seine Kinder...

( MARTHA holt abweisend eine Blumenvase aus dem Schrank, füllt diese mit Wasser und ordnet die Blumen. ERIKA  setzt sich, etwas versöhnlicher)

Ich weiß ja, Mutter... - Du und Franz... - Solltest aber auch mal uns uns verstehen!

   ( MARTHA räumt errregt das überzählige Geschirr weg. ( ERIKA zögert, sieht KURT an, dann vorwurfsvoll  zu MARTHA )

Hättest schließlich auch zu uns gekonnt...

 

MARTHA (bissig ): Zu Franz…? – Da bin ich lieber hier!

 

ERIKA ( wütend zu KURT): Sie ist so ungerecht bei meinem Mann! – Dabei hat er ihr noch niemals was  getan!

( zu MARTHA ) Man tilgt nicht einfach fünfundvierzig Jahre, indem man seine Wohnung räumt und alles auf den Sperrmüll schmeißt !

MARTHA ( trotzig ): Hätte ich euch etwa fragen müssen ?

 

ERIKA ( scharf ): Hubert fand das auch nicht richtig, Mutter!

 

MARTHA ( geringschätzig ): Mein Herr Politiker... - ( wütend, leise ) Und Du weißt genau: Das meiste habe ich verschenkt! -  Ihr aber wolltet beide nichts davon!   - ( bitter ) Im übrigen: Ein altes Möbel macht ja wohl kein Leben aus!

ERIKA ( scharf ) : Vater hing nun mal an vielen Sachen!

 

MARTHA ( erregt ):  ich habe nicht Erinnerungen verschenkt, sondern Sachen!

 

ERIKA ( aufgebracht): Du hattest so ein schönes Leben, Mutter ! Das gibt man doch nicht auf! - Für so was...

 

( PAUSE )  

ERIKA ( etwas verlegen zu KURT ): Tut mir wirklich leid, Herr Michelsen.... – Gewöhnlich ist das nicht der Stil, den wir im Umgang miteinander pflegen…

 

MARTHA ( trotzig ):  Doch, Kurt …  Das  i s t  der Stil des Hauses... - Seit vielen Jahren! – (zu ERIKA ) Im übrigen… Wäre ich zu Hubert oder Dir  … Wär' euch doch gar nicht recht gewesen…

( ERIKA fährt  empört auf ) ( MARTHA fest )

Dein Franz, Erika… - Der hätte sich nach außen als guter Schwiegersohn gebärdet! – Damit es jeder sehen kann!  – Doch büßen hätten wir das beide müssen... - Du so wie ich !  - Mich will der so wenig, wie er seine Eltern nehmen würde! – - ( resigniert ) Ich hätte in der Amalienstraße bleiben sollen! –  ( betont ) Nur das war standesmäßig, für die beiden Herren! Franz und Hubert ...

 

ERIKA ( aufgebracht ): Das ist nun wirklich unfair, Mutter! – Du weisst genau, dass in diesen schweren Zeiten sein guter Ruf uns manchen Auftrag bringt. – (spitz ) Als Unternehmer hat man’s nun mal nicht so leicht, wie Vater, als Beamter...

 

MARTHA ( böse ): Das scheint mir doch weniger eine Frage des Berufes, Erika, als des Charakters...

( Verbissenes Schweigen )

 

KURT (steht plötzlich eilig auf, füllt die Kaffeemaschine mit Wasser und schaltet sie ein, dabei freundlich ): Zwei Tassen, Frau Hänel…? - Oder drei … ?

 

ERIKA ( fasst sich ): Zwei, bitte... – ( bemüht lockerer )  Sonst kann ich nicht mehr schlafen…

 

KURT ( nickt, verständnisvoll ): Das kenn’ ich... - -  ( zu Martha ) Und Du ? – Wie immer?

 

MARTHA (noch etwas abwesend ): Ja… - Bittet…!  – ( fasst sich) 

 

( PAUSE )

ERIKA (leicht schmollend ): Du hast nicht nur Franz in eine peinliche Lage gebracht , Mutter, sondern sogar Hubert...! – Im Ministerium stellen sie inzwischen höflich-dumme Fragen. - Und zwar nach Dir und Deinem Treiben!

( PAUSE )

MARTHA (versöhnlicher ): Willst Du das nicht verstehen, Erika? - Diese Wohnung... - Mich hat das schließlich nur bedrückt, das große, leere Haus ! – (gewollt forsch ) Und alt genug, das selber zu entscheiden, bin ich ja inzwischen…

 

ERIKA ( kühler ): Mutter! - Hier geht es nicht um Selbstverwirklichung im Alter ... . – Du bist Teil einer Gemeinschaft, einer Familie…! -  Auch ic h  muss Kompromisse machen, Rücksicht nehmen...

 

MARTHA ( zynisch ): Bitte keine Phrasen...

 

ERIKA ( kühl ): Wenn Du dort nicht mehr bleiben konntest, Mutter, musstest Du zu uns! –  ( von oben herab ) Und alles hinter unserm Rücken!  – D a s   ist doch so verletzend... - Dein mangelndes Vertrauen, der Familie gegenüber... !

 

MARTHA ( spitz  ): Wenn Franz davon erfahren hätte, dass ich mich hier beworben hatte, hätte der das sofort hintertrieben... !

(PAUSE)

ERIKA ( heftig ) : Ins Spital...! - Nein, Mutter! Der hätte Dir im Schönbornhaus etwas Schöneres besorgt! – Eine Altenwohnung...Zwei Zimmer ... Abgeschlossen ... - ( zeigt aufgeregt umher ) Nicht so was hier! – - Das ist doch Dir nicht angemessen. Der Frau eines Amtsgerichtsdirektors! –  -  ( beiläufig zu KURT ) Entschuldigung… - Das geht jetzt gar nicht gegen Sie…

( KURT hebt nur abwehrend die Hände )

 

MARTHA ( scharf ): Hier bin ich besser dran, als so allein in der Amalienstraße...

( Pause )

( um Verständnis bittend ) Erika…! - Das Zimmer ist  gemütlich… - Sagtest Du doch selbst!  – (geringschätzig ) Das Schörnbornhaus... Der seelenlose, neue Kasten! - (zuckt mit den Achseln )  Ich brauche Atmosphäre! - ( deutet umher ) Und die hat es hier! - Hier beschließen seit Jahrhunderten schon Menschen ihren Lebensabend…! - Das kannst Du spüren, dieses Gehen, Erika! - In jedem Zimmer... - Und so was bringt mir Ruhe, Frieden ...

 

ERIKA ( geringschätzig ): Aus den vornehmsten Familien gingen sie seit Jahrhunderten im Alter ins Spital ! - Wir leben aber heute, Mutter ... ! -  Nicht mehr im Mittelalter ! – (deutet umher, entschieden) Das ist doch nur erbärmlich! Nach unserm Maßstab, heute...

 

MARTHA ( bockig ):  Mir reicht das, Erika! -  Das Haus tut einem wirklich gut! - Nicht, Kurt? Das hat ganz einfach was! -

KURT (beschwichtigend zu ERIKA ) : Kann ich nur bestätigen, Frau Hänel.

 (PAUSE )

ERIKA ( vorwurfsvoll, dabei verbindlich, in Richtung KURT deutend ) : Du könntest schon ein wenig Rücksicht nehmen, auf Deinen Besuch... -  Ein Jahr lang haben wir uns nicht gesehen! – Ich hatte mir das wirklich anders vorgestellt...

 

MARTHA ( kühl,  fest ): Wir sind uns  aus dem  W e g  gegangen, Erika. – Das ist was anderes, als wenn man sich nur lange nicht gesehen hat. -  – ( bekümmert zu KURT ) Verstehst Du, Kurt... Wir haben wirklich ein Problem in der Familie ... - ( entschlossen, zu ERIKA ) Und das will abgehandelt werden, Erika! - Nicht einfach nur verdrängt!

 

ERIKA ( kühl ): Das sehe ich genau so, Mutter...

 

MARTHA ( beherrscht ): Was denkst Du wohl, warum ich in dem Jahr  auch nicht zu Euch gekommen bin? – Oder Hubert...? – Weil alles immer nur zerredet oder übergangen wird. - ( beschwörend ) Mag sein, wir schaffen das auch heute wieder nicht… - Doch lass uns einen Anfang wenigstens versuchen…

( PAUSE ) ( ERIKA betroffen )

KURT ( ruhig, will aufstehen): Ich komme später noch mal rein…  - Wenn es Dir recht ist, Martha…

 

MARTHA ( bittend ): Nein, Kurt! -  Bitte, bleib! – Ich muss mich weder meines Tuns, noch meines Denkens schämen! - - ( sie steht auf  und schenkt noch mal Kaffee nach, dann gewollt herzlich zu ERIKA) Ich habe von dem Apfelkuchen, den ihr mögt… Willst Du nicht wenigstens was mitnehmen? - Für die Kinder und für Franz…?

( ERIKA zögert )

KURT ( herzlich zu ERIKA ):  Sagen die gewiss nicht nein, Frau Hänel ...

 

MARTHA ( versöhnlich ):  Ich packe Dir das ein, Erika… – ( geht suchend umher ) Wo ist jetzt wieder das Papier… - Das von der Lieferung… ( schließlich zu KURT ) Die Festel hat das wohl schon weggeworfen...! ( erklärend zu ERIKA ) Die Tagesschwester...

 

KURT ( steht auf ) : Nimm’ eben Folie ...

( MARTHA sucht in Schubladen ) ( KURT beobachtet sie, dann eifrig )

Warte! Ich hol’ Dir welche... - Ich muss noch etwas  haben ...

 

MARTHA ( aufgeregt ) : Kommt nicht in Frage, Kurt...!  –   I c h  gehe...! - Ich weiß ja, wo ...
( erklärend zu ERIKA )  Kurt muss dazu erst zwei Stockwerke hoch! - Und das mit seinem Herz...  - Gib, bitte, mir den Schlüssel, Kurt...!

 

KURT ( wehrt lächelnd ab ): Nein, nein...- Ich mach’ das schon! 

( Zieht umständlich seine Jacke an, die er auf einem Bügel aufgehängt hatte) (flapsig )

Deine Tochter wird doch ihre Zeit nicht mit so einem alten Zausel wie mit mir verbringen wollen... – ( munter ) Bin ja auch gleich zurück...

 

MARTHA ( entspannt ): Also schön … - Ich danke Dir, mein Lieber...  - - ( bittend zu ERIKA )  Und wir zwei, Kind... - Wir machen es uns jetzt gemütlich! - Ja?

 ( KURT tätschelt ihr den Arm und geht ab )

 

 

 

 

 

 

1.AKT

4.Szene 

( MARTHA holt den Kuchen von der Anrichte und gibt die Stücke auf die Teller. Holt danach einen Karton, um später den restlichen Kuchen einpacken zu können. ERIKA  beobachtet sie  zurückhaltend)

  

MARTHA ( aufmunternd, beim Kuchen Austeilen ): Fass doch mal bitte an, Erika! - -  ( plaudernd ) Also… den Kaffee… den hätte ich doch glatt vergessen! – - ( gewollt fröhlich ) Was soll’s…? - Plötzlich  w i r s t  Du nicht mehr alt … sondern   b i s t   es!

 

ERIKA (zögernd, kühl ): Wer eigentlich ist dieser Herr Michelsen …

 

MARTHA ( leichthin ): Kurt?  - Ein wirklich lieber Mensch… – Ich mag ihn sehr…

 

ERIKA ( trocken ): Den Eindruck hab’ ich auch …

 

MARTHA ( stutzt,  lacht ):  Na … - Ist das jetzt auch verboten? – (als sie sieht, dass Erika ärgerlich wird, lachend) Tu’ nicht so spröde, Erika… – ( leichthin ) Sex im Altersheim… - Ist längst normal…! – ( burschikos ) Auf jeden Fall natürlicher, als so verklemmt…

 

ERIKA ( unangenehm berührt ): Nun hör’ mal, Mutter…

 

MARTHA ( sieht sie spitzbübisch an, lacht dann herzlich ): Also weißt Du, Erika … - Manchmal bist Du schon ein Huhn… Das ist nicht immer ‚bumsen’, wie das neudeutsch heißt… - Sympathie… -  Manchmal vielleicht etwas mehr … ( verschmitzt ) Auf jeden Fall: Auch gut für alt, nicht nur für jung. - Eine Altersgrenze ist ja noch nicht vorgeschrieben! – ( lächelt )  Stell’ Dich bloß nicht an, Kind! – Soll das nicht jeder selbst entscheiden?

 

ERIKA ( zögernd und deutet dabei zur Türe) : Willst Du damit sagen …

 

MARTHA ( zögert kurz, dann lächelnd ):  Gar nichts will ich damit sagen …

 

ERIKA  ( kühl ): Du weißt, was Du Dir und unserm Namen schuldig bist…

 

MARTHA ( freundlich, fest ): Nein, Erika… Die nächsten … letzten … Jahre…- Die denke ich an mich!  – ( eindringlich, als ERIKA abweisend wird ) Ich habe Vater jahrelang gepflegt… - Er ist so leicht gestorben, wie es möglich war…- Und hat sich wirklich nie beklagt. – (nachdenklich ) Bis dass der Tod uns scheidet, Erika… - Weiter geht es nun mal nicht, im Leben! – Zurück bleibt dann Erinnerung. – Die aber geht mir deshalb nicht verloren, Kind! – -  Meinst Du nicht, ich sollte an mich selber denken dürfen? - - (freundlich) Ich bin jetzt
 i c h … und habe das Gefühl, es mehr zu sein, als in den letzten vierzig …ach, was sag’ ich… fünfzig Jahren... – Warum, kann ich mir selber nicht erklären…

(PAUSE)

ERIKA ( versöhnlicher ): Trotzdem, Mutter…. - Ich weiß nicht…

 

MARTHA ( freundlich ): Schau’, Kind… Ich hatte manches einzustecken! – Doch dabei ‚immer lächeln’, wie man sagt... – Nach Vater’s  Studium … - Das war zunächst kein Honiglecken, Erika…! -  Auch später nicht, als Frau des Amtsgerichtsdirektors Jetter… – (etwas bitter  und schüttelt dabei den Kopf) Soll ich nun heute… nur weil ihr es wollt … nur noch die  ‚Witwe Jetter’ sein,.. ?  

( PAUSE ) ( fasst sich, eindringlich )

Lasst mich doch einfach noch ein bisschen ganz ‚Ich-selber’ sein. – (Verständnis heischend) Deshalb trifft mich das auch so … - Mit Franz und Dir … - Und auch mit Hubert, Erika!  – Vielleicht verletze ich ja auch bei euch Gefühle… - Aber fragt euch bitte mal: Was ist mit mir? – Ob ihr mit Eurer Meinung, Eurem Tun da wirklich ‚richtig’ liegt...

 

ERIKA ( leicht abweisend ): Du scheinst mir sehr verbittert, Mutter … Und willst daher wohl was erzwingen… – Doch vielleicht verrätst Du Dich ja auch dabei…

 

MARTHA  ( schüttelt nachdenklich den Kopf ): Wem bin ich etwas schuldig, Erika?  -  Vater …? - Weil ich jahrzehntelang den Haushalt führen durfte…? – Oder euch … denen ich gelegentlich mal ihre Kinder hütete…?  - Nein, Erika! – Du und Hubert …- Ihr seid sehr selbstgerecht ... – Für Euch muss ich nur funktionieren…  - Nach Eurem Plan!

 

ERIKA ( unfreundlich ):  Also so ist das nun auch nicht, Mutter…

 

MARTHA ( ernst ): Doch, Erika! – Wahrscheinlich hätte ich es Dir nur längst mal sagen müssen. – - Ich weiß, Du meinst es gut… mit vielen Dingen! -  Doch Du verleugnest Dich zu oft. – Mein Eindruck ist... - ( winkt ab ) Pass auf, dass es Dir nicht ergeht, wie mir….!

 

ERIKA ( ungehalten ): Also D u, Mutter … - Du warst ‚nur’ Hausfrau… - Ich weiß, das hat Dich Vater spüren lassen… – Ich hab’  das auch nicht vergessen! – ( kühl ) Du gabst Dein Wissen, Deine Zeit und Deinen Körper … und er Dir dafür Sicherheit! - Das ewig alte Rollenspiel…! – ( leicht überheblich )  Ich… Mutter … musste niemals Deine Ängste haben! - Ich könnte jederzeit zurück … in meine Arbeit! – ( gereizt ) Und auch politisch bin ich nicht das angepasste ‚Huhn’, als das Du mich gern hinstellst…

PAUSE)

MARTHA ( sieht sie nachdenklich an, dann bedauernd ): Ich wollte Dich nicht kränken, Erika…- ( sachlich ) Und das mit mir…? – Es ist richtig: Ich  h a b e  mein Jurastudium abgebrochen, für diese Ehe... - Wirklich nur aus Liebe, wie man sagt… - Aus tiefster Überzeugung …– Und die Entscheidung war auch gar nicht falsch…! – Ich habe dafür keinen Preis bezahlt, den ich im Rückblick als zu hoch betrachte.

 

ERIKA ( zustimmend ):   Vater hat Dich stets geachtet… 

 

MARTHA ( nickt nachdenklich): Und er war liebevoll… - obwohl so manches Mal sehr schwierig! – Doch lass’ mich nochmals darauf kommen, ERika und nimm es mir nicht übel… - Ich denke, ich habe mich weit weniger verbogen,Kind, als Du das heute tust. –

( ERIKA  trotzig )

Ich meine es doch gut mit Dir…!

 

ERIKA ( bockig ): Ich habe meine Ausbildung  jedenfalls noch abgeschlossen…

 

Mutter ( bedauernd ): Na und…? -  Mach’ Dir nichts vor, Erika! – Was nützt sie Dir denn heute noch, wolltest Du mal wieder Arbeit…? – Wenig! Nichts! – Du bist genau so abhängig, wie ich das immer war! – Und Du verhältst Dich auch nicht anders…

 

ERIKA ( kühl ): Das ist Deine Sicht… - Ich habe außerdem die Politik…!

 

MARTHA (energisch):  Deine Politik, Erika  …? - Diese  Frauenarbeit…? - ( schüttelt den Kopf ) Die macht aus Dir noch nichts Besonderes….!  -  (nachdenklich)  Ich denke, Vater machte sich zu recht darüber lustig! – Mit Frauen-, Jugend- und Seniorenkreisen… sagte er doch immer… beschäftigt man in den Parteien jene, die andernfalls ‚das Zentrum’ stören.

 

ERIKA (überlegen): Meine Politik, Mutter,  bringt mir Gelegenheiten , wie Du sie niemals hattest…-  ( böse ) Um das klar zu stellen! – Schon deshalb hätte ich bald eine Arbeit, wenn ich eine wollte… -  (geringschätzig ) Und Vater… Der war ja wirklich niemals Vorbild eines demokratischen Verhaltens! – (herausfordernd ) Wäre er bei uns doch eingetreten! – Zu uns, in die Partei gekommen! – Wenn er doch alles besser wusste … - Warum hat er nicht mal was bewegen wollen? Nur spöttisch abgelästert...

 

MARTHA ( gereizt ):  Weil ihm Parteiarbeit zu blöd war, Erika…!

 

ERIKA (wütend): Überheblich war er, Mutter! – Er konnte sich nicht fremden Regeln unterwerfen… -Stets galt nur seine Meinung ! - Er war nur immer Richter, der es besser wusste! – Einer von den ‚Unabhängigen’… den Oberschlauen … für die den Dreck die andern fegen!– (höhnisch) Kompromisse…? - Gab es doch für Vater nicht!

 

MARTHA ( aufgebracht ): Er hat doch wohl genug getan, für unser Land!

 

ERIKA ( mit Nachdruck ):  Für diesen Staat…!  - Da hatte Vater gar nichts übrig, Mutter! – Als Richter stand er zwar für das Gesetz, doch meinungsbildend und gestaltend … etwa in der Politik … da war er sich doch stets zu    g u t    dafür, der ‚Akademiker’. – Dafür hatte er ja seine Phrasen… -  ( betont ) Politik sei Stammtisch! - Weißt Du noch? – ( eindringlich) Zugegeben… gleichfalls eine ‚Meinung’ …  - Vielleicht trifft sie ja sogar zu… - Doch nur dann, wenn der Bürger sich verweigert, bleibt den Parteien solcher Bodensatz…! - Und das sind dann die Falschen, keine Frage ! - Denn oftmals sind es solche, die sich berufen fühlen … ohne es zu sein! – Und die … - Die kontrolliert dann wieder keiner, von denen, die wie Vater sind! – ( winkt ab ) Nein, Mutter …! - Weiser oder besser, war mein Vater wirklich nicht! – Ein letztlich träger, eitler Mensch. - Aus Selbstsucht jedenfalls bequemer, als Franz …  als  Hubert … oder ich!

 

MARTHA  ( gereizt ): Weiß schon! - Du und Deine Frauenzirkel…

(PAUSE )

ERIKA ( herausfordernd ): Komm doch einfach mit! – Das wird gewiss gleich besser, wenn Du uns vorträgst, was Du denkst…

 

MARTHA (trocken):  Erspar’ mir das…! Ich geh’ schon wählen…

 

ERIKA ( verärgert ): Einverstanden, Mutter! - Doch lass es aber auch dabei! - Geh’ nur zur Wahl …  und stärke nicht so Volksverhetzer, wie den Maier!

(PAUSE)

MARTHA ( böse ): Das musste ja noch kommen…

( ERIKA schweigt) ( MARTHA schließlich nachdenklich )

Weißt Du, Erika… - Schade, dass wir uns so fremd geworden sind. - Wir hätten öfter … früher … miteinander reden sollen!

(PAUSE)

ERIKA (versöhnlicher ):  Das mag schon sein… – Denn wer zu lange miteinander schweigt, verlernt so schließlich überhaupt das Reden…

(PAUSE)

MARTHA ( gefasst, herzlich  ) : Lass uns einfach Kaffee trinken, Kind… - -  ( plötzlich unruhig ) Allmählich könnte Kurt nun wirklich wieder kommen…

 

ERIKA ( versöhnlich ): Bemuttere ihn nicht, wie Vater… -  ( lächelt ) Sonst wiederholt sich vielleicht manches …

 

MARTHA ( beachtet das nicht, unruhig ): Er müsste längst schon hier sein …

( PAUSE )

ERIKA ( sachlich): Ach … was ich Dir noch sagen will… - Hubert kommt dann noch vorbei …- Müsste eigentlich schon da sein.

 

MARTHA ( erfreut ): Na…- Das ist eine Überraschung! - Warum hast Du das nicht gleich gesagt? - - Leg’ doch noch gleich Gedecke auf... Die setzen wir auf’s Bett…

 

ERIKA ( sachlich ): Hubert ist allein... – Und Kuchen wird der ohnehin nicht wollen! – ( spöttisch)  Der ist doch ständig auf Diät, damit ihn noch die Frauen wählen... – ( sachlich ) Er bleibt wohl auch nicht lange… – Termine, wie ich weiß.

(PAUSE) ( ERIKA legt ein weiteres Gedeck auf )

 

MARTHA ( ( plötzlich ernst ):  Sag’ mal, Erika… Was wollt ihr eigentlich… - Du und Hubert? – Für den bin ich bestimmt doch auch nur ein ‚Termin’…!

 

ERIKA ( gereizt ): Stell’ Dich bitte nicht so ahnungslos…!  (MARTHA  betroffen) ( ERIKA eindringlich ) Du kannst doch nicht was ungeschehen machen, Mutter,  indem Du nicht darüber reden willst …!

 

MARTHA  ( steif ): Ich habe mir nichts vorzuwerfen…!

 

ERIKA ( sachlich ): Schlimm genug, wenn Du das nicht mal sehen willst…!  – Dann sage ich Dir eben, was wir wollen…!  - Du musst hier raus… aus diesem Heim! - - Das Spital wird dicht gemacht. - Du weißt doch, dass wir das Rathaus ins Spitalgebäude verlegen! - Diese 'große Rochade' ist vom Stadtrat   u n d   vom Kreistag nun mal längst beschlossen! – Und Demokratie hat Regeln! - Auch wenn Du meinst, Du müsstest uns dafür bekämpfen… - Mit diesem Typ, dem Maier…

 

MARTHA (steif): Ein durchaus ehrenwerter Mann.

 

ERIKA (wütend ): Ein Spinner!- Der in Leserbriefen die Partei bepöbelt …! -  Und dieses lächerliche Bürgerbegehren inszenierte…! – ( höhnisch ) Und dafür sogar prozessiert, Dein feiner Herr … um einen Bürgerentscheid zu erzwingen…

 

MARTHA ): Er tut, was die Verfassung uns erlaubt! – (wütend ) Wenn ihr euch auch nur so an die Gesetze halten würdet. - Die älteste soziale Stiftung Deutschlands …! - Älter als die Fuggerei in Augsburg ! – Der ändert ihr sogar noch die Satzung… - Für eure ‚Große Rochade’…!

ERIKA ( von oben herab  ): Die Satzung war nun mal nicht zeitgemäß…

 MARTHA ( aufgebracht ): 500 Jahre war die gut genug, die Satzung, Erika …! – Glaubst Du, ich weiß nicht, wie das läuft…? – Ihr habt den Stiftungszweck geändert, damit das Heim formal Betriebsvermögen wird. – Dadurch könnt’ ihr es dann an die Stadt verkaufen. – Nach alter Satzung war das gar nicht möglich! - - Erika! - Das sind plumpe Juristentricks.!  – Und mir egal, ob das Sozialministerium so was politisch auch noch deckt!

 ERIKA : Du redest wie die Blinde von der Farbe, Mutter! - Das hat Dir alles dieser Maier eingeblasen! - (hämisch ) So weit sind wir schon: Meine Mutter macht sich mit einem solchen Kerl gemein! - - Das ist ja der Skandal! - Wie stehen wir denn da, in der Partei… ? – D i r  macht das ja nichts aus… -Ich weiß… -  So wenig, wie Dir peinlich ist, vor diesem Kurt Familiensachen breit zu treten.

( PAUSE)

MARTHA ( plötzlich steif ): Gut, Erika! - Warten wir auf Hubert! – Aber Kurt… der bleibt! Sonst könnt ihr beide wieder gehen!

 

(MARTHA setzt sich steif auf ihren Stuhl und wartet )

 



                                                      

 

 

 

 

2. Akt

2. AKT

1.Szene
 

(MARTHA  und ERIKA, in derselben Stellung wie vorhin ): ( Es klopft ) (KURT  tritt ein )

 

KURT ( munter ): Dauerte ein bisschen …

( er legt die Schachtel mit der Folie auf den Tisch. Dazu zwei Packungen Gebäck. Danach zieht er umständlich sein Jacke wieder aus)  ( deutet auf das Gebäck, dabei zu ERIKA )

Meine eiserne Reserve, Frau Hänel…. – Ist Ihnen vielleicht lieber, als der Kuchen…

 

ERIKA (förmlich ): Sehr freundlich, Herr Michelsen... Danke … - Doch ich habe ohnehin genug …

 

KURT ( nickt nur freundlich, dann aufgeregt zu MARTHA): Stell’ Dir vor… - Vetter Ludwig ruft mich eben an… – Einfach so! – Nach gut 8 Jahren ... -  Geht jetzt in Rente…

( er bemerkt die eisige Stimmung, stutzt )

 

MARTHA ( bemüht ): Das ist ja schön, mit Ludwig…. – Und … Dank Dir für das Salzgebäck… – (bitter ) Ich dachte schon, Du kommst nicht mehr…

(KURT sieht sie überrascht an )( MARTHA plötzlich aufgeregt )

Ich ahnte es, Kurt! - Schon als sie alleine kam! - Das Spital…! – Auch Hubert kommt noch!

( KURT fühlt sich etwas unbehaglich )(MARTHA daraufhin aufgeregt )

Lass’ Du mich jetzt nicht auch im Stich?

 

KURT ( fasst sich; blickt  aufmunternd die beiden Frauen an): Sprechen wir doch mal in Ruhe über das Spital...

 

MARTHA ( müde ): In  d e r   ‚Familie’ hackt man aufeinander rum, bis irgendwer zu Boden geht. – ‚Klartext’ reden...

 

ERIKA  ( peinlich berührt ): Mutter! Du stellst uns wieder hin…

 

MARTHA ( sieht dabei zum Fenster hinaus, bitter ): War es jemals anders, Erika?

( bleibt so sitzen, als wolle sie jetzt nichts mehr sagen )

 

KURT ( drückt ihre Hand): Auf, Martha…! – Erst mal trinken wir noch einen Kaffee … - ( bemüht ) Ich hätte außerdem noch gerne ein Stückchen Kuchen…

( als sich MARTHA und ERIKA nicht rühren, nimmt er sich erst selbst ein Stück und bietet danach mit auffordernden Gesten an. Die Spannung löst sich. Beide lassen sich vorlegen. MARTHA gießt den Kaffee ein. )( KURT freundlich zu ERIKA )

Wissen Sie, Frau Hänel… -  Für uns hier ist es eine schlimme Sache, das Spital zu räumen. – Da sind die Damen und Herren vom Stadtrat sicher falsch beraten. - Keiner, den ich kenne, will hier raus… - Egal, was in der Zeitung so geschrieben wird …

 

ERIKA ( kühl ): Die Umwidmung des Spitals dient dem Wohl der alten Menschen, Herr Michelsen … - Die sollten l viel mehr Luft und Sonne haben, als hier, im Zentrum uns’rer Stadt…

 

KURT ( freundlich ): Warum fragt denn nicht mal einer nach, wie wir das sehen? - Ob wir so nicht zufrieden sind?

 

MARTHA ( gereizt ): ‚ Licht und Sonne’ … - Das Geschwätz des Oberbürgermeisters. – In das Gebäude soll das neue Rathaus rein! D e s h a l b  schmeißen die uns  raus! Damit wieder Millionen an Landeszuschüssen verbaut werden können...

 

ERIKA  ( böse, zu KURT ): Typisch meine Mutter! - Nie bleibt sie sachlich …

 

MARTHA ( scharf ): Wenn ihr nur selber sachlich wärt! –  Statt dessen singen der OB und Landrat Haller mit uns blöden Alten Weihnachtslieder! -  Damit wir ruhig halten, weil die 'gute' Menschen sind.

 

ERIKA ( spitz zu KURT): Sehen Sie? - Bei ihr wird jede nette Geste gleich zur bösen Tat. - (zu MARTHA, fest) Du weißt genau…! - Als Altenheim ist das Gebäude nicht zu halten, mit der maroden Bausubstanz…

 

MARTHA  ( kühl ): D i e   Sprüche heb’ Dir auf für die Partei …

 

ERIKA ( beharrend ):  Nein, Mutter! – Das sind Tatsachen! – ( nachdrücklich ) Die Kosten der Sanierung kann die Stiftung nicht mehr selber tragen!  – Das schafft nur noch die Stadt, als neue Eigentümerin …

 

MARTHA ( winkt ab ): Die Stiftung ist doch im Besitz des Landes. - Folglich wäre Geld genug vorhanden, wenn man wollte…!  - Euch gibt das Land ja auch Millionen, für den Umbau …

 

ERIKA ( trotzig ): Aber Zuschuss gibt es nun mal nur für einen Umbau in das neue Rathaus, Mutter…

 

KURT (trocken ): Vor knapp zehn Jahren haben sie das Spital erst  saniert und die Festschrift spricht von inem ( betont ) 'sanierten Altenheim mit gehobenem Standard’!  – Wie kann so was plötzlich baufällig sein? -  Tippeln doch nur wir paar Alten durch die Gänge …

 

ERIKA  ( kühl ): Das sagen nun mal die Experten, Herr Michelsen.

 

KURT ( ruhig ): Mit Farbe wär' da viel zu machenl …- Sie würden das Spital nicht mehr erkennen!

 

ERIKA ( gereizt ): Und die sanitären Anlagen …?

 

MARTHA ( fest ) : Die sind nicht schlecht, Erika! - Da hat Herr Maier völlig recht! – Selbst der Einbau eines großen Badezimmers wäre kein Problem!

ERIKA( wütend ): Dein Maier versteht als Heilpraktiker ja ganz besonders viel von solchen Sachen.

MARTHA: Da genügt gesunder Menschenverstand, Erika! - Den aber sprecht ihr ja uns Bürger ab! - Was ist das mit dem Zuschuss, den man für die Renovierung nicht bekommen würde? - Euer Landrat müsste nur den Antrag stellen. Dann gäbe es das Geld vom Land! – Und genau das tut er nicht! – Sonst wäre er geträumt… der Traum vom neuen Rathaus für Millionen… 

KURT ( nickt nachdrücklich ): Warum macht man keine Kostenschätzung, für die Sanierung des Spitals? Stellt keinen Antrag für die Gelder…– Die Bürger sollen nicht erfahren, wie hoch die Mittel wären, die es dafür gäbe …- Wir hören imer nur, wie viel Millionen es für einen Umbau gibt. - Von der Sanierung, da erfährt man nichts. 

MARTHA ( bekräftigend zu KURT ) ) : Und der Landtagsvizepräsident  …? - ( zu ERIKA ) Das weißt Du auch, Erika…! - Der hat erst kürzlich nochmals klar gestellt, es gäbe selbstverständlich Gelder für’ die Sanierung des Spitals!

ERIKA ( kühl ): Ihr seid auf Euren Maier reingefallen, mit seiner Volksverdummung...

MARTHA ( mit Genugtuung ):  Ihr kriegt die Quittung kriegen, bei der Wahl…

 ERIKA ( überlegen ): Ist das Rathaus fertig, weint dem Altenheim hier keiner nach …! -  Das ist sicher, Mutter … - Und die Wahl ? – ( winkt ab ) Die Menschen wissen, was für eine gute Politik wir …seit Jahrzehnten… für diese Stadt betreiben!  

 KURT ( abweisend ): Dem Dr. Schmidt … dem nehmen das die Leute übel!

 ERIKA  ( gelassen ): Bei der nächsten OB-Wahl, Herr Michelsen, findet sich nicht mal ein Gegenkandidat!
( fest ) Das bleibt dabei … - Das Altenheim kommt weg!

(PAUSE )

KURT ( beharrlich ): Ich wüsste trotzdem gerne noch, Frau Hänel …  -  Wenn das Gebäude keine Mängel hätte…– Würde die Rochade platzen?

 ERIKA ( schweugt, dann unwirsch ): Es hat keinen Sinn! - Lass und aufhören, Mutter ! - Da könnt ihr sagen, was ihr wollt: Die 'Große Rochade' ist nur gut für uns're Stadt.

MARTHA ( aufgebracht ): Große Rochade! – Ich kann Wort schon nicht mehr hören! - Aus unserm Heim …für zig Millionen… jetzt ein Rathaus machen … -  Und ins alte Rathaus, kaum zehn Meter weiter, dann ein Kaufhaus … - Obwohl es hundert Meter weiter jetzt schon eines gibt, das ums Überleben kämpft! - (eindringlich ) In einer Stadt mit 22 000 Einwohnern, Erika…!

 

ERIKA ( kühl ): Du weißt genau, wir stoppen mit dem neuen Kaufhaus den Kaufkraftabfluss aus der Stadt…. - Das Regierungspräsidium hat es uns bestätigt!

 

MARTHA ( winkt ab ):   Bei denen kommt doch unten immer raus, was oben … von der Politik … ihm eingegeben wurde…- Der alte Einzelhandel geht am Stock,...

ERIKA ( kühl ):  Das ist doch längst geprüft

 

MARTHA ( aufgeregt ): Du meinst den Medienzirkus mit der Baumarketinggesellschaft ? - Alles abgesprochen. - Die wurden doch dafür bezahlt, vom Steuerzahler, dass sie den politisch Dummen so was sagen.

 

ERIKA ( gereizt) : Also … wenn man Dich so hört, Mutter, wohnen … außer euch … in dieser Stadt nur lauter Deppen…!

 

MARTHA ( spitz ) :Davon seid doch ihr wohl am meisten überzeugt! -  Wollt ihr mich deshalb demnächst unter Betreuung stellen? Damit ich Euch nicht länger schaden kann?

 

ERIKA ( mühsam beherrscht ): Das ist niveaulos, Mutter! -  Wie der Maier…

 

MARTHA ( fest ): Niveaulos…?  -  Hier wird zerstört, um sich am Wiederaufbau zu bereichern! – Das nenne ich Kultur- und Sozialvandalismus, Erika! Und d a s halte ich für niveaulos…!

 

KURT ( nachdrücklich ): Der die Stadt zudem Millionen kostet…! -  Und das bei ihren Schulden…!

 

ERIKA ( verärgert ):Kleinkariert…!

 

MARTHA ( kämpferisch ): Kleinkariert…?  – Allein der Abriss des alten Rathauses und der Umbau des Spitals sind nach eurerSchätzung!17 Millionen... – Dafür bauen andere  z w e i   Rathäuser, Erika … in Städten uns’rer Größe!.

 

KURT ( einwerfend ) : Und als Ersatz für unser Heim nochmals fünfzehn für die 46 neuen Pflegeplätze in dem Schönbornhaus...,

 

MARTHA ( zu KURT ) : Und nochmals 2 Millionen für zwölf neue Altenwohnungen! … Nach euren Zahlen ( zu ERIKA )  zusammen vierunddreißig Millionen, Erika! – Um alten Wein in neue Schläuche umzufüllen...! - Ihr plündert doch die Steuerzahler aus, ihr Edeldemokraten!

 

ERIKA ( gereizt ): Das sind doch Milchmädchenrechnung…!

 

KURT( schüttelt den Kopf, fest ):  Nein! – Fehlen immer noch die Altenplätze, die jetzt hier vernichtet werden sollen, als gäbe es in Zukunft keine Alten mehr !-  Das wären weitere Millionen …

 

ERIKA ( aufgebracht ):   Der Landeswohlfahrtsverband hat dem Kreis einen Überhang an Altenplätzen doch erst bestätigt.

 

MARTHA  ( trocken ) : Bewirb Dich mal um einen…!   – Für manche Heime wartest Du fünf Jahre…!

 

KURT ( erregt ): Überall wird neu gebaut! – Von wegen Überhang, Frau Hänel! -  Beim Samariterstift …! - Achtundzwanzig neue Altenplätze…!

 

MARTHA ( spöttisch zu KURT ): Lass, Kurt! - Wir sind zu alt, um so was zu verstehen…!

(PAUSE )

ERIKA ( beruhigt sich, dann sachlich ): Jeder von Euch bekommt doch einen neuen Platz! – Ihr könnt ihn sogar selber wählen…

 

MARTHA ( kühl ): Manche wohnen aber seit Jahrzehnten hier…! -  Und wollen bleiben! - Dafür kämpft doch auch Herr Maier! - Warum haben denn so viele unterschrieben? - Beim  Bürgerbegehren… 

 

KURT ( nickt nachhaltig ): Endlich steht mal einer auf, Frau Hänel… - Gegen diese Clique…!

( PAUSE ) ( ERIKA schweigt trotzig )

ERIKA (entschieden ); Euer Maier ist ein Querulant! – Einer, der nicht Recht hat und  d e s h a l b  auch nie Recht bekommt… - Doch beides nicht begreifen kann l…!

 

MARTHA ( nickt, böse ) : Wer sich nichts gefallen lässt, der ist bei uns ganz schnell ein Querulant und Prozessierer! – Dem kommt ihr dann mit Rufmord!

( PAUSE )

ERIKA ( kühl ): Es ist für uns, Deine Familie, Mutter, peinlich, wenn Dritte Dich vor uns damit entschuldigen, Du seiest eben alt geworden …- Und offenbar auch eigensinnig...

 

MARTHA  ( wütend):  Sag' ich's doch: Ihr bringt mich unter Betreuung, um mich angeblich vor mir selbst zu schützen! - Fehlt nur noch der Begriff ‚Sachzwänge’, Erika, den ihr so gern missbraucht,.. - ( fest ) Was ihr hier macht ... mit uns Alten und Herrn Maier, Erika… - Ich nenne das im Klartext eine Sauerei!

 

KURT ( aufgeregt ): Finden Sie das wirklich richtig, Frau Hänel, dass wir schon wieder so weit sind, mit solchen Mitteln Politik zu machen…?

 

ERIKA ( geringschätzig  ): Bei allem Respekt, Herr Michelsen .... Sie reden auch nur aus dem Bauch !  - (gehässig ) Und Dein Maier, Mutter …! - Der sollte lieber seine vielen Kinder hüten … Es wäre nicht das erste Mal, so einen klein zu kriegen …

 

MARTHA ( kühl ) : Durch Rufmord, meinst Du ? -  Darin habt ihr Übung! – Ja, ich weiß!. 

(ERIKA schweigt trotzig )

Mich wollt ihr sicher auch erpressen…! Oder?

 

ERIKA ( aufgebracht :  Niemand redet hier von Dir, Mutter… - Dieser Maier, dieser Schwätzer…!  - Ein übler Wichtigtuer, der für sich seine Praxis wichtig macht, indem er täglich in der Zeitung steht… - Der Kerl missbraucht euch doch!

 

( Es klopft ) ( ERIKA erleichtert )

 Das wird Hubert sein…

 

 

  

GROßE PAUSE

 

 



 

3. Akt

3.AKT 

( VORIGE. HUBERT tritt ein )

 

 

HUBERT (noch unter der Türe ) : Hallo, miteinander. – ( erfasst die gespannte Atmosphäre, jovial)  Kriegstamtam ….? -  Komme in friedlicher Absicht, Bleichgesichter...

 

MARTHA ( winkt ihn herein; steht auf; trocken): Komm’ Du nur auch dazu … -(umarmt HUBERT herzlich) Schön, Dich zu sehen, Junge … – Kenn’ Dich nur noch aus der Zeitung… 

 

HUBERT ( nimmt MARTHA freundlich in den Arm ): Termine, Mutter … Termine!  - Für ‚Volk und Vaterland’ die Karre ziehen, das fordert nun mal seinen Preis…

 

MARTHA  ( klopft ihm mit einem gewissen Stolz burschikos auf die Schulter, leicht schmollend): Auch ein hohes Tier, mein Lieber, hatte eine Mutter…- Die man nicht vergessen sollte.

 

HUBERT (herzlich ): Du tust ja so … wie … ‚Aus den Augen aus dem Sinn’ … - ( jovial ) Das hast Du wirklich nicht geschafft, im Lauf des letzten Jahres … - ( sachlich, macht sich dabei von MARTHA sacht frei  ) Jetzt bin ich aber da… - Auch wenn der Anlass nicht erfreulich ist… aus meiner Sicht …

 

MARTHA (etwas schmollend, wobei sie HUBERT noch festhält ) : Trotzdem, Hubert …

 

HUBERT  (nickt ERIKA  zu ):  Schwesterchen … - Franz… den Kindern…Geht es gut….?

(ERIKA nickt freundlich) ( HUBERT  geht auf KURT zu und gibt ihm kühl die Hand)

Guten Tag … Jetter…

 

KURT  ( ein wenig unbehaglich ): Michelsen …

 

MARTHA ( sachlich, einwerfend): Mein Sekundant…- Gewissermaßen…

 

HUBERT ( sieht KURT kurz kritisch an, dann sachlich ): Sekundant … ? (zu ERIKA ) Schon so im Zweikampf, Schwesterherz…?   - ( gelassen zu KURT ) Pistole oder Degen…?

 

ERIKA ( gereizt ): Mutter geht auf schwere Säbel...

 

MARTHA ( trocken): Dafür tauge ich nicht mehr...

 

HUBERT  ( amüsiert ): Also Pistole…! – Na… - Hoffentlich gibt’s keine Toten …! -  (macht es sich bequem ) ( wendet sich MARTHA zu) 

( jovial) Ohne Kuchen, gebe ich mich gleich geschlagen, Mutter…! - Bis dahin… Hängt die weißen Fahnen raus… - Gefechtspause! - ( er isst und trinkt genüsslich, die anderen beobachten ihn dabei )  ( plaudernd ) Ich weiß ja nicht, was Erika schon sagte, Mutter … -  Wir müssen aber wirklich miteinander reden... –  Ich hatte eben ein Gespräch mit Dr. Mack und eurem Schmidt,,,,

 

MARTHA ( bitter ): Hubert… - Ich will darüber aber gar nicht reden! - Was ich tue, ist meine Sache...

 

HUBERT  ( unterbricht, nickt dabei zustimmend ): Versteh’ ich, Mutter… - Doch muss das nun mal sein.

 

MARTHA ( fährt einfach fort ):  ... sagte ich schon Erika.

 

HUBERT ( ruhig ): Doch selbstverständlich, Mutter... – ( legt ihr beschwichtigend die Hand auf den Arm ) Lass Dir wenigstens berichten…!

 

MARTHA ( seufzt): Ich merke schon … - Du warst wieder bei den Richtigen… - ( gereizt ) Der Mack, der alte Dackel… - Steckt  d e n  doch eine Zeit lang mal zu uns, damit der weiß, wovon er redet, der Herr ‚Fraktionsvorsitzende’…

 

HUBERT  ( übergeht das, genießt den Kuchen ): Ausgezeichnet…! - Da nehm’ ich nachher noch ein Stück. - ( neckt ) Auch wenn Du mit mir böse bist …!

 

MARTHA ( müde ): Ich bin nicht böse, Hubert… - Mehr enttäuscht … -  ( gewollt herzlich ) Schön, dass er Dir schmeckt…! – ( lacht ) Vom Reuser... - Frisch gekauft!

 

HUBERT  ( legt die Gabel weg, herzlich ): Ist aber doch nicht so, wie Deiner, Mutter…. – Lass’ ich nichts drauf kommen…! - Du hattest stets die besten ….– (neugierig ) Wie lange wohnst Du jetzt schon hier? (er ergreift ihre Hand )

 

MARTHA ( ruhig ): Demnächst ein Jahr …

 

HUBERT ( nachdenklich ): Hm…

 

MARTHA (schmollend):  Ihr hättet mich inzwischen wirklich mal besuchen können… -  Du und Erika! (bockig ): Weiß schon… - Alles meine Schuld!

 

HUBERT ( mit großer Zuwendung, eindringlich ): Mutter... - Ich versteh’ Dich auch nicht! – Du ziehst nicht aus und hälst noch andre davon ab. - ( entschieden)  Wenn schon ein Altenheim, dann solltest Du zumindest mal ins Schörnbornhaus…!

 

MARTHA ( fest ): Hier gefällt es mir! - Und ich will hier bleiben, Hubert …!

 

HUBERT ( betrachtet sie eine Weilenachdenklich , dann freundlich ):  Willst Du nicht endlich Ruhe, Mutter, auf die alten Tage…? – Du hattest doch nun wirklich schon genügend Scheiß am Hals...  in Deinem Leben …! – Mach’ Dir doch endlich eine schöne, sorgenlose Zeit…!

 

MARTHA  ( nachdrücklich ): Genau die habe ich jetzt hier, Hubert… ! - ( trotzig ) Jedenfalls … das sagte ich schon Erika … nach da oben bringt mich keiner …! - Auf den Berg!

 

HUBERT ( ruhig, freundlich ) : Im Schönbornhaus kriegst Du ein schönes, großes Zimmer! - Blick auf die Stadt …! -  Ist schon besprochen, mit dem Mack …

 

MARTHA ( spöttisch): Seit wann vergibt denn jetzt der Mackdie Zimmer? Der leitet die Fraktion...

HUBERT: (freundlich): Stell' Dich nicht an. Weißt doch, wie das läuft in einer Kleinstadt..... Der OB ist auch dafür....

MARTHA ( abwehrend ): Ihr gebt wohl keine Ruhe! - Erst Erika… jetzt Du! – Habt ihr das abgesprochen? - - (versöhnlicher) Das Schönbornhaus ist mir zu unpersönlich, Hubert! - Wie ein  Krankenhaus, ist das …! (trocken) Und dazu bin ich zu gesund.

(PAUSE)

( HUBERT  blickt kurz  auf ERIKA , die, von MARTHA unbemerkt, mit den Achseln zuckt, was jedoch KURT sieht )

 

KURT ( verbindlich ): Wissen Sie, Herr Dr. Jetter… - Alte tun sich … ohne Auto … schwer… da oben auf dem Berg. – Hier hingegen …- Da schaut mal dieser rein, mal jener…- Beim Einkauf oder so … -  Und kennt man niemand aus dem Ort, wie ich … Hier bin ich mitten in der Stadt…

 

MARTHA ( beschwörend ): Dort oben, Hubert, schaust Du aus dem Fenster und stets siehst Du den gleichen Baum, denselben Zweig… - Das ist Warten auf den Tod ! -  ( leicht verzweifelt ) In ‚Ruhe’, wie ihr das jetzt nennt! – Als ob wir nicht das Leben brauchen…- Um uns richtig satt daran zu sehen!  – Hierl… - Da knarren auch mal Dielen, hörst Du Türen schlagen... - Da oben…? - Ist alles DIN-gepuffert…. -  Bist Du begraben.!

 

HUBERT ( mit wohlwollendem Spott): Sehr blumig … - Meinst Du nicht, Du übertreibst mal wieder, Mutter … ?

 

MARTHA  ( fest ): Mag sein, mein Lieber, dass ich schrullig werde… - Doch warum nehmt ihr mich nicht, wie ich bin?

(PAUSE)

HUBERT ( ungehalten, drängend ): Herrgott, Mutter! – Die würden Dir sogar ein zweites Zimmer überlassen…! -   Schmidt hat mir das zugesagt!

 

MARTHA (winkt ab): Was redest Du ? -  Das Schönbornhaus ist voll belegt!

 

HUBERT ( ungehalten ): Die machen einen Durchbruch in ein Nachbarzimmer…!

( MARTHA sieht ihn zweifelnd an) ( HUBERT nachhaltig ) Du hör’ nur endlich auf, die Heimbewohner aufzuwiegeln und den Maier öffentlich zu unterstützen! (deutet dabei umher ) - ( aufgebrqacht ) Die Leute wissen schließlich, wer Du bist. --- Wer i c h bin!

 

MARTHA ( abweisend ):  Na, toll! – Andere sind auf der Warteliste und mir gebt ihr ein zweites Zimmer! – Dafür muss dann einer raus…

( HUBERT  zuckt gleichmütig mit den Achseln )

Eine saubere Beziehungsdemokratie…!

 

ERIKA ( energisch ) : Mutter! - Stell' Dich nicht so an! - Mach’ die Familie nicht noch mehr zum Gespött für and're.!

 

HUBERT  ( einwerfend, freundlich betont): Müsstest Du doch wissen, wie wichtig das jetzt  ist, für mich … - dass  D u  mir jetzt nicht in den Rücken fallen darfst… - Ich gründe derzeit schließlich die Seniorengruppe der Partei!

 

ERIKA (eindringlich ): Der Herr Bundeskanzler hat Hubert ganz persönlich Dank und Anerkennung ausgesprochen, Mutter …! -  Hubert könnte auch im Bund noch eine Rolle spielen! – Als Justizminister etwa …! Da kann er sich nicht leisten, dass Du ihn jetzt ins Gerede bringst!

 

HUBERT  ( wiegelt ab, bescheiden ): Na ja, Erika…  Das steht noch etwas in den Sternen… - Trotzdem, Mutter…! - In der Partei darf ich durch die Familie nicht ins Zwielicht kommen...

 

MARTHA ( unsicher ): Hubert! – I c h schäme mich nicht, hier zu wohnen. – Warum Du? – Das Spital war immer schon die Seele dieser Stadt... !

 

HUBERT ( verständnisvoll ): Ich weiß doch, Mutter … - Mir blutet dabei auch das Herz…

 

KURT  ( einwerfend ): Aber Sie, Herr Dr. Jetter…! - Als Mitglied der Landesregierung… - Sie könnten beim Herrn Ministerpräsidenten doch sicher was bewirken ...!  – Der Herr Landtagsvizepräsident hat sich doch auch schon dafür eingesetzt.

HUBERT  ( belehrend ):  Herr Michelsen …Der Landtagsvizepräsident ist von der Opposition. - Die ist bekanntlich immer nur dagegen. - Im übrigen verkennen sie Rechte der Regierung. - Wir können doch nicht einfach so…  von oben … in die Kommunalhoheit hinein bestimmen! – Das würde sich die Stadt zu recht verbitten! – Nein, nein! …

 

KURT( ruhig ):Das Land gibt doch der Stadt die Mittel…! - Der OB ist noch stolz darauf, wie hoch der Zuschuss wird, vom Land …!

 

HUBERT ( gönnerhaft ): Bitte werfen Sie  nicht alles durcheinander. - Das alles liegt beim Regierungspräsidium! – Dort stellt die Stadt den Antrag und die entscheiden dann darüber … - (betont)   - Da wird auch nichts gekungelt, wie Sie vielleicht meinen...  ( gewollt heiter ) Man stelle sich nur vor, die Regierung würde über jedes Kommunalprojekt entscheiden…

( Pause )

( lächelnd ) Wir machen hierfür nicht Gesetze, Herr Michelsen: Wir wenden sie nur an! – ( jovial ) - Wir legen sie vielleicht auch manchmal etwas aus… -  Doch stets am Wohl des Volkes aiusgerichtet....– (leichthin ) Wem das nicht passt, wie Herrn Maier, der hat das Recht zu klagen! - Doch sehen Sie ja selbst, wie der vor den Gerichten scheitert. - Das Schicksal eines jeden Querulanten.

(PAUSE)

ERIKA( spitz ): Im übrigen: Weil Du von Warteliste sprichst, Mutter… - Wie bist Du eigentlich so schnell hier reingekommen?

 

MARTHA  ( unsicher ): Über die Warteliste! - Wie denn sonst…?

 

ERIKA ( gedehnt ): Das heißt… -  Du hast Dich schon vor Jahren für’s Spital gemeldet? – Da lebte Vater aber noch…!

 

MARTHA (  unverständig ): Natürlich!

 

ERIKA ( gedehnt ): Womöglich ohne ihm davon zu sagen …

 

MARTHA ( empört ): Was unterstellst Du mir …? – Wir waren b e i d e angemeldet! – ( PAUSE ) ( Die Geschwister sehen sich vielsagend an ) (MARTHA betroffen ) Nur konnte Vater dann als Pflegefall nicht aufgenommen werden…! -   Daher stand ich schließlich oben auf der Liste…

( ERIKA  und HUBERT  sehen sich wieder bedeutungsvoll an ) ( MARTHA erregt)

Warum wollt ihr mich damit ins Unrecht setzen?

(PAUSE)

HUBERT (milde ): Ist doch gut, Mutter…! – Das weiß ich schon von Dr. Schmidt. – Nur Erika war das jetzt neu…! - Niemand macht Dir einen Vorwurf…

(PAUSE   )

KURT ( bemüht, von der Stimmung abzulenken): Ich will nur noch zum Spital sagen, dass  hier ist vieles schief gelaufen ist…

 

HUBERT ( wendet sich ihm leicht verärgert zu): Wovon, bitte, sprechen Sie denn jetzt…?

 

KURT ( sachlich, entschieden):  Die geplante Räumung hat die Bewohner des Spitals sehr aufgeregt, Herr Dr. Jetter. – Eine Frau ... als man ihr das neue Heim benannte, erlitt sie einen Schlaganfall... - Am nächsten Tag ist sie gestorben…! – Das war ja auch der Grund, warum Herr Maier kam, um uns dagegen Pfleger zu vermitteln.

 

HUBERT ( unwillig ): Frau Lohner, Herr Michelsen,  war schon seit langem krank. Sie starb an ihrem Leiden, niicht an einem Schlaganfall - Das wurde alles überprüft… - ( nachdrücklich ) Die Ärzte … jedenfalls … hatten keinerlei Bedenken, jemand zu verlegen!

 

KURT  ( bekräftigend ): Auch andere sind krank geworden, Herr Dr. Jetter…!

 

HUBERT  ( scharf ): Bei allem Respekt, Herr Michelsen… - Medizinisch ist das Unsinn! - Für einen solchen Vorwurf hab ich auch keinerlei Verständnis!

 

KURT ( beharrend ): Herr Maier hat das auch bestätigt …

 

HUBERT  ( winkt ab ) : Ein Heilpraktiker… - Ich bitte Sie! - Das sollte man schon Ärzten überlassen.

 

MARTHA ( spitz ): Wie heißt es doch…?  Einer muss nun mal das Opfer bringen … -  Und so lange ihr’s nicht seid… - Wieviel Tote verträgt denn die Rochade..?

KURT ( erregt ): Wenn es s nichts zu vertuschen gäbe, Herr Dr. Jetter … - Warum holt die Polizei Herrn Maier dann aus meinem Zimmer ? - Der mich nur besuchen wollte...

 

HUBERT  (scheinbar überrascht, bedeutungsvoll ): Ach …! - Das waren Sie, Herr Michelsen, der ihn zu sich ins Zimmer bat?

 

KURT  ( fest ): Herr Maier kann mich jederzeit besuchen!

 

HUBERT ( kühl ): Sie wussten aber doch … - Herr Maier hat hier Hausverbot!

 

KURT  ( wieder ruhiger ): Hat er mir gleich gesagt… - Schon als er kam! – Auch, dass ihn wohl die Polizei bald holen werde …

 

HUBERT ( ablehnend): Ich muss mich doch sehr wundern, Herr Michelsen! Solche Leute unterstützen Sie … -…Herr Maier suchte ganz bewusst die Konfrontation mit uns! – Um sich mal wieder in der Öffentlichkeit zu profilieren…

 

KURT  ( ruhig ):  Er war in m e i n e m   Zimmerr! - Das   i c h  gemietet habe!… - Darin kann ich empfangen, wen ich will! -  Da hat mir auch der Landrat nicht hineinzureden!

 

HUBERT  ( scharf ): Sie stellten sich damit ganz offen gegen Stadt und Landkreis, Herr Michelsen! - Dieses Hausverbot betrifft das ganze Heim ! - Folglich auch  i h r   Zimmer, Herr Michelsen!

 

KURT  ( schüttelt den Kopf, fest ):  Das trifft ja wohl nicht zu! - Herr Maier hat uns schließlich nur besucht, um uns die Pfleger zu vermitteln! -  Damit wir uns gerichtlich gegen diese Räumung wehren können…

 

HUBERT  ( entschieden ): Das Hausverbot gilt ohne wenn und aber…! Das ihm verbietet, Haus und Grundstück zu betreten …

 

MARTHA ( ebenso betont zu HUBERT ): Es sei denn, ein Besuch sei erwünscht…! - So steht es nun mal im Beschluss… Herr Maier hat mir das gezeigt!

 

ERIKA ( erregt ): Er durfte aber das Gebäude nicht betreten, Mutter…! – Egal, ob nun erwünscht … ob nicht!  

 

MARTHA ( aufgebracht ): Soll er bei Kurt durch's Fenster steigen, nur um die Flure zu vermeiden? - So ein Quatsch! - - Der Landrat wollte so verhindern, dass uns Herr Maier helfen kann.!

 

HUBERT ( kühl ): Nein, Mutter! - Sein Auftritt hier gefährdete die Ruhe...und damit die Gesundheit von Bewohnern! . – Keine Heimleitung darf eine solche Störung dulden!

 

KURT  ( erregt ):Sogar verhaften wollte man ihn lassen…! -  Selbst dann noch, als der Polizeichef mit der Begründung, das wäre Freiheitsberaubung, weigerte, Herrn Maier einzusperren… …! Erst das Ordnungsamt der Stadt hat die Verhaftung schließlich abgeblasen…!

 

MARTHA ( verächtlich ): Wie zu Hitler's Zeiten …

 

HUBERT ( ungehalten ): Jetzt ist es aber dann genug!

 

MARTHA  (wütend ): Du weiß genau, wie recht ich habe, Hubert! - Du weißt, wie oft Dein Vater mit mir über seine Fälle sprach…!  - Tu’ bloß nicht so, als sei ich eine dumme Hausfrau!

 

ERIKA ( scharf ): Alles war korrekt, Mutter! - Der Gerichtsbeschluss …

 

MARTHA ( unterbricht sie wütend ): Gerichtsbeschluss... - Das Hausverbot wurde Samstag Nachmittag vom Amtsgericht verhängt und dann vom Gerichtsvollzieher sofort zugestellt.... Wo gibt's denn so was? . Ab Freitag Mittag läuft doch bei Behörden sonst nichts mehr…! - Aber ich sage Dir, warum man es so eilig hatte...- Montag früh wäre ein and'rer Richter zuständig gewesen, nämlich Dr. Kant ..Der aber hätte euch das nicht so leicht gemacht! – Zumindest mal Herrn Maier als Betroffenen gehört…!  - So… wie es das Gesetz verlangt!

HUBERT  ( gelassen):  Es war nun mal Gefahr im Verzuge … Im Hinblick auf den Schutz der alten Menschen musste man sofort was machen! -  (betont) Und durfte damit ohne Anhörung Eures Maiers entscheiden!

MARTHA (  wütend ):  Dummes Zeug, Hubert! -  Man hätte ihn auch anrufen können, um ihn dazu zu hören 

 

HUBERT ( winkt ab ): Der war wohl nicht erreichbar... – Was weiß ich…

 

MARTHA ( aufgebracht ): Und warum schickt man Samstag Nachmittag noch den Gerichtsvollzieher? – Die wussten doch, dass er zu Hause war! 

( HUBERT zuckt gleichmütig mit den Schultern )

ERIKA ( wütend ): Typen, wie den Maier, Mutter… muss man nun mal härter nehmen! – Sieht man ja …! -  Gründet der doch noch am gleichen Nachmittag eine   ‚Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Spitals’ … - Mit sich als Vorsitzendem… - Und ist trotz Hausverbot am Montag wieder hier, um ‚Mitglieder’ zu besuchen…! - ( wütend)  Und Du gibst Dich noch dafür her, bis dahin ihm im Heim die 'Mitglieder' zu werben!

 

MARTHA ( kühl  ): Das war durchaus legal, Erika…!

 

HUBERT ( ungehalten): Mit landesweitem Medienrummel…! - Eine Frechheit war das, ohnegleichen ... – Man hat mir das sehr nachgetragen, bei uns, in der Partei…

 

MARTHA ( trocken ): Der war euch ‚Machern’ über, Hubert… - ( spöttisch ) Konntet ihr wohl nicht verkraften ...

( HUBERT  schweigt verärgert )

ERIKA ( bissig ): Dieser Maier stellt sich gegen uns'ren Staat …! - Müssen wir uns denn durch jeden Rattenfänger öffentlich verhöhnen lassen?

 

HUBERT ( von oben herab, zu ERIKA ): Der kann nur  froh sein, dass euer Polizeichef uns dann in den Rücken fiel!  – Statt einen jungen  Polizisten mit der Sache zu betrauen, geht der doch selbe hin... – Ein Junger hätte mit dem Maier nicht noch stundenlang palavert, sondern kurz gedroht, ihn abzuführen und es dann getan! – ( ärgerlich ) Euer Polizeichef ist ganz offensichtlich auch ein Sympathisant von diesem Masier. - Der wollte offenbar vermeiden, dass man dem Maier mit einem Verfahren wegen Widersdtand gegen die Staatsgewalt endlich das Kreuz brechen kann.

 

MARTHA  ( lacht geringschätzig ): Glaubst Du doch selber nicht, Hubert…?  Herr Mund Widerstand? Dazu lässt sich der nicht provozieren…! - Ihr braucht für eure Winkelzüge schon so Richter wie am Landgericht…

 

HUBERT  ( scharf ): Was soll das heißen?

 

KURT ( erregt ): In der Gerichtsvehandlung saß ich hinten drin, Herr Dr. Jetter! – Herr Maier erzählt, wie aufgeregt und ängstlich alle sind, im Heim …! - Frau Jährling sei sogar in Freudentränen ausgebrochen, als ihr die Schwester sagte, wer er sei und dass er uns hier helfen wolle! – Der Vorsitzende drehte das dann später rum …! - Herrn Maier habe selber zugegeben, dass seinetwegen eine Frau in Tränen ausgebrochen sei. - Das Hausverbot wegen Störung sei daher berechtigt!

 

HUBERT ( von oben herab ): Das haben Sie wohl falsch verstanden, Herr Michelsen...

 

KURT  ( empört ): Also … verkalkt bin ich noch nicht !

 

HUBERT ( geduldig ): Schließt trotzdem nicht aus, Herr Michelsen, dass auch Sie mal etwas falsch verstehen… -  Oder?

 

MARTHA ( energisch ): So steht das auch im Urteil, Hubert! – Herr Maier hat es mir gezeigt! – Und das Urteil kennst Du sicher!

 

ERIKA ( kühl ): Das Oberlandgericht hat das Hausverbotdann betätigt … 

 

Kurt ( unterbricht ): In der Zeitung steht, Herr Maier habe unser Heim betreten... in der ‚A b s i c h t ’ … Absicht, Frau Hänel! … dessen Schließung zu verhindern…  - Und deshalb sei das Hausverbot begründet!

 

MARTHA ( zustimmend ): Was ist denn das für eine Rechtsprechung? - Seit wann steht eine Absicht für die Tat? – ( höhnisch zu Erika ) Geh’ mal zur Polizei, weil Dir Dein Mann droht, Dich zu töten. – Das ist für die nach dem Gesetz kein Grund zu handeln …!  - Doch bei Herrn Maier reichte schon die 'Absicht', uns zu helfen …

 

ERIKA ( empört ): Dieser Mensch missbraucht den Rechtsstaat…! - Und zeigt, in seiner Unbelehrbarkeit danach sogar den  Landrat, dessen Stellvertreter und den Chef der Stiftung an, nur weil sie ihn als Störer in Gewahrsam nehmen lassen wollten … - Weiß man doch, wes Geistes Kind der ist…!

 

MARTHA ( kühl ): Das hätte ich genauso, Erika…. ! - : Nur stellt die Staatsanwaltschaft bei so hohen Tieren die Verfahren eben ein… - Wegen mangelndem Vorsatz der Beschuldigten, die ihn verhaften lassen wollten…! - ( zu KURT ) War doch so, Kurt… ? Nicht?

 

KURT nickt ) : Habe ich gelesen....

HUBERT  ( überlegen ): Wer jemanden verhaften lassen will , Herr Michelsen… auch gegen den Willen der Polizei !  … muss deshalb schon mit Vorsatz handeln! -  ! – (geringschätzig ) Erst recht bei Querulanten…

 

MARTHA ( entschieden):  Nein, Hubert… - So wird Recht gebeugt..! – Was habt ihr denn bei Frau  Fuchs gemacht ? - Kaum war Herr Maier draußen war, steht schon der Dr. Mack in ihrer Türe und lässt sie unterschreiben, dass sie Herrn Melhorn nicht ‚gerufen’ habe. – Und tags darauf steht in der Presse, man werde deshalb eine Strafe wegen ‚Verstoßes gegen das Hausverbot’ beantragen, die der ‚Hartnäckigkeit des Herrn Maier entspreche’…

 

HUBERT  ( gereizt ): Wer nicht Flagge zeigt, bestärkt dadurch nur and're Spinner!  – ( entschieden) Nein! – Jeder muss bestraft werden, der Recht und Ordnung übergeht! – ( gelassen ) Du verstehst nun mal nichts von der Politik, Mutter. - Lass es also lieber…! - ( versöhnlich ) Im übrigen... - Der wird natürlich nicht bestraft…!  - Das Landgericht erklärt die Sache irgendwann mal für erledigt… Ein saftiger Streitwert ... Maier kriegt die Kosten des Verfahrens auferlegt … ( gehässig ) Damit ist der dann gestraft genug...

 

KURT ( verständnislos ): Was hat so was noch mit Politik zu tun, Herr Dr. Jetter?

 

HUBERT ( überlegen ): Sehen Sie … - Wichtig ist nicht immer, dass etwas wahr ist, sondern dass es durch die Medien geht…! - Zwei, drei solcher Sachen in der Presse und jeder geht dem Maier aus dem Weg, um sich nicht vielleicht selber zu gefährden… - Das meine ich … mit Politik!

 

MARTHA  ( geringschätzig ): Und dafür gibt das Recht sich her…

 

HUBERT  ( gelassen): Rechtswege, Mutter, sind nun mal sehr schmale Pfade durch Gestrüpp…  - Das solltest Du von Vater wissen…! - Da heißt es… festes Schuhwerk tragen oder einen guten Führer haben. Sonst brichst Du Dir die Knöchel.

 

MARTHA  ( verächtlich ): Ihr mit eurer Bananenrepublik …

 

Hubert  ( schüttelt den Kopf, gelassen ): Die Partei hat in Jahrzehnten ein Vertrauen aufgebaut… - Sollen wir uns das zerstören lassen?

 

MARTHA  ( trotzig ): Die Sprüche lass doch mal die Presse hören…

 

HUBERT  ( lächelt ): Presse? - Wer die Ausgewogenheit verletzt, den legt man an die Leine…

 

KURT :  Wir haben Pressefreiheit!

 

HUBERT ( gelassen ):  Herr Michelsen… -  Keine Zeitung muss Artikel oder Leserbriefe drucken, die ihr nicht gefallen…! - Pressefreiheit ist keine Einbahnstraße gegen die Regierung!  – Noch gibt es schließlich Meinungsfreiheit! - ..

 

MARTHA  ( bitter zu KURT )::Den einen Teil des Lebens verbringst Du in der Angst vor dem Versagen, den anderen versagst Du in der Angst …

( ERIKA  und HUBERT  sehen sich bedeutungsvoll an )

HUBERT (beschwichtigend ):  Deshalb lass uns jetzt endlich aufhören, Mutter! – Die Zerfereien bringen nichts! – ( lacht jovial) Auf Jeanne d’Arc zu machen … - Womöglich noch mit freier Brust und Krücke … Was? – In Deinem Alter doch kein Anblick, der entzückt… 

( MARTHA schweigt trotzig ) ( HUBERT beschwichtigend)

Entschuldige …! -  Das war wohl etwas plump... Ich will Dir nur begreiflich machen -  ( zu KURT) Für Sie gilt das genau so …dass Widerstand nur Ärger bringt! – ( ,mit großem Nachdruck ) Ihr müsst hier raus, Mutter …und geht auch raus !

( PAUSE ) ( Hubert lehnt sich zurück, gelangweilt )

Ich denke… - Wir haben wirklich lang genug geredet... – ( freundlich ) Worum ich Dich daher ganz einfach bitte, Mutter … - Erspare uns jetzt neuen Ärger… - Du spielst nur unsern Feinden in die Hände…! - Un der Partei und außerhalb , - Denn die Partei nimmt uns das übel …! - Mir und Franz … ! - Die nehmen uns in Sippenhaft!

( PAUSE )

MARTHA ( gereizt): Verstehe schon …! - Muttchen hat genug geplappert…!  - (enttäuscht)  Ich hoffte so, Ihr wärt bereit, mir wirklich ein Mal zuzuhören…

( HUBERT  und ERIKA sehen sich schweigend an )

(zunehmend bitter) In Wirklichkeit lasst ihr uns doch reden . - Als scheinbar Gleiche unter Gleichen … - Wie bei einer öffentlichen Bürgeranhörung. - Da darf auch jeder seinen Kropf entleeren… -  Die Obrigkeit setzt danach ein paar schöne Worte und alles bleibt so, wie sie's beschlossen. Sie hat ja auch de Macht.

( PAUSE )

Ich weiß…!  - Du hast bestimmt noch wichtige Termine, Hubert . - Und hast bei mir längst Deine Pflicht getan…

( PAUSE )

Mal ehrlich…-  Haben wir hier etwas vorgebracht, was Du nicht längst schon vorher wusstest…?  

(PAUSE )

HUBERT  ( schüttelt den Kopf, geduldig ): Du siehst das falsch, Mutter…! - Es ist nun mal beschloss’ne Sache…! - Und zwar nicht hier … und  nicht im Landkreis! -- (nachdrücklich ) Habe ich mich deutlich ausgedrückt? – ( bittend ) Mach es uns doch nicht so schwer, Mutter…

(PAUSE )

MARTHA ( enttäuscht ): Ihr zerstört so vieles, was mir wichtig war und ist! – (bekümmert ) Was glaubt ihr denn l, warum ich sonst mit euch darüber rede?

 

HUBERT ( achselzuckend ):  Es geht um Politik, Mutter … - Was soll ich Dir erklären? – ( ruhig ) Nimm es einfach, wie es ist…

( Pause )

ERIKA ( gehässig,  zu HUBERT ): Lass’ , Hubert… Lange geht das sowieso nicht mehr, mit diesem Maier..! - Dann kommt auch Mutter zur Vernunft…!

 

MARTHA ( unsicher ): Was soll das, bitte, heißen?

 

HUBERT  ( unwillig, zu ERIKA): Lass doch, Erika …!

 

ERIKA  ( begehrt auf, zu HUBERT  ): Warum nicht … ? - ( mit Genugtuung; zu MARTHA ) Seine Frau, die wird versetzt ..! -  Kommt irgendwo an eine andre Schule … - Bei den kleinen Kindern muss die Familie folglich mit. -  Die ziehen also demnächst weg.

 

MARTHA  ( aufgebracht ): Doch nicht Dein Ernst ?

 

ERIKA (shämisch ): Die ist ja vielleicht froh darüber …? – Dann muss ihr Mann doch endlich Ruhe geben! – ( geringschätzig ) So einen…! -  Den will doch keine, diesen Prozessierer…

 

KURT ( erregt ):  Sie kennen ihn nicht mal persönlich … - Warum bekämpfen Sie Herrn Maier so ?

 

( HUBERT sieht KURT nur von oben herab an  )

 

ERIKA ( gehässig ): Der soll sich um seine Praxis kümmern…! - Die Rosner…  von der Frauenliste… - hat’s ihm auch gegeben! – Und das vor Zeugen…! – Er sei ein Scharlatan und ein Betrüger und dass sie alles tut, ihm die  Patienten zu vergraulen…!  – ( mit Nachdruck ) So, Mutter,  denkt man über Deinen Helden…! – Und als der Maier mit der Rosner deshalb prozessierte, hat er natürlich auch verloren! - Dass Du’s weißt…!

 

MARTHA ( verblüfft ): Scharlatan und ein Betrüger …- Das ist Beleidigung, Verleumdung…

 

ERIKA  ( mit Genugtuung ): Irrtum! - In einem ‚politischen’ Kampf, da darfst Du so was sagen…. !  - Hat das Landgericht entschieden…! – ( hämisch ) Das hat er Dir wohl nicht gesagt...

 

HUBERT  ( trocken ): So ergeht es nun mal Querulanten, Mutter … - Solltest Du von Vater wissen, wie das läuft… - So einer will doch immer schlauer sein, als jeder Anwalt oder Richter! - Wird ein Richter zudem vorgewarnt … weiß der , wie weiter zu verfahren ist... - Im Rahmen des Ermessens.

 

ERIKA ( nachdrücklich ): So wie der Maier glaubt, als Heilpraktiker auch mehr zu wissen, als ein Arzt…

 

HUBERT ( nickt, jovial ): Sag’ ich ja…! - Ein Unbelehrbarer, der sich auf Kosten aller zwanghaft selbst verwirklicht…! - ( gönnerhaft ) Warum kriegt der hier auch keinen Anwalt mehr … Ein guter Anwalt kennt die Richter im Bezirk. ..!  - Und Querulanten …? - Wenn man die überhaupt vertritt … lässt sie ein guter Anwalt bluten ! – Kassiert möglichst ein Sonderhonorar und fährt die Spinner danach lehrbuchmäßig an die Wand!

 ( energisch )

Doch wirklich, Mutter … – Langsam reicht’s…! - Die ganze Zeit das Rumgequatsche…

( PAUSE )

 

KURT ( holt tief Luft, beherrscht): Und wohin werden wir verlegt, Herr Dr. Jetter?

 

HUBERT  ( knurrig ):  Das entscheiden die Behörden…

(PAUSE )( KURT  sieht MARTHA  beunruhigt an )

MARTHA  ( greift beschwichtigend nach KURT, fest ): Wir bleiben zusammen, Kurt! ( beunruhigt zu HUBERT ) Du könntest doch was tun… - Für uns …

(PAUSE)

HUBERT ( zögernd ): Schwer zu sagen, nach dem, was hier gelaufen ist … -  Mack und Schmidt … - Die waren schwierig zu gewinnen, dass man Dir überhaupt behilflich ist!

 

Martha ( hilflos ): Aber dieses zweite Zimmer… - Das könnte dann doch Kurt …

 

ERIKA  ( einwerfend, spitz ): ‚Beziehungsdemokratie’, Mutter … - War Dir das vorhin nicht zuwider?

 

MARTHA ( trotzig ): Ich gehe hier nur raus, wenn ich mit Kurt zusammen bleibe …

 

HUBERT  ( energisch ): Nein, Mutter! – Du ziehst hier aus, weil die Vernunft es Dir gebietet - Und zwar bald!!

 

ERIKA ( spöttisch ): Natürlich kannst Du auch hier wohnen bleiben, Mutter… - Wie das aber wird… in einem leeren Haus … mit Verpflegung und so weiter …

( MARTHA  und KURT sehen sich betroffen an;  KURT wirkt plötzlich sehr mitgenommen )

HUBERT ( gönnerhaft, zu ERIKA ):  Na ja… Jetzt übertreibst Du aber …

 

MARTHA  ( kühl ): Nein, nein, Hubert!. – Damit wurde anderen inzwischen auch gedroht …! -  Worauf die eiligst ausgezogen sind…

 

HUBERT  ( ungehalten ): So ein Quatsch! - Wir sind doch keine Unmenschen… - Das löst man heute anders

 

MARTHA  ( bitter ):  Euch traut man so was eben zu…

 

HUBERT ( energisch ): Und weshalb suchen wir dann das Gespräch mit euch Bewohnern?

(PAUSE )

MARTHA ( entschlossen ): Ich gehe jedenfalls nicht ohne Kurt! - ( zu  KURT ) Das schaffen wir schon miteinander…! -  Ich habe jedenfalls Vertrauen ….

 

HUBERT (hart; einwerfend ): Nein, Mutter … keine Ahnung!

 

MARTHA  ( mit aufkommender Verzweiflung): Du wirst schon sehen …

( HUBERT  sieht ERIKA  kurz an, die mahnend den Kopf schüttelt )

HUBERT ( entspannt sich, freundlich ): Mutter …! - Erika und ich … - Wir machen doch die Regeln nicht!

(PAUSE )

KURT ( steht plötzlich mühsam auf, zu MARTHA ): Der Kuchen ist mir nicht bekommen, Martha… - Ich muss ein bisschen auf mein Zimmer … - ( zu den anderen ) Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden …

 

MARTHA ( aufgeregt ): Was ist denn, Kurt …! - Soll ich die Schwester rufen?

 

KURT ( erschöpft ): Lass nur, Mädchen. Danke.  – Ich komme schon zurecht.

 

MARTHA ( beunruhigt):   Willst Du Dich nicht etwas niederlegen?

 

KURT  ( etwas verlegen ): Nicht doch, Martha… -  Ich komme nachher wieder …

 

MARTHA ( hilft ihm eilig in die Jacke und bringt ihn zur Türe): Soll ich Dich nicht begleiten, Kurt… - ( zu HUBERT  ) Oder Hubert …! -  Du könntest vielleicht doch … - Komm! - Sei so gut …

( HUBERT  zieht überrascht die Augenbraue hoch )

 

KURT ( eilig ): Nicht doch … - Danke! -  Ich komme wirklich gut zurecht …

 

MARTHA ( zweifelnd ) Ja? – Ich komme nachher zu Dir rauf…

 

( KURT nickt nur und geht dann etwas mühsam ab. MARTHA sehr beunruhigt, ERIKA betreten, HUBERT gleichgültig )

 

 

 

 

 

4. Akt

4..Akt

1.Szene  

( Szenenstellung wie vorher )

 

MARTHA ( sehr besorgt ): Ich weiß nicht … - Das mit Kurt… - Gefällt mir gar nicht

 

HUBERT ( etwas ungehalten ): Bitte, Mutter…– Er will doch nur ein wenig ruhen. - In seinem Alter doch nicht ungewöhnlich.

ERIKA ( beruhigend ) : Denk ich auch, Mutter …

 

MARTHA ( , nachdenklich, besorgt ): Kurt ist nicht mehr sehr robust …

 

HUBERT ( ungehalten ): Aber er sagte doch, es sei der Kuchen …

 

MARTHA ( erregt ): Hubert, Du weißt, das hat ihn mitgenommen… - Dass ihr uns droht und so …

 

HUBERT (gereizt ): Jetzt t sind wir noch schuld daran … ( sieht ERIKA entrüstet an )

(  Pause )

MARTHA (bekümmert ): Sag’ ich doch nicht …

( . MARTHA nach Pause verbittert   )

Ihr wartet nicht mal ab, bis wir von alleine sterben …

 

ERIKA ( aufgebracht ): Also wirklich …!

( MARTHA winkt enttäuscht ab; ERIKA vorwurfsvoll )

 I h r   habt doch schließlich angefangen! - Seid los auf uns und kamt vom Hundertsten ins Tausendste… - Dann muss er auch was einstecken können!

 

HUBERT ( ärgerlich ): Der war immer gegen uns...

( MARTHA  verständnislos ) (

Hat er Dir natürlich nicht erzählt, Mutter ... um Euer trautes Glück nicht zu gefährden … - Dein Kurt hat bei den Roten früher kräftig mitgeprügelt,…um die verhasste Bourgeoisie zu stürzen !  – Und dafür steht der heute noch …!

 

MARTHA ( aufgebracht): Woher willst Du das wissen ... 

HUBERT ( kühl ) : Ich muss ja schließlich wissen, mit wem Du Umgang hat, wenn ihr hier solchen Wirbel macht… ( geringschätzig ) Glaubst Du wieder nicht …Ich weiß... -  ( gelangweilt )  Könnte ich beweisen, Mutter. - Bei uns kann keiner die Vergangenheit vertuschen …!

(PAUSE)

ERIKA ( ablenkend , aufgebracht ): Wir seien Schuld an seinem Unwohlsein....- Das ist nicht fair!

 (PAUSE)

HUBERT ( ungnädig ): Bist wirklich schwierig geworden, Mutter! - ( verständnisheischend  ERIKA anblickend) Warst früher doch nicht so …

 

MARTHA  ( bekümmert, entschuldigend ): Das ist für Kurt nun mal die letzte Heimstatt, das Spital… - Er hat solche Angst, hier raus zu müssen …

 

ERIKA ( ärgerlich ) : Herr Gott…– Du wolltest doch, dass er dabei ist!

 

HUBERT ( bringt ERIKA mit einer Handbewegung zum Schweigen, betont freundlich zu MARTHA): ‚Letzte Heimstatt’ … - Das ist doch wohl zu eng gesehen, meinst Du nicht? -  Du bist doch auch erst umgezogen … Der Mann ist zudem rüstig und vital… -  Hat er doch auch bewiesen, im Gespräch. 

 

MARTHA (leise ):- ( bitter ) : Wieso maßt ihr euch nur an, uns alles vorzuschreiben? -  Zu bestimmen, was ich will… -  Und dabei solche Angst verbreitet… - Nur weil es euch gerade nutzt!

 

Hubert ( freundlich, entschieden ): Fang’ jetzt nicht wieder davon an…

 

MARTHA ( unbeirrt fortfahrend ): …und das bei Menschen, die es Euch … wenn auch jeder nur ein Stückchen … überhaupt erst möglicht machten, das zu werden, was ihr seid…!  – (halblaut ) Es gab Kulturen, in denen Alter etwas galt und Jugend nur Beweis für Stärke war…

( ERIKA  und HUBERT sehen sich wieder an, HUBERT  zieht genervt die Brauen hoch )

ERIKA ( versöhnlich ): Das bildest Du Dir alles ein, Mutter…

 HUBERT  ( steht auf, geht übellaunig umher ): Nichts als Streit … - Als hätte ich nicht schon genug Probleme!

(PAUSE )

Mein Gott…! -  Mich fragt doch auch nicht ständig einer, was ich fühle …!  - Wir tun das doch für eine gute Sache!

 

MARTHA ( fasst sich, dann sachlich ): Bitte keine Deiner Fensterreden, Hubert…- Ja…?

(PAUSE )

 - Weißt Du, was mich erschreckt ... an Dir, Hubert ? -  Wer Dich zum Gegner hat… den machst Du  unversöhnlich nieder …

 

ERIKA ( belehrend ): Mutter! – Wieso hat Hubert ‚Gegner’?

 

HUBERT  (verletzt):  Wenn es so wäre, Mutter - Würde mich dann einer wählen?

(PAUSE )

 – (eindringlich ) Versteh’  das doch…!   - Als Abgeordneter, da hänge ich von etwa 15 Leuten ab. - Gegen deren Willen kann ich nicht mehr kandidieren... – (gereizt) In den Landtag  muss ich aber…! - Oder hast Du mir beruflich etwas and'res?

( PAUSE )

( beschwörend ) Mich nimmt doch nur die Politik! - Nach dem Studium ging ich damals zur Partei und kam gleich in den Landtag! - Wenn ich jetzt vom Karussell gestoßen werde … nur wegen Deiner Schwierigkeiten, die Du uns politisch machst… - (winkt ab ) Nicht auszudenken! - Soll ich Jeanette und meinen Kindern sagen, ich hsei arbeitlos ? Wegen des Spitals? - ( entschieden) Ich darf aus der Partei niemand ernsthaft vor das Schienbein treten, Mutter…! – Begreifst Du das denn nicht? - Komm' bitte zur Vernunft!

 

MARTHA ( bekümmert ): Ach, Hubert … Immer die Partei…! - Und wo bleibst Du dabei?

( PAUSE )

HUBERT ( geringschätzig ): Was glaubst Du denn…? – Die Partei? Kümmert mich doch einen Scheißdreck, ! – Es sind nur diese fünfzehn, die das Sagen haben…  - Denen aber kriecht man in den Arsch...

( MARTHA sieht ihn erstaunt an ) ( HUBERT ungehalten )

Wo lebst Du, Mutter ? - Vielmehr, In welcher Welt…?  – Seit der Fünf-Prozent-Klausel bei den Wahlen leben wir nicht mehr in einer Demokratie, sondern in einer Oligarchie … also der Herrschaft weniger, die keineswegs die Elite uns'res Volkes sein müssen…

( Hubert nimmt ihre Hand, beschwörend )

Warum haben wir denn diese Hürde bei der Wahl? – Spinner aus den Parlamenten rauszuhalten? -  Nein! - Weimarer Verhältnisse vermeiden?  -Naiv! – Wir halten Demokraten ab…das Urgestein,  das schmerzhaft jenen Grüppchen auf die Füße fallen könnte, die diesen Staat in Wahrheit ganz allein regieren!  - ( spöttisch ) Du meinst, ich, Dein Sohn, sei ein großer Macher…? – Ich, Mutter, hänge ebenso am Tropf von ein paar Strippenziehern, wie alle andern ... und egal, wie hoch die jeweils stehen, im System!

 

MARTHA (entzieht ihm die Hand, verständnislos ):  Und für so was bist Du angetreten, Hubert ?

 

HUBERT (fasst sich, unwillig ): Das weiß doch keiner, Mutter …vorher! - Wir sehen uns zunächst doch alle als die großen Demokraten, obwohl schon längst für un ein paar die Strippen zogen.

 

MARTHA ( fest ): Dann steige doch endlich aus, Hubert..! . - Ist man sich das das nicht selber schuldig?

 

HUBERT ( winkr ab, gereizt ): Aus Moral? – ( bissig ) So lange wir nur etwas sind, wenn wir Erfolge haben, Mutter … wie immer die zustande kommen… bringt mich Moral auch nicht in Schwierigkeiten! - Moral wird in der Politiknur gepredigt... nicht gelebt! - Schaff’ Du erst neue Wertigkeiten, Mutter… Dann sprechen wir noch mal darüber… - (beiläufig) Auch wenn Dich das erschreckt… - In dem System sind wir gewachsen ... und ich kein Unhold, wenn ich darin lebe! - - Mutter! – Politik ist Kompromiss ... Der Preis der Machterhaltung! -  Was nicht bedeutet, dass die Falschen diesen Staat regieren …Wir haben  all das nicht erfunden! - (spöttisch) - Der Steuerzahler liefert uns ja auch das Spielgeld… -Wir haben alle nur ein Leben, Mutter und jeder muss die Karten spielen, die ihm ausgegeben...

 

MARTHA ( ratlos ): Du machst Dir das zu einfach, Hubert …

 

HUBERT  ( entschieden ): Nein, Mutter… - Das  i s t  so einfach! –

( aus der Ferne nähert sich ein Martinshorn )

  

MARTHA  ( bitter ): Was hab’ ich bloß aus Euch gemacht … ?

 

ERIKA ( trotzig ): Erfolgreiche Bürger, die sich um das Gemeinwohl kümmern, Mutter …!  – ( spitz ) Und nicht nur an sich selber denken…!

 

HUBERT ( abweisend ): Um dem das noch hinzuzufügen… - Auch nichts, was ihr nicht selber so mal haben wolltet…! – Du und Vater! -  Hast Du vergessen, dass er zu sagen pflegte: Hart werden und es bleiben!

 

 

 

 

4.AKT

2.Szene 

( Es klopft. Eine Frau eilt herein )

 

FRAU: Schnell, Frau Jetter…!

 

MARTHA ( ahnend ) : Um Himmels Willen…! Kurt…?

 

FRAU: Der Notarzt ist schon bei ihm…! -  -  Er will sie nochmals  sprechen…!

 

( FRAU und MARTHA eilen aus dem Zimmer )

 

 

 

 

4.AKT

3.Szene  

( ERIKA betroffen. HUBERT steht auf )

 

HUBERT  ( sachlich ): Dann bin ich jetzt ja überflüssig…

 

ERIKA ( streng ): Du könntest ruhig warten, bis sie wiederkommt! 

 

HUBERT ( ärgerlich ): Das kann dauern, wenn der Notarzt da ist…- Ich habe meine Zeit doch nicht gestohlen!

 

ERIKA ( streng ):  Es geht um Mutter, Hubert! -! – (eindringlich) Siehst  Du doch, wie wichtig Du ihr bist…Mama's Liebling…! - Deshalb solltest Du ja kommen, Hubert ... - (verdreht theatralisch die Augen)  Wenn Franz gekommen wäre... - Lieber Himmel!

 

HUBERT ( genervt ):  Ja, ja ...

(PAUSE, dann übellaunig )

Der könnte aber wirklich auch was tun Erikal - Der profitiert davon doch am meisten…

 

ERIKA  ( kritisch ):  Wie meinst Du das?

 

HUBERT ( zögert erstaunt, dann amüsiert ): Jetzt aber …! -  Erika! – Eure Firma, die verdient doch immer kräftig mit ...! – ( aufzählend )  Umbau des Spitals… - Die Altenwohnungen… - Und der neue Pflegetrakt ans Schönbornhaus…

ERIKA (trocken): Und Deine Aufsichtsräte? . - Bingt das nicht auch genug?

 

HUBERT ( grinsend ); Schon vergessen, Erika? - Beim Bau von ‚Preisbewusst’… da sahnt Dein Franz erst richtig ab! – (grinst breit ) Man könnte richtig neidisch werden …

 

ERIKA ( unverständig ): Was ist das … - ‚Preisbewußt’…

 

HUBERT (lacht auf ): Ganz schön verschwiegen, mein Schwager! - - ( grinst ) Hat Dir nichts gesagt? – Recht so! – Klagen, wenn nichts weh tut und schweigen, wenn die Gelder fließen… - (grinst) Solltest Dich wohl nicht verplappern …

 

ERIKA ( ungehalten ): Was soll das, Hubert ? – So kannst Du Deine Frau behandeln …

 

HUBERT ( zögert kurz, dann knurrig):  Aber nur, weil Du es bist, Schwesterchen ...! – Und zu niemandem ein Wort darüber ! – Auch nicht Franz…– Muss ja nicht wissen, was ich Dir so stecke! - Klar?  

(ERIKA nickt nachdrücklich ) ( sachlich )

Preisbewusst …!  - Den Laden kennst Du doch … - Vom Stopfei bis zum Fertighaus… -  Sechs Milliarden Umsatz jährlich …

( ERIKA nickt auffordernd )

Die wollten 1969 schon zu euch… - An eure neue Autobahn… -  Als die sich aber dann verzögerte, hielt sich auch Preisbewusst zurück. -  Nächstes Jahr kommt nun die Autobahn…!  -  Das Problem… auf der grünen WieseI lässt der Landesentwicklungsplan solche Mammutmärkte nun nicht mehr zu… !  - 'Preisbewusst kann folglich nicht mehr bauen…

 

ERIKA ( erstaunt ): Höre ich zum ersten Mal… von 'Preisbewusst'…

 

HUBERT ( nickt ): Gibt auch nur wenig Eingeweihte …

 

ERIKA ( verblüfft  ): Ja…- Und? – Weiter!

 

HUBERT  (locker ): Na ja…-  Der Boss von 'Preisbewusst' kennt wiederum den ‚Chef’…- Vom Golfplatz… - Preisbewusst gab der Partei schließlich ihre Spende … - Kleine Raten und und auch Koffergeld ins Ausland …! - Und Träume werden Wirklichkeit  - (grinst) Preisbewußt knallt dem Städtchen 25 000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf die grüne Wiese... 

 

( PAUSE )

 

ERIKA ( fassungslos ) : Die ganze Stadt hat doch nur 50 000 Quadratmeter Verkaufsfläche! – Daran geht doch alles andere kaputt! - Was ist mit der 'Großen Rochade? - Die kommt doch auch noch!

 

HUBERT ( zuckt mit den Achsel): Ein Ablenkungsmanöver...

 ( ERIKA sieht ihn entgeistert an ) ( HUBERT sachlich )

Also, gut …! -   Ich sag’ Dir, wie’s gelaufen ist!  - Rechtlich und politisch war der bestehende Flächennutzungsplan das Problem …! - Der musste dafür nämlich abgeändert werden. - Und so was dann die Nachbarstädte erst genehmigen. - Politisch niemals durchzukriegen, beim Kaufktraftsog von Preisbewusst auf die Region! Kein Bürgermeister könnte so was schadlos unterschreiben....

 ( nach Pause, betont )

Das war die Geburtsstunde eurer ‚Großen Rochade’! Als Ablenkung der Bevölkerung und zum Schutz der maßgeblichen Oberbürgermeister.

( ERIKA sieht ihn unverständig an ) ( spöttisch )

Mutter hat natürlich recht mit ihrem Einwand: Ein zweites Kaufhaus in der Innenstadt ist die schiere Dummheit...! – Das wissen auch die Nachbarstädte! – Nur zieht das denen keine Kaufkraft ab, sondern macht bei euch  den Handel nieder. – Zum Vorteil eurer Nachbarstädte…! - Als daher Dr. Schmidt … als Oberbürgermeister die Rochade haben wollte, rieb man sich anderswo die Hände...

 

ERIKA ( unverständig ):   Die Große Rochade liegt aber doch in der Innenstadt …! - Preisbewußt will auf die grüne Wiese…!

 

HUBERT ( grinst ):  Neben diesem Blödsinn mit der Großen Rochade, den Schmidt hier so medienwirksam durchgezogen hat, lief auch die Planung für das neue Industriegebiet. - Dort wies die Stadt ein großes Gartencenter aus … riesige Parkflächen und so …  - Und keiner hätte je daran gedacht, dort ein Superkaufhaus hinzusetzen!  – Kämpfte doch die Stadt mit allen Mitteln für die Große Rochade, so dass ein Gartencenter auf der grünen Wiese durchaus glaubhaft war. - ( spöttisch ) Dieser nützliche Idiot ... der Maier … dem gebührt fast schon das Landesverdienstkreuz für seine Stänkereien - (sachlich fortfahrend ) - Da in den Nachbarstädten dadurch jeder an die Planung eines Gartencenters glauben konnte, unterschrieben sie die Änderung des Flächennutzungsplanes.

ERIKA ( unverständig ): Aber Preisbewusst ist doch kein Gartencenter…

 

HUBERT ( überlegen ): Erika! - In diesen Plänen wird nichts verbindlich festgeschrieben, sondern ausgeschlossen. - Bleibt alles offen, kann auf das Grundstück dann Gartencenter oder Superkaufhaus…

( PAUSE )

ERIKA ( fassungslos) : Und die Millionenspende? 

 

HUBERT ( grinst ): Gibt schließlich nichts umsonst im Leben…

 

ERIKA ( zögernd ): Und das Regierungspräsidium?

 

HUBERT ( winkt ab, lässig ) : Segnet nächste Woche alles ab und 'Preisbewusst' kauft das Gelände…

( PAUSE )

ERIKA ( zögernd ): Das Spital war also immer nur das Bauernopfer…?

 

HUBERT ( aufmunternd ): Dafür gibt das Land zwei Drittel Zuschuss für das neue Rathaus, den Abau an das Schönbornhaus und noch 12 Altenwohnungen…

- (beschwörend)

Aber…wie gesagt … Erika! – Kein Wort.! - Die hacken mich in Stücke…! - Erzähle Dir das nur, dass Du Zwänge kennst, die mir hier auferlegt.

 

ERIKA ( nickt ) : Und Normenkontrollklagen …?

 

HUBERT ( winkt ab): Würgt das Regierungspräsidium dann für uns ab…! - Und um den Landesrechungshof... Da mach' Dir gleichfalls keine Sorgen...

 

ERIKA ( betroffen ): Und hier geht alles jetzt kaputt…Die Gutachten... Expertenanhörungen … - Alles inszeniert ?

 

HUBERT ( gelassen ): Fang’ Du nicht auch noch an, wie Mutter … - Später kräht kein Hahn nach einem alten Laden an der Ecke…

( eindringlich )

Soll ich für einen solchen Scheiß meine Karriere wegschmeißen? - Wach auf, Mädchen!  - Wir sind in Deutschland.! -  Kein and'rer Staat der Welt wird von Parteien so beherrscht, wie wir! – Und glaube mir... der Chef spielt nach den gleichen Regeln !  - Nur eine Liga höher!

 

ERIKA ( nachdenklich ): Das wird aber Ärger geben…!

 

HUBERT  (gelassen):  Krieg’ Dich wieder … - Die wenigsten Akteure waren eingeweiht.  – Die andern glaubten, wir wollen nur die Große Rochade…

 

ERIKA ( zögernd ): Und wenn die platzt …?  

 

HUBERT ( lächelt ): Die Rochade? - Die bleibt natürlich ... offiziell. - Nur wird sich für ein Kaufhaus eben keiner finden, wenn Preisbewusst sich niederlässt... - Bleibt an niemand also groß was hängen…Nicht mal an eurem Dr. Schmidt…- Der wird dafür zum Oberbürgermeister einer großen Stadt gemacht.

ERIKA ( sachlich ): Das Spital kann dann doch bleiben ...

HUBERT ( fest ): Hier muss das neue Rathaus rein…! - Schließlich müssen wir doch den Beteiligten etwas bieten in Millionenhöhe …!  - ( grinst ) Wie etwa Deinem Franz …   Sonst platzt womöglich alles auf!

( PAUSE )

ERIKA ( trocken): Ich komme mir schon reichlich dämlich vor, Hubert.

 

HUBERT ( wohlwollend ): Unsinn, Kleines … - Wovon reden wir die ganze Zeit ? – Dass wir geschobene Figuren sind… – Spieler sind ganz andere!

( besorgt, eindringlich )

Deshalb nochmals…– Die Sache ist für Sterbliche gefährlich! – Beiße niemals in die Hand, die füttert! - Hilf' mir, das hier in Kürze abzuwickeln. Die ... in ihrer Kleinkariertheit fährt uns mit Vollgas in die Seite!

( nach kurzer Pause ungnädig, deutet dabei umher  )

Was meinst Du wohl, warum ich das mit ihr ertrage ?

( PAUSE )

ERIKA ( zögernd ): Franz.. - Wusste auch davon?

 

HUBERT  ( nickt ):  Der ist als Stadtrat schließlich einer von den Meinungsmachern! - Der und Dr. Mack, euer Fraktionsvorsitzender...– Die hätten uns sonst sauer fahren können, mit Stimmungsmache gegen die Rochade…

 

ERIKA ( nachdenklich ): Und in den anderen Parteien?  

 

HUBERT ( nickt ): Zwei oder drei… - Mehr nicht! – Die eben nützlich sind … zur Stimmungsmache!

 

ERIKA ( neugierig geworden ): Wie habt ihr die gekauft…?

 

HUBERT ( lacht ): He… ! - Ehrenmänner kauft man nicht!

 

ERIKA ( trotzig): Nichts gibt's umsonst!! - Hast Du vorhin selbst gesagt…

( PAUSE )

HUBERT ( lächelt, nach kurzem Zögern ):  Alles ganz legal ! -  Beamte sind ja kein Problem! – Selbst wenn die mal was ahnen, setzt sich von denen keiner in die Nesseln, wenn von oben die Signale kommen …! – Und Freiberufler schreiben für uns hoch bezahlte Gutachten, die später im Papierkorb landen... oder erwerben zufällig günstige Grundstücke … – So sind nun mal die Regeln…- Handwerker sind sowieso für die ‚Rochade’ kommt…!

( PAUSE )

ERIKA ( besorgt ): Wenn das mal gut geht, Hubert …

 

HUBERT ( winkt ab  ): . Da steht der Chef dahinter! – Also muss und wird es laufen …! – ( ärgerlich ) Deshalb stinkt mir das ja  so mit Mutter…! – Die und der Maier  sind die Schlimmsten, sagen Mack und Schmidt! - Deren Sturheit t könnten unsern Plan gefährden! - (böse) Und wenn der Chef davon erfährt … - Ich sitze schließlich nicht im Sattel, wie der Schmidt…! – Der bleibt OB, egal, ob er die Stadt fast ruiniert…- Hat er schon keinen Gegenkandidaten bei der nächsten Wahl... – Wer will schon seinen Pleiteladen übernehmen, solange wir den dann nicht fallen lassen?

(PAUSE)

ERIKA ( plötzlich entschlossen ): Verstehe …! - Mutter muss hier raus!

 

Hubert ( nickt, nachdrücklich ): Schnell und ohne Medien !

( PAUSE )

ERIKA ( nachdenklich ): Lass ihr einfach ihren Kurt …!

 

Hubert (unwirsch): Ich muss an meine Wähler denken…! – Sexualität dient nur der Zeugung, Erika ! - Schon vergessen ? – Bei Jungen ... Ja. … - Doch bei so Alten?  - Die haben sich weit ins Licht geschoben. - Ich kann es mir nicht leisten, in meinem Wahlkreis womöglich noch die Kirche zu verärgern..– Nur weil sie ihren zweiten Frühling hat …

 

ERIKA ( eindringlich ): Da ist doch nichts, Hubert… - Hat sie mir selbst gesagt!

 

HUBERT ( mit einer Handbewegung ): Dann hat sie Dich belogen! -   Ich weiß es besser!

( entschlossen )

Nein! – Mutter geht ins Schönbornhaus und er kommt irgendwo aufs Land…! - Alles schon geregelt!

(PAUSE )

( entschlossen ) - Und wenn sie weiterhin nicht kuscht, bekommt sie vom Gericht in dieser Frage einen Pfleger, weil sie ersichtlich nicht mehr in der Lage, ihre Interessen bestmöglich selber wahrzunehmen. - Ich habe das schon abgeklärt. Der Vormundschaftsrichter hat schon den passenden Gutachter. - ( lächelt ) Als Justizstaatssekretär lässt sich da schon leichter etwas regeln.

( ERIKA sieht ihn erschrocken an. HUBERT übergeht das )

Insofern passt das jetzt auch gut, mit diesem Herzanfall vom Michelsen …– Ich sorge nachher gleich dafür, dass die ihn eine Zeit lang dort behalten, in der Klinik. -  Danach ein paar Wochen REHA … - Bis Mutter eben umgezogen ist …! – Dann weisen sie dem etwas zu und fertig …!

 

4.AKT

3.Szene 

( MARTHA kommt zurück. Setzt sich erschöpft )

 

HUIBERT ( fürsorglich ): Was ist denn mit Herrn Michelsen?

 

MARTHA ( bekümmert ): Sieht böse aus …

 

ERIKA ( streichelt sie ): Das wird schon wieder, Mutter… -  Keine Sorge …!

( PAUSE )

 

HUBERT  ( sieht ERIKA bedeutungsvoll an und steht ächzend dabei auf ):  ch habe noch gewartet, bis Du wiederkommst. – Jetzt heißt es eben warten …! - Du solltest Dich jetzt wirklich gleichfalls schonen, Mutter… I

 

MARTHA ( abwesend ): Danke Dir, mein Junge …

 

HUBERT  (  tätschelt dabei ihre Schulter ): Wir sind schließlich eine Familie, Mutter … - Das …bitte… solltest Du jetzt gleichfalls nicht vergessen!

( PAUSE )( HUBERT zieht seinen Mantel an )
( beiläufig, freundlich )

Das mit Deinem Umzug geht dann klar…! -  Und Herr Michelsen? - Zunächst mal … grüße ihnb von mir. – Ich wünsche ihm Genesung.– Sag’ ihm das, bitte!Ja? – Er soll erst mal wieder auf die Beine kommen …- Ich werde dafür sorgen, dass er alle Pflege zukommt, die er jetzt braucht! – Versprochen…

( MARTHA nickt dankbar )

Sag’ ihm das… - ( HUBERT lächelt herzlich,versöhnlich ) Auch wenn Du das nicht hören magst… - Aber wozu hat man schließlich die Beziehungen…

 

( MARTHA ergreift dankbar seinen Arm. HUBERT macht sich sehr behutsam frei, küsst sie freundlich auf die Haare, nickt ERIKA knapp zu und geht ab )

 

 

ENDE