Die Niederlage

Schauspiel in 3 Akten

 

von
Wolf-Alexander Melhorn

 

 

 

Mitte des 30-jährigen Krieges überfällt ein Trupp Schweden ein Dorf. Kaiserliche töten sie, doch die Bauern fürchten ihre überlebenden Retter. Auch wollen sie aus Not deren reiche Beute für sich selbst. Sollen sie die drei Kaiserlichen also überhaupt wieder ziehen lassen? Die könnten mit Kameraden zum Plündern wiederkommen!

In diese Haupthandlung eingeflochten, geht es außerdem um die Geschichte eines alten Mannes, der sich aufgrund eines Schicksalsschlages in die Wälder zurückgezogen hatte. Er hilft den Bauern und Soldaten als geachteter Heiler. Von einem umherziehenden Zahnreißer wird er, der vormals reiche Jude, jedoch an die Heilige Inquisition 'verkauft'. Seine selbstlos gewährte Hilfe kehrt sich als angebliche Hexerei plötzlich unbarmherzig gegen ihn.


Es wendet sich schließlich jeder gegen jeden, so dass wegen ihrer Ängste und Nöte aus dem Sieg über die Schweden schließlich doch noch für alle eine Niederlage wird.


Sprechrollen:

Müller - ein zugezogener Müller
Hölzebauer - der Bauernmeister
Friedbauer - ein ansässiger Großbauer
Bader - ein umherziehender Zahnreißer
Michael - kaiserlicher Dragoner
Karl - kaiserlicher Dragoner
Offizier - Gregor von Falkenstein, kaiserlicher Hauptmann
Brennerin - Witwe, die als Kräuterfrau im Dorf lebt
Grete - ihre Tochter
Alter Mann – ein vormals reicher Jude, der als Einsiedler
im Wald lebt und dem Dorf als Heiler hilft
Wagner - ein Bewohner des Dorfes
Lena - eine Bewohnerin des Dorfes
Franz - ein Bewohner des Dorfes
Anna - eine Bewohnerin des Dorfes
Junge - ein Kind des Dorfes
Erster - ein Henkersknecht des Fürstprobst
Zweiter - ein Henkersknecht des Fürstprobst
Einer - ein Bewohner des Dorfes
Schmied - ein Bewohner des Dorfes
Bewaffneter - ein Soldat des Fürstprobst

 

 

 

 

 

 

 

1. Akt


 

 

1.Akt
1.Szene

MÜLLER trägt herumliegende Waffen und Pferdegeschirre in einen Stall. HÖLZEBAUER eilt vorbei.

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HÖLZEBAUER: Hast Du die Brennerin gesehen?
( MÜLLER schüttelt bedauernd den Kopf, arbeitet aber weiter )
( enttäuscht): Muss die auch heute in den Tann!

MÜLLER ( hält ein ): Besser so! Schon für das Gretchen... – ( schwer ) Wären wir nur alle mit... - Sind aber welche los. Sie suchen...

HÖLZEBAUER ( besorgt ): Die ist doch oft drei Tage fort. Und länger...

MÜLLER ( nickt ): Wird wohl noch ein Leben kosten. - Der Jörg, der könnt’ sie wirklich brau-chen...

HÖLZEBAUER ( nickt ): So wichtig war die hier noch nie. - ( hilflos ) Na ja... Bei anderm Anlass müsst’ der schließlich gleichfalls warten.

MÜLLER (trüb ): Das Schicksal drückt schon immer auf die kleinen Leute.

HÖLZEBAUER ( aufmunternd, dabei müde lächelnd): Und Du, Müller?

MÜLLER: Ich habe Glück gehabt. - Auch die Familie. – Da dank ich unserm Schöpfer, Bauernmeister.

HÖLZEBAUER ( nickt nachdenklich ) : Ich ebenso. - ( nach Pause munterer ) Was tust Du da jetzt??

MÜLLER: Ich dacht mir... die Beute sichern. - ( zeigt umher ) Das bringt schon einen Batzen. – Und Not ist jetzt ja überall.

HÖLZEBAUER : Wohl wahr. – - Ich kann es immer noch nicht fassen! –Gut! – Lasst alles hier zusammentragen! - Sag das den andern!

 

 


1.Akt
2.Szene

Vorige. FRIEDBAUER tritt auf. Sieht die beiden und will sich wieder verdrücken.

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HÖLZEBAUER ( aufmunternd ): Was ist, Friedbauer? Redest nicht mit uns?

FRIEDBAUER ( mürrisch ): Was soll ich sagen, Hölzebauer? Heut’ ist, bei Gott, genug geredet und geschrieen worden.

HÖLZEBAUER ( versöhnlich ): Doch nach der Sache, heute morgen... - Die Herzen sind da manchem voll.... und wollen vielleicht reden. – ( deutet auf MÜLLER und sich ) Wir beide hatten Glück!

FRIEDBAUER ( unwirsch ): Der Schuppen ist mir abgebrannt! – Und vom Gesinde drei erschlagen...

HÖLZEBAUER ( nickt ): Die Rosa und ihr Kind. – Und dann der Hannes.... Hab’s geseh’n.

FRIEDBAUER ( gleichgültig ) : Der Knecht war alt und Ärger gab’s mit dem genug. – ( aufgebracht ) Doch um die Rosa....! – War tüchtig, dieses Frauenzimmer. – - Doch mit dem Schuppen ... – Meine ganze Saat...

HÖLZEBAUER ( sachlich ): Das Kind von der...War doch von Dir?

(FRIEDBAUER macht eine unleidige Handbewegung )

MÜLLER ( verächtlich, nebenbei ): Der Schlaukopf spielt den Armen. – Damit, für Gotteslohn, ihn keiner um Getreide bettelt!

FRIEDBAUER ( übellaunig fortfahrend ): Rackerst dich kaputt und so Gesindel fackelt es dann ab. – Als hätte Fleiß nie was gegolten! - Wir sind nur Vieh und das die Schlächter, dass ihr’s wisst! – Ich sag’ dir, Hölzebauer: Dieses Land verfault von innen! - Mehr Abgestorb’nes gibt es als Gesundes, mittlerweile!

MÜLLER ( trocken ): Da hast Du recht, Friedbauer. – Fast könnt’ man meinen, jetzt hätt’ auch arm sein mal was Gutes ...

FRIEDBAUER ( gallig ): Du hast gut spotten, Müller. Dir fehlt es ja an nichts!

MÜLLER ( überlegen ) : Eine Frage, Friedbauer.. – Ich mein’, ich hätt’ die Scheune selbst geleert, vor ein paar Tagen. – So viel ist vielleicht nicht verbrannt...

FRIEDBAUER ( braust auf ): Du wagst, mich einen Lügner nennen, Müller? – Die Scheune war längst wieder aufgefüllt! Der Hannes hat es selbst getan! – ( drohend ) Halt ja Dein Maul! Sonst gehst Du wieder auf die Straße, Müller! - So Hergelaufene wie Du, die gibt es immer!

MÜLLER ( fährt auf ): Mach’ Du Dich mal nicht ganz so groß, Friedbauer! - Dein Ahne war’s, der Dich zum Rodungsfreien machte! Und nicht Du! - Du sitzt nur im gewärmten Nest! - Ich mach’ die Arbeit zwar in Fron, doch über mich gibt’s keine Klagen! - Da kannst Du fragen, wen Du willst!

FRIEDBAUER ( feindselig ): Nur weil Du Dich beim Kämpfen wichtig tatest, Müller, führst Du jetzt nicht das große Wort! Verstanden! – (gehässig ) Sonst bringt wer einen andern auf die Mühle! Und dann kannst wieder wandern, mit der Sippe!

HÖLZEBAUER ( einwerfend ): Er hat sich gut für uns geschlagen. Und selber viel für uns riskiert! – (versöhnlich ) Das hat er doch nicht so gemeint...

FRIEDBAUER ( steigert sich neuerlich hinein): Aber so gesagt! – ( abweisend ) Wieso stellst Du Dich überhaupt auf seine Seite, Hölzebauer? – Du! Als Bauernmeister! – Du weißt, der hat nur seine Pflicht getan! – Den jagen sie sonst fort, schützt der das Eigentum des Fürstprobst nicht mit seinem Leben! – (wendet sich ab, verächtlich ) Ein Müller!

HÖLZEBAUER ( ruhig ) : Wir sind in seiner Schuld, Friedbauer!

MÜLLER ( unruhig ): Verzeih mir, Friedbauer! – Hab’s wirklich auch nicht so gemeint! - Natürlich hast Du Deine Scheuer wieder aufgefüllt. - Ich wusste das nicht, mit dem Hannes!
( FRIEDBAUER sieht MÜLLER kritisch an. Schweigt.)

HÖLZEBAUER ( versöhnlich ): Es lohnt nicht, wegen so was rumzustreiten. – Wir müssen jetzt zusammenstehen! - Denkt an die andern! Die brauchen uns’re Hilfe.

FRIEDBAUER ( gleichgültig ): Soll sich die Brennerin drum kümmern!

MÜLLER ( ruhig ): Die ist mal wieder fort, Friedbauer!

FRIEDBAUER ( achselzuckend, fest) : Dann wartet, bis sie kommt!

HÖLZEBAUER ( mit Nachdruck ): Es geht auch nicht nur um Verletzte, Friedbauer...

FRIEDBAUER ( unterbricht unwirsch ): Oder holt den Mönch vom Fehrertann’! – Der sei noch besser als die Brennerin. - Soll ruhig raus aus seiner Klause! Der kann bei uns genau so beten!

MÜLLER ( rasch ) : Ich hörte schon von dem... Genaues weiß ich freilich nicht!

HÖLZEBAUER: Du, Friedbauer?
( Friedbauer schüttelt unwillig den Kopf )

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ): Der Fehrertann ist riesengroß!

MÜLLER: Der lebt da sehr zurückgezogen.

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ) : Offenbar ein guter Mensch...

MÜLLER ( besorgt ): Doch was ich hörte, geht der nicht von seiner Klause.
– Und die Verletzten zu ihm bringen? - Wir wissen noch nicht mal, wohin!

FRIEDBAUER: ( knurrig ): Wenn’s wirklich gilt, verkriecht sich jeder ins Gebet! –
( aufgebracht ) Kommt auch kein Schwarzrock aus der Fürstprobstei... - Christus immer auf der Zunge... Doch im Herzen? – ( entschieden ) Ich sag’: Der hat kein Recht auf seinen Frieden! - ( böse ) Selbst wenn’s ihm keiner lohnen sollte... - Jesus ist für uns sogar gestorben.

HÖLZEBAUER ( mutlos ): Na ja... Zwingen kann ihn keiner ...

FRIEDBAUER ( ungehalten ): Ein guter Mensch tut überall was Gutes!

HÖLZEBAUER ( nickt, ernst ): Was unsereinem ja nicht immer so gelingt. Da setzt sich Böses leichter durch...

FRIEDBAUER ( aufbegehrend ): Den werdet ihr schon finden! – ( verächtlich ) Im Wald... - Da nützt der nur sich selbst! - Der wird jetzt hier gebraucht! - Macht ihm das klar!
( Pause )

HÖLZEBAUER ( ruhig ): Noch mal zu Dir, Friedbauer...

FRIEDBAUER ( winkt ab ): Ich weiß schon, was Du willst! – Aber mir gibt gleichfalls keiner!
( Das Gesicht des HÖLZEBAUER verfinstert sich ) ( aufbegehrend ) Was willst Du, Hölzebauer? Wer meinte, er muss sich mit dem Schweden schlagen, soll sehen, wie er jetzt die Mäuler stopft.

HÖLZEBAUER ( mit Nachdruck ): Wer mit uns kämpfte, tat das für uns alle!

FRIEDBAUER ( winkt entschlossen ab ): Die sollen in die Stadt! – Die Elendshäuser geben jedem, Bauernmeister! - Verkommt heut’ keiner, bei den Bruderschaften!

HÖLZEBAUER ( freundlich, bemüht ): Friedbauer... Schick sie doch jetzt nicht betteln. - Kennst doch die meisten lang genug.

FRIEDBAUER ( abweisend ): Muss ich die deshalb durch den Winter füttern? – Almosen geb’ ich schon genug als Christ! Da kann mir keiner kommen! - ( tritt an HÖLZEBAUER heran) Will Dir was sagen, Bauernmeister: Wenn die uns nicht in ihren Kampf gezogen hätten, dann lägen uns nicht die Verletzten auf der Tasche! – ( fest ) Wollt ihr was verteilen, nehmt es von der Beute!

MÜLLER ( ungehalten ) : Und die Kaiserlichen?
( FRIEDBAUER zuckt mit den Schultern ) (MÜLLER aufgebracht )
Ich hab’ die kämpfen sehen! - Von dreizehn Mann sind zehn gefallen! - Und nur, um uns zu helfen!

FRIEDBAUER ( sieht ihn verächtlich an ): Du bist ein Narr, Müller! Zu jung an Jahren, um schon das Leben gut zu kennen. – ( überlegen ) Ich sag’ Dir, was mit uns geschehen wäre! - Die Schweden... - Die hätten vielleicht zwei, auch drei erschlagen... Um sich die andern und die Weiber so gefügiger zu machen. - Der Rest von uns wär’ jedoch arbeitsfähig! Könnte sich das Brot jetzt selbst verdienen! Müsst’ nicht die Kinder betteln schicken! – - ( gleichgültig ) Was gingen uns die Kaiserlichen an? - (gewichtig ) Da darf man nicht Partei ergreifen, so wie ihr! – Schon gar nicht, wenn die Schweden derart in der Überzahl!

HÖLZEBAUER ( schüttelt energisch den Kopf ): Die hätten uns doch nichts gelassen, Friedbauer!

FRIEDBAUER ( energisch ) : Ich kenn mich aus, im Leben, Hölzebauer. – Ich war zwar nicht dabei, doch reicht mir, was ich hörte!
( nickt den beiden zu und geht ab )

HÖLZEBAUER ( wütend hinterher ): Der Geizhals, der verdammte!

 

 


1.Akt.
3 Szene

Vorige. BADER tritt hinzu. Wartet in 'gehörigem’ Abstand’.

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HÖLZEBAUER ( schroff ): Hab’ keine Zeit!

BADER ( unterwürfig ): Bist Du der Bauernmeister?

HÖLZEBAUER ( will gehen ): Wenn Du was willst, dann später!

BADER ( eilig ): Bin auf der Wanderschaft. - Ein braver Bader, Bauernmeister!– Könnt’ Euch vielleicht beim Räumen helfen! Ihr braucht doch sicher jede Hand...
( HÖLZEBAUER zögert. Sieht ihn sich kurz an. Inzwischen BADER beflissen )
Gut fünfzig Tote habt ihr zu begraben, wie ich weiß. – Und so was eilt! Die fressen sonst die Ratten! - Und stinken euch zum Himmel, in zwei Tagen! - Hab so was oft gesehen, Bauernmeister! - Könnt Ihr glauben!

MÜLLER ( einwerfend, nachdenklich ): So einen könnten wir schon brauchen, Hölzebauer!! - Das mit dem Segen lässt sich später machen. – Jetzt kommt ja doch kein Pfaffe. - ( zu BADER ) Aber Hände weg von allen Taschen! Sonst hängen wir Dich auf! Verstanden!

BADER ( nickt): Was denkst Du denn von mir?

HÖLZEBAUER ( sieht BADER nachdenklich an ): Bader bist Du... So! - ( entschlossen zu MÜLLER ) Hebt große Gruben aus, für diese Fremden. - Ich schicke Dir noch den Erich und den Heiner! – Doch trennt die Lutherischen von den Katholiken!

BADER ( zustimmend ): Recht hast Du, Bauernmeister! – Den Frommen in das eine, den Unchrist in das andre Loch. – ( nebenbei ) Auch wenn die beiden sich vielleicht am jüngsten Tag verwechseln lassen.

HÖLZEBAUER ( entschieden, zu BADER ) : Verstehst Du nicht auch was von Kranken? Von Verletzten?

BADER ( nickt zögernd ): Als Fremder wagte ich mich gar nicht anzutragen, Bauernmeister... – ( fest ) Ein wenig schon... - Wenn auch nicht grad auf solche... - Zahnreißer bin ich, um es euch genau zu sagen. – ( locker ) Doch da fließt gleichfalls Blut. - Und mit den Schmerzen...

HÖLZEBAUER: Dann werden wir’s mit Dir versuchen, Bader! - ( zu MÜLLER ) Bis die Brennerin zurück ist. – ( zu BADER ) Dein Schaden wird’s nicht sein. Doch gib’ Dir Mühe! - Schaut Dir so mancher auf die Finger, der Pfusch sehr übel nehmen würde.

BADER ( selbstbewusst ): Gebt mir was zum Verbinden und was ich sonst so brauche. – Ich habe manches schon getan. – ( mahnend zu HÖLZEBAUER ) Denk aber dran, beim Lohn: Das ist nicht ungefährlich! – Nachdem so was gewesen ist, haut man uns Fremde schnell aufs Maul!

HÖLZEBAUER ( nickt, dann entschieden ) : Das dritte Haus im Dorf! - Sag’, ich würd’ Dich schicken... - Ich komm’ dann nachher selber...
( BADER nickt und will abgehen. HÖLZEBAUER plötzlich innehaltend )
Nein! Anders! – Erst zu dem Offizier und den Soldaten! – Die dürfen wir nicht liegen lassen. Sind schließlich Kaiserliche! - Der Fürstprobst würde das nicht dulden.

BADER ( zustimmend ): Besonders nicht, nach dem, was die für euch getan! – Ich hab’ es selbst gesehen!

MÜLLER ( misstrauisch ): Du?

BADER ( nickt ): Gestern abend ... – Ich kroch am Hang in eine Scheuer und wollt’ am Morgen dann ins Dorf. – Als ich die Schweden sah! – ( betont ) Die haben euch geschunden! –
( bewundernd ) Bis dann die Kaiserlichen attackierten! - Zwölf Mann! Ein Offizier! - Mit dreißig Schweden...! – Auch wenn die überrumpelt wurden! – ( zögert, dann geflissen ) Die haben euch natürlich gleichfalls viel zu danken. Keine Frage! – Die hätten nie gewonnen...

HÖLZEBAUER ( winkt ab) : Lass gut sein, Bader!– Erst zu den Kaiserlichen. - Man wird Dir zeigen, wo sie sind.
( BADER ab )

 

 

 

1.Akt.
4.Szene
Vorige.

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HÖLZEBAUER ( nachdenklich) : Das mit dem Mönch...– Zum Fehrertann... - Vier Stunden wirst schon brauchen... – Dir hilft gewiss das Glück! – Am Besten, nimm’ ein Pferd von den Soldaten.

MÜLLER ( winkt ab ) : Diese Viecher... - Wer die nicht wirklich kennt! – Im Fehrertann schon gar nicht... - Da geht es nur zu Fuß. – Doch wie gesagt: Den Alten müsst’ ich erst mal finden....

HÖLZEBAUER ( eindringlich ): Ich weiß, du bist vom Kampf erschöpft. Doch tu’ es für uns alle! - Musst es wenigstens versuchen, Müller!

MÜLLER ( ergeben ): Von mir aus. - Auf mein Wort! – Doch mach’ Dir keine Hoffnung. – Selbst wenn ich den dann finde: Es heißt, den bindet ein Gelübde. – Und so was bricht man nicht! – Bist du bei Gott im Wort...

HÖLZEBAUER ( drängend ): Vielleicht nur alles Hörensagen, Müller! - Gib Du dein Bestes! - Ein ehrlich’ Wort hat viel Gewicht! – Vielleicht ist der nicht gar so streng gebunden. – Das and’re hier, das mache ich. - Ich geh’ mir jetzt gleich Hilfe holen. – Du schaust, dass Du den Alten findest.
( Beide ab )

 

 

 

1.Akt.
5.Szene
( Zwei Landsknechte mit dem BADER in einem Zimmer. MICHAEL ist bereits versorgt. Der BADER legt KARL eben die letzte Binde an.)

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BADER ( ehrfürchtig ): Ich hab’ euch kämpfen sehen! – Alle Achtung!

KARL ( geschmeichelt, gelassen ): Wer’s Handgeld nimmt, der hat sich auch für den Tod entschieden. – ( grinst) Wir teilen dafür kräftig aus. – Wenn’s uns dann selbst erwischt, gleicht sich das wieder aus.

MICHAEL ( gedehnt ): Na ja, nicht immer ist es Mut, der treibt...

BADER ( bewundernd) : Die Leute, jedenfalls, sind euch hier sehr verbunden. – Ihr müsstet die mal hören!

KARL ( lacht, gelassen ): Die sind nur einfach unerfahren. – Was Micha? - Dörfer gibt es, Städte, die hat man drei, vier Mal genommen! Da starben sie an jeder Ecke!

MICHAEL ( grinst ): Und die Weiber... - Die kennen das dann schon!

KARL ( gewichtig zu BADER ): Auch wo man so sein Zeug versteckt .... – ( lacht ) Sofern die später überhaupt noch etwas haben. – ( geringschätzig ) Die hier... – Die schreckt das jetzt noch auf! - ( zweifelnd ) Oder waren hier schon mal Soldaten?

BADER ( zögernd ) : Was ich so hörte: nein!

MICHAEL ( misstrauisch ) : Ach! Du bist gar nicht von hier? - ( BADER schweigt und arbeitet schneller ) Kennst Dich im kämpfen aber aus... – Und mit Verbänden! - Was bist Du eigent-lich für einer?

BADER ( angespannt gleichgültig ) : Ein Bader, Herr. Sonst nichts.

KARL ( zu MICHAEL ): Viel gibt’s für den hier aber sicher nicht zu tun. – ( zu BADER, scheinbar drohend ) Du bist Soldat! Im Dienst des Schweden!

BADER (erschrocken ): Nicht doch, ihr Herren! – Kein Soldat! – ( ängstlich ) Beim Tross war ich... Gelegentlich!

KARL ( knurrig ): Hast wohl einen Wagen, Kerlchen? – Um Deine Salben anzupreisen. Was?

BADER ( eilig ): Nicht doch! Was ich besitze, kann ich tragen.

MICHAEL ( geringschätzig): Wer keinen Karren hat, der gilt erst recht nicht viel. – (grinst plötzlich) Karl! – Die Fierling, diese alte Hexe? – Weiß Du noch?

KARL ( lacht zustimmend): Das zähe alte Luder? Richtig! – Die hatte doch so eine Tochter... Diese Stumme! Das Kathrinchen... – Die sprach doch immer so ...
( er äfft eine Stumme nach, die sprechen will. MICHAEL lacht herzhaft. BADER lacht vorsichtig mit)
- ( KARL lachend ) Lacht jeder, der sie hört! – ( beruhigt sich jäh) Na ja! Die Menschheit ist gemein...

BADER ( salbungsvoll ): Dafür schenkt der HERR den Kranken und Gebrechlichen seine ganz besondre Liebe...

KARL ( winkt ab ): Davon hab’ ich nichts gesehen, Freund. – Es immer nur gehört, vom Pfaffen.

MICHAEL ( trocken ): Der ist ja einer von den Frommen...

BADER ( eilig ): Keineswegs, ihr Herren! – Im Glauben eher oberflächlich, würd’ ich sagen. – Doch so zu sein, wie ich, ist Gottes Werk, wie andersrum!

KARL ( trocken zu MICHAEL ): Ein Ketzer, Micha! - Lutheraner!

BADER ( erschrocken): Bei Gott, ich stehe fest in uns’rer Kirche! – Ich? Ein Ketzer! Was ihr denkt! – Ich rede nur nicht viel von Glauben. – ( gewichtig ) Weil’s eben auch gefährlich ist, zur falschen Zeit...
( Landsknechte sind belustigt )

KARL ( ruhig ): Aber von den Schweden bist Du ...! - Deren Tross! – ( trocken zu MICHAEL ) Stech’ ihn Dir ab! - Bevor der uns vergiftet...

BADER ( aufgeregt): Wär’ ich dann hier? - Und würd’ Euch helfen? – Ich hätte mich doch längst davon gemacht!

KARL ( scheinbar zweifelnd ): Vielleicht bist einer von den Oberschlauen? Die sich noch mit dem Teufel arrangieren, trifft der mal ihren Weg...

BADER ( ängstlich ): Ich war nur unterwegs. – Natürlich auf der Suche nach dem Krieg... – Doch als des Kaiser’s Mann! Versteht ihr! - Und daher Euch sofort zu Diensten, werte Herren!

MICHAEL ( ernst ): Ich trau’ Dir nicht, mein Freund! - Doch Deine Sache machst Du hier nicht schlecht.
(packt BADER plötzlich an der Brust)
Was hast Du da? – Lass sehen!

BADER ( verängstigt nestelt er ein Säckchen unter dem Wams hervor ): Kein Gold, Ihr Herren! Könnt’ Ihr sehen! - Nichts, was euch wichtig wäre! Ganz gewiss!
( KARL nimmt ihm das Säckchen ab und schüttet es auf den Tisch. Es sind Zähne )

MICHAEL ( angewidert ): Was machst Du mit den Zähnen, Kerl?

KARL ( sieht ihn prüfend an ): Auch Dich hat die Natur mit weniger bedacht...

BADER ( ängstlich ) : Ich samm’le Zähne! Weiter nichts!

KARL ( ungehalten ): Als Spielzeug? Oder was?

BADER ( aufgeregt ) : Verkaufen, Herr! - Was sonst? – ( redet auf die verblüfften Landsknechte ein ) Andere sind froh darüber! – Reiche! Vor allem, die so gelten wollen! – Wisst ihr doch selbst: Der Krieg verschiebt den Reichtum nur! – Und ohne Zähne sieht kein Weibsbild mehr nach Schönheit aus. – Nur Knäuel in die Backen, täuscht auf Dauer keinen! - Ein neuer Zahn hingegen... Ein Gebiss! – Gibt immer welche, die was leiden wollen, nur um’s Schönsein. - Um es festzuhalten...

MICHAEL ( zu KARL ): Hab’ schon gehört davon. Gibt’s noch nicht lange...

KARL ( verächtlich ): Der fleddert Leichen, Michael! - So kommt der an die Zähne! – Deine nähme der genauso mit. – ( gelassen ) Ist doch so, Bader! Oder nicht?

BADER ( erschrocken ): Ich doch nicht! – Das mit den Leichen, Herr, sind andere! – Nicht Kaiserliche! - Und bei denen bin ich doch im Tross!

MICHAEL ( trocken ): Dann musst Du bei der falschen Einheit sein. – Wir Kaiserlichen sind genauso!

BADER ( aufgeregt ): Nun ja! Das wisst ihr vielleicht besser, Herr. - Doch ich nehm’ nichts von diesen Toten! – Nur die Zähne...

KARL ( ruhig ) : Von Achtung zeugt das gleichfalls nicht.

BADER ( aufgeregt) : Ich bitt’ euch, Herr! – Die werden ohnehin verscharrt! - Gibt keinen, der die näher kennt! – ( eindringlich ) So sind die wenigstens was nütze! - Nicht bloß für einen Krieg! – Da könnt ihr fragen, wen ihr wollt, der Schmerzen hat im Maul. – Und ich ... - Ich übe das Gewerbe redlich aus, wie jeder!

MICHAEL ( lacht ): Das geht jetzt ohnehin zu Ende, Karl! – ( deutet auf die Zähne ) Die sind noch aus der Spur des Wallenstein! - Doch seit die Größen weggestorben, der Gustav und der Wallenstein, wird Ferdinand wohl Frieden machen. - ( grinst ) Dann musst Du sie Dir kaufen, Bader! Stück für Stück. - Sonst hängen sie Dich auf, mein Lieber.

BADER ( eifrig ): Kaufen tue ich schon jetzt!

KARL ( belustigt ): Klar! - In solchen Zeiten gibt man leichter sein Gebiss! – ( trocken ) Der schönste Zahn macht keinen Sinn, wenn einer nichts zu beißen hat! - ( plötzlich abweisend) Du hast uns gut verbunden, Bader. Keine Frage!– Trotzdem! Offen raus: Ich mag nicht Deinesgleichen! Dir hängt der Aasgeruch in Deinen Kleidern.

BADER ( eilig ): Das sind gewiss die Zähne, Herr! - Sind sie zu frisch, dann riechen die noch eine Weile. – ( sackt alles hastig ein ) Im Säcklein stören sie Euch nicht!

KARL ( schüttelt den Kopf ): Es sind nicht nur die Zähne ...

MICHAEL ( versöhnlich ): Lass gut, sein, Karl - Man redet vielleicht schlecht von denen, doch nützlich sind sie allemal. ( zu BADER, reißt zuvor kurz den Mund auf ) Hab’ selber meine Plage.

BADER ( diensteifrig ): Dann lasst mich besser sehen, Herr! – Ein fauler Zahn kann tödlich sein.

KARL ( lacht dröhnend): Vorher, Bader, hat den der Schwede tot geschlagen!

BADER ( besorgt): Ich sage immer: Lieber einen kurzen Schmerz, als lange leiden! – Ihr müsstet die mal sehen, die sich lang verweigern!

MICHAEL ( schüttelt den Kopf, gutmütig ): Mir hat schon einer mit der Keule auf das Hirn geschlagen. Ich hab’ genug für heute, Bader! - Andermal! – Sieh Du mal zu, dass wir bald reiten können!

KARL ( zu BADER, nickt mit dem Kopf zur Türe ) : Hast schon nach ihm gesehen?

BADER ( betont ) : Natürlich! - Doch konnte ich noch nicht viel tun. – Verbunden eben... - Der ist noch nicht mal aufgewacht.

KARL ( zu MICHAEL ): Verdammt! Wär’ schade um den Mann! – ( zu BADER ) Bring’ uns den wieder in den Sattel!

BADER ( nickt, eilig ): Ich geh’ dann wieder, edle Herren. – Werd’ später nochmals nach Euch sehen!
( geht eilig ab )

MICHAEL ( argwöhnisch ): Der Hundsfott ist zu glatt. - Sei auf der Hut! – ( trocken) Am Ende sind es wirklich Deine Zähne, die der in seinem Beutel hat.

 

 

1.Akt.
6 Szene

OFFIZIER reglos auf einem Lager. BRENNERIN und Tochter GRETE bereiten im Hinter-grund aus Kräutern und Wurzeln Salben und Tränke. Plötzlich stöhnt OFFIZIER auf. Die Frauen eilen zu ihm )

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OFFIZIER ( schwach ): Wer seid ihr?

BRENNERIN: Die Brennerin, mein Herr. – Die, meine Grete!

OFFIZIER: Wo bin ich?

BRENNERIN: Zwei Tage wart ihr nicht mehr bei Besinnung.

OFFIZIER ( bewegt sich, stöhnt ) : Verdammt, die Schmerzen, Frau. – ( gefasst ) Die Schweden...

BRENNERIN ( unterbricht ihn ) : ...die habt ihr erschlagen, Herr! – Jetzt aber schweigt. – Ihr seid noch viel zu schwach.

OFFIZIER( hält sie matt am Ärmel fest ): Und meine Leute ....?

BRENNERIN ( ruhig ): Bis auf zwei, Herr, sind sie alle tot.

OFFIZIER: Die beiden bring mir her! Sofort! ( schläft wieder ein )

 

 


1.Akt
7.Szene

Vorige. Alter Mann kommt hinzu. Setzt sich müde an den Tisch.

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BRENNERIN: Seit ihr jetzt hier seid, ehrwürd’ger Vater, rastet ihr noch nicht!

ALTER MANN ( bekümmert ) : Das viele Leid ringsum... - Legt sich uns auf... Als hätten wir die Kraft, es auch zu tragen.

GRETE ( stellt ihm eine Suppe hin ): Bitte, ehrwürdiger Vater. – Hühnersuppe! Frisch ge-macht.

BRENNERIN ( herzlich ): Mir schien, Ihr würdet Euch erkälten, Herr.

ALTER MANN (lächelt dankbar ): Das ist bereits verflogen, Brennerin. – Habt jedoch Dank für eure Sorge. - ( zu GRETE ) Auch Dir, mein Kind.
( Isst ) ( Pause )

BRENNERIN ( sachlich ) : Das Gröbste ist zum Glück getan, Vater.

ALTER MANN ( nickt ) : Jetzt heißt es nur noch warten, was Gott in seiner Güte stehen lässt, an Leben. - ( deutet auf den OFFIZIER ) Was ist mit ihm?

GRETE ( eifrig ) : Er wachte vorhin auf. Schläft aber wieder.

BRENNERIN: Ihr solltet ihn noch mal mit euren Händen heilen, Vater. – Die haben solche wunderbare Kraft...

ALTER MANN ( nickt ) : Das will ich gerne tun. – Doch gebt mir einen Augenblick der Ruhe...

BRENNERIN ( verständnisvoll ): Ich weiß, das zehrt Euch aus, das Heilen. – Bleibt erst mal sitzen! Kräftigt Euch! – - ( erleichtert ) Ein Segen, dass Ihr hergekommen seid!

ALTER MANN ( winkt ab ): Ein junger Mann hat mich gebeten. – ( ablenkend ) Du warst wohl länger fort im Wald, wie der mir sagte...

BRENNERIN: Nun... Wie immer... - Kräuter, Beeren suchen... - Ihr wisst ja, was es braucht. – Ich geh’ damit auch auf den Markt nach Hofersfelden. – Durch Zufall kamen wir am Abend jedoch wieder, um hier abzuladen. – Könnt Euch ja denken, wie entsetzt ich war. ( ALTER MANN nickt nur ) ( Pause ) – Habt Ihr noch einen Auftrag, Vater?

ALTER MANN ( nickt ) : Eh’ ich’s vergesse... - Wenn Du so gut wärst, Brennerin.... Bei euren Leuten gibt es zwei, die brauchen frischen Honig in die Wunden, damit es Dreck und Eiter zieht.

GRETE ( deutet auf OFFIZIER): Was denkt Ihr, Vater... Wird er Wundbrand kriegen?

ALTER MANN ( lächelt verständnisvoll ): Er fiebert nicht, so weit ich sehe.

BRENNERIN ( nickt ): Hat nur viel Blut verloren. Mit noch mehr Glück wird er es überstehen.

GRETE ( wendet sich rasch ab ): Ich will nicht, dass er stirbt!

ALTER MANN ( gütig ) : Kind! - Wenn es bestimmt, muss jeder gehen. – Ein Aufschub lässt sich nicht ertrotzen, noch erflehen...

GRETE ( trotzig ): Keiner wäre mehr am Leben, ohne ihn!

BRENNERIN ( ungehalten ) : Dummes Zeug! – Was redest Du?

GRETE ( aufbegehrend ): Natürlich, Mutter!

BRENNERIN: Du meinst die Marodeure, Kind! Die töten wirklich jeden! – Damit sie keine Zeugen haben! – Das waren aber jetzt Soldaten! – Die greifen sich zwar, wenn Gelegenheit, das Beste, doch rotten sie uns noch nicht aus!

GRETE ( bockig ): Soldaten oder Marodeure, Mutter! Wenn’s Mordgesindel ist ...

OFFIZIER ( schreckt hoch ): Der Fähnrich! Bringt ihn her! ( er sinkt wieder in sich zusammen und schläft weiter )

BRENNERIN ( sieht ratlos ALTER MANN an) : Was will der, Vater?

ALTER MANN : Ihn quält jetzt wohl Geschehen, an dem er sich zurück ins Leben findet.

 

 


1.Akt.
8 Szene

Vorige. Bader kommt herein. Setzt sich an den Tisch.

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BADER ( fordernd ) : Hast Du mir nichts zu essen, Brennerin? – Ich habe gleichfalls viel ge-tan.

BRENNERIN ( schiebt ihm ruhig eine Schüssel Brei hin ): Brei. - Wir hatten auch nichts anderes.
( BADER sieht in die Schüssel des ALTEN MANNES, schweigt aber ) - (BRENNERIN sachlich) Hast alles so getan, Bader...?

BADER ( nickt ) : Kannst Du fragen...

ALTER MANN ( freundlich ) : Du hast Erfahrung mit Verletzten! – Bist wohl beim Tross der Kaiserlichen?

BADER ( zögernd ): Na ja... - Nicht so direkt. Gelegentlich. – ( nachdenklich) Ihr wisst ja wie die Zeiten sind, nach siebzehn Jahren Krieg... – Es wird sich jeder selbst der Nächste. Nur selten findet sich noch einer, der was mit einem Fremden teilt... - ( bitter ) Doch wo soll man sich da beschweren? – Bei diesen hohen Herren? – Denen spuckt doch keiner ins Gesicht! Obwohl sie diesen Krieg erst finanzieren... – Vor denen buckelt alle Welt! – Wär’ mancher selber gerne so wie die!

BRENNERIN ( nickt nachdenklich ): In diesen Zeiten tun sich viele schwer...

BADER ( böse ): Gibt aber noch Gerechtigkeit! Ein bisschen... – Auch Geld schützt nicht vor allem! – Es ziehen Seuchen durch das Land, die greifen, wen sie wollen! - Meist ist da
Reichtum eher schädlich! - Weil der den Mensch verweichlicht macht, im Leben. – Da tut der Tod sich leichter!

ALTER MANN ( zustimmend ) : Das hab’ ich selbst erlebt.

BADER ( bitter ): Der Krieg allein ist aber auch nicht alles! - Schlimm sind auch diese Hexenjäger, sag’ ich euch! – ( betont ) Heilige Inquisition! - ( gequält ) Selbst Kinder, von der Mutterbrust! - Lassen sie als Satans Brut verbrennen!
( Grete schlägt entsetzt die Hände vors Gesicht )
Doch, doch! – Ich weiß, wovon ich rede! – ( eindringlich ) Und ... Schwör’ ich euch: Das bleibt auch so! - Die Schinder wissen schließlich, welch Zeugnis Christentum verlangt! - Und werden gut dafür bezahlt!

BRENNERIN ( zweifelnd ): Du meinst, das hält sich nur des Geldes willen?

BADER ( bitter ): Um Glauben, Brennerin? – Der zieht der Kirche nur den Karren, auf den die ihren Reichtum packt! – Außerdem braucht es noch wen für’s Grobe. – So haben beide was davon: Der Kirchensäckel, wie der Henkersbeutel. – Und jetzt sag’ Du mir, wer vom Geld die Finger lassen würde! – Ich sage euch: Gäb’ es die Hexen nicht... - Die würden sie erfinden!
( GRETE wendet sich erschreckt ab )
Das schreckt dich, Kleine? – Dann hast Du wohl auch Angst, dass einer mit dem Finger zeigt und Dir was anhängt, weil er neidisch ist. – Besonders andre Weiber! - Die Pfaffen und die Schinder, die machen aus Vergnügen mit.

ALTER MANN ( befremdet ): Du redest, Bader... – Was hat Dich so verbittert?

BADER ( hasserfüllt ) : Mich? – Will ich Dir sagen, Alter! – Der Krieg stahl mir mein Leben!
( Pause )

BRENNERIN ( beunruhigt ): Wir haben hier nicht die Erfahrung, Bader. – Wir halten noch zusammen. – (zögernd ) Doch kann ich Dich schon gut verstehen...

BADER ( müde ): Nichts für ungut, Brennerin. - Ich wollte hier nicht Angst verbreiten. – ( ge-fasster ) Mir kocht es eben manchmal hoch und läuft mir einfach über.
( beruhigt sich, schiebt die leere Schüssel weg und beginnt, sich die Füße zu massieren)
- ( plötzlich schroff) Ist auch nicht wert, sich damit aufzuhalten. Ich habe einen Weg gefunden. - ( betont neugierig ) Doch nun ein Mal zu Dir, mein Alter. - Wo bist Du her? - Ich hörte nur, nicht hier vom Dorf.

ALTER MANN: Vom Fehrertann. In einer Hütte. - Ich lebe sehr zurückgezogen. Was soll ich weiter sagen...

BADER ( schüttelt den Kopf ): Nein, nein! Ich hab’ gesehen, was Du kannst! – Wie kommst Du zu dem Wissen, Alter? Das lernt sich nicht in einer Klause!

ALTER MANN ( lächelt ): Ich sehe schon... - Du hast Dich über mich erkundigt.

BADER : Klar doch! – Wenn jedermann mit Ehrfurcht von Dir spricht... – Nur Antwort wusste keiner, wenn ich tiefer fragte!

ALTER MANN ( lächelt milde ): Was soll ich sagen. - Bin nur ein kleiner Mensch, wie andre...

BADER ( zögert, nach Pause ): Doch wie erklärst Du mir Dein Heilen?

ALTER MANN ( lächelt ): Es gab seit jeher gute Lehrer, Bader. – Ich hatte früher einen.

BADER ( schüttelt den Kopf ): Du bist ein Herr! Da bin ich sicher! – Ich bin ein Künstler, mit den Zähnen. - Da hast du ein Gedächtnis für Gesichter! – Ich meine, Alterchen, ich hätt’ Dich schon gesehen!

ALTER MANN ( bleibt ruhig, nach Pause ): Da musst Du mich verwechseln, Bader.

BADER ( nach Pause, gelassen ): Nun gut. Das muss ich vorerst glauben.
( er steht auf und geht zur Türe . Zur BRENNERIN )
Dank’ Dir für Deinen Brei. Ich lege mich jetzt schlafen.

BRENNERIN ( freundlich ): Schon gut. - Bis morgen dann.
( BADER ab. )

 

 

 

1.Akt.
9.Szene

Vorige.

__________________________


OFFIZIER: Was ist mit meinen Männern. Bringt Ihr sie?

BRENNERIN ( sieht ALTER MANN unsicher an, halblaut): Das überlebt der nicht, wenn wir ihn jetzt nicht zügeln!

ALTER MANN ( nickt )( laut zu OFFIZIER hinüber) : Die können selbst noch nicht, mein Herr. – Sind viel zu schwer verletzt.

OFFIZIER: ( schwach, eindringlich ): Es ist von größter Wichtigkeit... – Sie müssen sofort reiten!

BRENNERIN ( theatralisch ): Reiten, Herr? Die zwei? – Die könnt Ihr kaum auf einer Holzbank halten. – Die bringt ihr niemals auf ein Pferd!

OFFIZIER: Habt ihr mir einen Mann, als Boten?

BRENNERIN ( zögernd): Zu den Soldaten...? – ( sieht gleichzeitig unverständig auf ALTER MANN ) Da müsste ich erst sehen, ob sich einer findet, Herr. – Seid Ihr mit uns’rer Pflege nicht zufrieden?

OFFIZIER ( erschöpft): Darum geht es doch nicht, Frau! – Ich habe eine Botschaft an mein Hauptquartier. - Von höchster Dringlichkeit!

BRENNERIN ( beschwichtigend ) : Wir hatten gleichfalls viel Verluste, Herr. – Da muss ich wirklich erst mal fragen, wann einer dazu fähig ist. – Wie lange wäre denn der fort?

OFFIZIER ( nach Pause, erschöpft ) : Ein Ungeübter... - Drei Tage, mit drei Pferden durchgeritten.

ALTER MANN: Das schafft von denen keiner, Herr!

OFFIZIER ( sinkt erschöpft zurück) : Dann ist es ohnehin zu spät.

 


1.Akt.
10. Szene

MÜLLER, WAGNER, LENA, FRANZ, ANNA miteinander draußen.

__________________________

WAGNER (unleidig) : Wie geht es jetzt den andern?

LENA ( zuckt bekümmert die Achseln): Schwer zu sagen. Elf Familien hat’s getroffen.

FRANZ ( drängend ) : Wir brauchen eine Lösung!

WAGNER ( zu MÜLLER ): Da gibt’s doch Waffen und Geschirre, Müller! – Und die Pferde! - Was wird denn nun damit?

MÜLLER: Der Bauernmeister hat’s verwahren lassen. Bei sich in seiner Scheune.

ANNA: Genau! - Wir nehmen uns die Beute!

WAGNER ( nickt ) : Und was die Toten bei sich hatten!

LENA ( besorgt): Die Kaiserlichen wollen sicher ihre Pferde wieder. - Und die Habe ihrer To-ten...

MÜLLER: Wohl auch noch Anteil an der Beute!

FRANZ ( ungehalten ) : Dann bleibt nicht viel, für elf Familien!

WAGNER ( aufbegehrend ) : Wir nehmen einfach mehr davon! - Wir sind nicht schlechter als Soldaten!

 

 


1.Akt
11.Szene

BADER kommt heran. Sieht die anderen miteinander reden und zieht sich unbemerkt zurück. Er bleibt als Lauscher an der Seite )

__________________________

 

MÜLLER ( überrascht ): Und was sagen wir den Kaiserlichen?

LENA ( hoffnungslos ) : Die lassen sich das doch nicht bieten!

WAGNER ( auffahrend ): Schlagen wir sie eben tot! – Wer weiß denn schon, dass die nicht auch im Kampf gefallen sind?

LENA ( erschreckt ) : So ihren Einsatz lohnen...

WAGNER ( geringschätzig): Ihr Weiber, immer! Das Gefühlsgedusel... - Wenn morgen Schweden kommen, Lena, stechen die sie ab! – Und uns dazu, damit Du’s weißt.

ANNA ( eisig ): Ich hab’ gehört, was einer von den Schweden schrie: Erst Spaß und dann Fourage machen. Die Kaiserlichen sind nicht anders, Lena!
( betretenes Schweigen )

LENA (eindringlich ): Fast alle kamen dabei um...

WAGNER (aufgebracht): Was trennst Du hier in gut und böse, Lena? Soldaten sind sich alle gleich! – Ist Dir nicht klar, was das bedeutet? - Einem Herrn zu dienen, der Dich dann nach Belieben hetzt! – Wer sich verweigert, kommt als Warnung an den Galgen! – Da wird der Sohn des Vaters Feind, als stünde er mit ihm im Krieg!

LENA ( fest ): Du weißt, das stimmt nicht, Wagner! - Die meisten kommen selber von der Scholle. - Ob geworben oder durch den Landesherrn verkauft... - Sie wissen, wie es früher war, bei ihnen!

ANNA ( wütend ): Eben deshalb, Lena, sind wir denen jetzt auch so verhasst! - Bislang war keiner hier, von dem Gesindel! – Für die geht es uns hier doch viel zu gut, nach siebzehn Jahren Krieg! – Die wieder ziehen lassen? - Die kämen nur mit andern wieder!

FRANZ ( bestimmt ): Recht hat die Anna! – Im übrigen: So lange, wie der Krieg nun geht, ist Grausamkeit doch längst die Regel! – Und die drei Toten mehr ...

ANNA ( steigert sich hinein ) : Seht euch doch um: Wo gibt es noch ein fröhliches Gesicht? – Das Dorf ist einem Friedhof gleich! – Warum sind immer wir die Opfer? – ( Pause )
( zu MÜLLER ) Sag’ Du doch auch was, Müller!

MÜLLER ( achselzuckend, bedächtig ): Wir Kleinen, Anna, werden doch zuletzt gefragt. Wir tragen nur die Last des Krieges. – So wird’s auch bleiben! – Ich weiß nicht, wer das ändern sollte.

ANNA ( giftig ): Musst hier nicht schön tun, Müller, wie beim Hölzebauer oder denen...
( MÜLLER sieht sie böse an, schweigt aber )

FRANZ ( sieht sich auffordernd um ): Was nützt uns noch die Arbeitskraft, wenn’s nichts mehr gibt zu ernten? – ( zu MÜLLER, nachdrücklich ) Wir müssen wirklich sehen, dass für uns was bleibt!

MÜLLER ( halbherzig ): Na ja, im Abstand, seh’ ich manches auch schon anders...

ANNA ( auffordernd): Und?

MÜLLER ( zögernd ): Nun, die kamen erst aus ihrer Deckung, als uns die Schweden ziemlich hergenommen hatten.... Sie sicher waren, wir würden uns aus Angst auf ihre Seite schlagen.

WAGNER ( zustimmend ): Genau! - Ihr wisst ja, wie das Landvolk ist! – Gewöhnlich halten wir doch still, wenn sich Soldaten schlagen. - Warten, wer gewinnt und zahlen an den Sieger. – Der Müller hat da völlig recht! - Die haben abgewartet, bis sie mit uns’rer Hilfe rechnen konnten!

ANNA ( nickt ): Vorher durften die den Kampf nicht wagen...

FRANZ ( bedächtig ) : Ihr Zögern hatte Gründe!

ANNA ( böse ): Nur Mitleid war es nicht!

WAGNER ( fest ) : Die haben uns für sich benutzt!

LENA ( nickt ): Und täten es wohl morgen wieder!

ANNA: Sind überhaupt ganz üble Kerle, diese zwei... - Den Offizier hab’ ich ja nicht gesehen... – Doch sind die zwei, weiß Gott, mir schon genug! - Was man so hört von denen...

WAGNER ( wichtigtuerisch ) : Soldaten sind nicht mehr wie früher! Beim Kaiser wie dem Schweden. - Mit wem Du heute noch das Brot geteilt, der trägt vielleicht am Morgen schon Dein Wams! – Das macht die so gefährlich! - Und daher sag’ ich auch: W i r nehmen uns die Beute! – Und die Soldaten ...

MÜLLER ( bedächtig ): Halt Dich zurück, Wagner! – Das sind des Kaisers Leute! Katholiken! - Bei Lutherischen könnten wir’s mit Gott begründen. Aber Kaiserliche...? - Das würde uns der Fürstprobst ahnden!

ANNA ( hasserfüllt für sich ): Wir müssen uns nicht immer schänden lassen, plündern und erschlagen!
( Betretenes Schweigen )

LENA ( hart ): Der Fürstprobst! - Käme das denn überhaupt zu dem?

MÜLLER ( bedächtig ): Ob wir dann so zusammenhalten, Lena... – Wir tun das in der Not! Hier würde aber was verteilt! - Fast siebzig Pferde, Sattelzeug und Waffen! – Da sieht das vielleicht anders aus. Steht vielleicht jeder gegen jeden!

WAGNER ( entschlossen zu MÜLLER): Doch wie Du selbst gesagt.... Wir waren Teil von ihrem Plan und sind gestorben wie Soldaten!

ANNA ( fällt ein ): Nur recht und billig, dass uns’re Männer gleichen Anteil haben!
( Die übrigen nicken zustimmend )

MÜLLER ( windet sich ) : Sehe ich ja auch so. - Doch wisst ihr, was die Herrschaft davon hält?
( Betretenes Schweigen )

WAGNER ( abschließend ) : Für’s Erste jedenfalls bewahrt ihr Stille! – Jeder hört nur mal behutsam rum. – Dann gehen wir zum Bauernmeister!

ANNA ( geringschätzig): Der... Mit seiner Obrigkeit! - Da mach’ ich mir nichts vor.
( alle sehen sich schweigend an ) ( BADER verschwindet hastig )

 

 


1.Akt.
12. Szene

( Die Landsknechte KARL und MICHAEL in der Stube. Beide noch sehr bandagiert. Sie pflegen ihre Waffen )

__________________________

MICHAEL: Karl... – Der Falkenstein. – Wird der wieder?

KARL ( nickt ) : Nach der Brennerin...

MICHAEL ( besorgt ) : Sonst gibt es Schwierigkeiten mit der Beute. – Wir haben nur sein Wort.

KARL ( gelassen ): Das hat der stets gehalten, Micha!
( Pause )

MICHAEL ( beiläufig ) : Diesmal hat der aber wirklich überzogen.... - Nicht viel, wir lägen bei den andern!

KARL ( winkt ab ): Der Zeitpunkt war schon richtig! – ( eindringlich ) Du bist doch lang genug dabei! – Warst Du bei solchen Festen jemals satt und voll gesoffen, dass einer Dir ans Leben konnte? – Also! – Und diese Schweden hatten gute Leute! - Wenn nicht da... Wann dann?

MICHAEL ( gereizt ): Wir ritten nun mal hinter diesem Fähnrich her und seiner Gruppe! – Das waren aber sechs! - Nicht dreißig, Karl!

KARL: Es wusste niemand, dass der auf die andern trifft!

MICHAEL ( nachdrücklich): Wir hätten erst mal warten sollen, nachdem sich die zusammen taten!

KARL ( unwirsch) : Und wenn sich die nicht wieder trennen? – Sie irgendwo dann später attackieren....? – Ausgeruhte Leute...? – Und in solcher Überzahl?

MICHAEL ( ungnädig) : Man greift nicht an, bei solchem Missverhältnis, Karl!

KARL ( wütend ): Niemand war gezwungen mitzureiten! – Doch die Bedingung war: Gehorsam bis zum Tod! - Dafür werden wir auch gut entlohnt!
( MICHAEL macht eine verächtliche Handbewegung) ( KARL ruhiger )
Der Hauptmann hat auch nicht gekniffen, wie gewöhnlich uns’re feinen Herr’n! – Dein Risiko war auch das seine!

MICHAEL ( unwirsch ): Ja. Ja.
( Pause )
KARL ( aufmunternd ): Ist doch nicht schlecht, Soldat zu sein! – Dein Fressen hast Du, Weiber, Beute... Und zahlst es mit Gehorsam!
( Pause )
MICHAEL ( feststellend ) : Du hast kein Weib.

KARL: Ein eigenes? ( lacht gutmütig ) – Nicht jede will so einen, der nur die Knochen zu verkaufen hat. – (MICHAEL nickt ) – Du hast Kinder, wie ich weiss...

MICHAEL ( stolz ): Sechs.

KARL ( grinst ): Bisschen viel von Deiner Sorte...
( Pause )

MICHAEL ( forsch ): Je länger wir uns hier die Eier kratzen, Karl, je mehr kommt mir die Geilheit hoch. – Die Schweden hatten sich doch Junge rausgegriffen... – Wo sind die plötzlich alle? – Ich seh’ hier nur noch Alte! - ( grinst ) Die könnten doch was tun für Christenmenschen! – Nicht bloß für lutherische Schwänze!

KARL ( lacht grölend ): Vier Tage war der Hundsfott tot. – Jetzt juckt’s ihn endlich wieder!

MICHAEL ( halblaut ): Hast die gesehen, diese Kleine ...? - Die Tochter von der Brennerin! - Ein blank poliertes Stückchen Weib! – Bei Gott, wär’ schon ein Spaß, das Vög’lein intonieren...
( macht obszöne Handbewegungen )
Die würd’ ich schon das Singen lehren!

KARL ( unmutig ): Die Sau lass raus zu andrer Zeit!

MICHAEL ( streckt sich ): Der Körper braucht noch mehr, als nur zu fressen.

KARL ( gereizt ): Bist Du zu hart auf’s Hirn gedroschen, Mann? - ( betont ) Das Luderchen lässt Du in Ruhe! Klar? – So lange die uns brav kurieren, will ich hier keinen Ärger, Micha! – - ( drohend ) Im Kampf stirbt es sich leichter, als am Galgen, langsam hoch gezogen!

MICHAEL ( abwiegelnd): Komm! Reg’ Dich ab. – War nur am Träumen! – ( abwägend ) Aber kann sich ja noch ändern...

KARL ( stutzt ) : Was soll das jetzt wieder heißen?

MICHAEL ( ausweichend ) : Ich mach’ mir nur Gedanken, Karl. – Die haben hier noch alles! – Wie schnell kommt einer da ins Grübeln, ob er uns nicht verschwinden lässt....

KARL ( unverständig ): Die kurieren uns doch nicht, um uns dann nachher tot zu schlagen.

MICHAEL ( gereizt ) : – Die könnten hier noch tückisch werden! - ... Siehst Du in Bauernschädel, Karl? – ( beugt sich zu KARL, fest ) Ich spüre immer die Gefahr! – Und diesmal bin ich mir genau so sicher!

KARL ( nachdenklich): Na ja... Schon möglich.... ( aufgeregt ) Verdammt! - ( nachdenklich ) Doch legen die zur Zeit die Karten! – Wir beide sind zu schwach, um aufzuspielen. – ( entschieden ) Doch lass uns wachsam sein. – ( müde) Da treibst Du in was rein... Und nur, weil wir Soldaten...

MICHAEL ( nickt ): Wir sollten schon was tun.

KARL (wieder gelassen): Angst haben und es zeigen, Micha, sind immer zwei Paar Stiefel. – Ich zieh’ nur den an, der nicht drückt.

MICHAEL ( abwägend ): Vielleicht, wenn die uns fürchten, Karl... – Du weißt, als Landsknecht lebst Du manchmal durch die Angst, die Du verbreitest! – Die sollen glauben, dass wir für sie gefährlich sind! Das bringt dann sicher etwas Zeit! – Wenn auch nur Tage.... - Doch machen wir dann wieder mit!

KARL ( schüttelt den Kopf ): Wenn die jetzt Angst bekommen, töten die uns morgen, Micha! – Lass’ es, wie es ist. – Und.... – Die brauchen uns ja schließlich noch!
( MICHAEL sieht ihn zweifelnd an )
- ( eindringlich ) Die vielen Pferde, Waffen und das and’re... – Die hatten nie ein Recht auf Beute, Micha... Taglöhner oder Bauern! - Wenn andere Soldaten kämen... ? – Selbst wenn es Schweden wären... - Die glauben doch, die hätten uns erschlagen, um unsre Beute zu bekommen! – Wär’ schließlich nicht das erste Mal!

MICHAEL ( nickt ): Verlangt der Kodex, dass der Soldat zusammenhält! Gleich unter welcher Fahne!

KARL ( gelassen ): Dann sind die froh, wenn wir noch leben.

 

 


1.Akt
13.Szene

BRENNERIN und ALTER MANN. GRETE kommt irgendwann später hinzu und arbeitet im Hintergrund.

__________________________

 

BRENNERIN: Mal auf ein Wort, ehrwürd’ger Vater... – Was ist das mit dem Bader und mit Euch?

ALTER MANN ( überrascht ): Wie meinst Du das?

BRENNERIN: Kennt Ihr den nicht von früher?

ALTER MANN ( überrascht ): Nein. – Den sah ich hier zum ersten Mal.

BRENNERIN ( zweifelnd ) : All die Tage sieht der Euch so seltsam ins Gesicht...

ALTER MANN ( nickt ) : Er sprach mich auch schon darauf an ...

BRENNERIN ( bohrend ) : Versteht mich recht... - Immer wieder fing der damit an: Ich kenn’ den, Brennerin... Und so... – Lebt Ihr schon lang im Fehrertann?

ALTER MANN: Gut fünfzehn Jahre. – ( lächelt ) Weißt Du... Das Schweigen und die Einsamkeit, werden viel zu sehr gemieden. Obwohl sie jedem hilfreich sind. ( BRENNERIN sieht ihn fragend an) – Ein Gleichnis... Vielleicht hilft es Dir... – Wer Pflanzen ständig um sich hat, sieht meist nur noch die Frucht, den Nutzen, den sie bringen. – Doch geht der Blick für ihre Seele so verloren.

BRENNERIN ( zweifelnd ): Ihr meint, so schärft Ihr Euren Blick für Menschen? – - Doch... das mit der Seele... - Passt das überhaupt in uns’re Zeit?

ALTER MANN ( lächelnd ): Wenn Du so willst: In keine! – Doch wird dem Menschen nicht geschenkt, sich selbst in Liebe zu begreifen.

BRENNERIN ( zweifelnd ): Das sieht die Kirche vielleicht anders, frommer Vater.

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Auch sie tut nur ihr Bestes. – Mit falschen Mitteln, manches Mal, doch immer aus der Sorge des Begreifens, wie wenig wir das Menschsein kennen.

BRENNERIN ( nachdenklich ): Ihr habt wohl recht, denn alles, was der Mensch erdenkt, dient letztlich seinem Leib.

ALTER MANN ( nickt lächelnd ) : Dabei ist er klug, zwar mancherlei zu tun, nicht aber fähig, anderes zu lassen.
( Pause )
BRENNERIN ( behutsam ) : Verzeiht nochmals die Neugier, Vater... – Das mit dem Bader... - Hat das vielleicht damit zu tun, dass Ihr erschrocken seid, als Ihr den Herrn von Falkenstein hier liegen saht?

ALTER MANN ( lächelt, nach einer Pause ): Du hast schon einen scharfen Blick, Brennerin...

BRENNERIN: Gregor von Falkenstein! Ich fragte seine Männer... - Kennt Ihr ihn?

ALTER MANN ( langsam): Nein! – Auch diesen habe ich noch nie gesehen.

BRENNERIN: Doch sah ich Euch erschrecken!

ALTER MANN ( nickt, nachdenklich ): Erinnerung kam in mir hoch, die ich mir längst begraben wähnte.

BRENNERIN: Wollt’ Ihr es nicht erklären? – Ihr kennt ihn nicht, doch rührt er Euch so innig an!

ALTER MANN ( nach Pause, bedächtig ): Ich kenne nur den Ring an seinem Finger.

BRENNERIN ( abwägend ) : Den Ring? – Na ja... - Wer weiß, in dieser Zeit, wie er daran gekommen ist. – Gleichwohl... Ein solcher Herr...? - ( etwas verlegen ) Verzeiht mir jeden-falls, ehrwürd’ger Vater! – Erst dieser Kerl da, dieser Bader... - ( schauert etwas zusammen) Der mir noch nie so ganz geheuer... – Dann unser Hauptmann, der Euch wanken machte ....

ALTER MANN ( nickt ): Was beieinander liegt, scheint oft verbunden... (steht auf, freundlich) Doch lass’ uns jetzt noch ein Mal nach den Kranken sehen.

 

VORHANG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Akt

 

 


2.Akt.
1.Szene

OFFIZIER auf seinem Lager, gestützt mit Kissen. Er döst vor sich hin. BRENNERIN tritt ein. OFFIZIER sofort wach.

__________________________

BRENNERIN: Ah! Ihr seid wach...

OFFIZIER ( lächelt mühsam ): Na ja. Nach reiten ist mir nicht.

BRENNERIN ( ernst ) : Ihr habt dem Himmel viel zu danken, Herr.

OFFIZIER ( gelassen ) : Wohl eher Dir und diesem Alten.

BRENNERIN ( befremdet ): Ihr lästert, Herr!

OFFIZIER ( winkt ab ): Bei uns Soldaten ist das anders. – Wir töten schließlich für den 'HERRN’ . – Da wird er mir verzeihen.

BRENNERIN: Ihr solltet das nicht sagen, Herr!
( Es klopft laut )

OFFIZIER ( munter ): Das werden meine Männer sein.
( BRENNERIN öffnet )

 

 

2.Akt.
2.Szene

Vorige. Die beiden Landsknechte treten zu OFFIZIER heran.

__________________________

MICHAEL ( linkisch) : Gut seht Ihr aus, Hauptmann. – ( gewollt anerkennend ) Schmuckes Lager habt Ihr da.... Ließ ich mir auch gefallen. - ( launig zu KARL) Und dann die Grete ... – ( zu BRENNERIN ) Da ist Dir ein Juwel geschenkt, Brennerin!
( BRENNERIN versteift sich )
– Nicht doch! Ich mein’ das mit Respekt! – ( Zu OFFIZIER ) Die Weiber hier sind fleißig, Hauptmann! Muss ich loben.

BRENNERIN ( kühl ): Ich gehe dann... ( ab )

 

 

2.Akt
3.Szene
Vorige.

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MICHAEL ( spöttisch hinterher ): Die fürchtet jedes Kompliment! – Ein Ratsherr oder Pfaffe könnt’ ihrer Grete übel reden, um sie auf Sünden hin zu untersuchen. – ( schnalzt mit der Zunge ) Der Geilheit wär’s gewiss ein Fest!

OFFIZIER ( streng ) : Genug jetzt, Michael!
( MICHAEL zuckt die Achseln )

KARL ( lacht ): Ihr kennt den doch! – Ein gutes Herz, mit großem Maul!

OFFIZIER ( ernst ): Zur Sache, Männer! – Könnt ihr reiten?

KARL: Wenn Ihr meint, den ganzen Weg zurück? ( schüttelt den Kopf)

OFFIZIER: Hört zu! – Mein Auftrag ist noch nicht erfüllt!

MICHAEL ( ernst ) : Ich weiß, wir ritten knapp zwei Tage, bis wir auf die Schweden stießen... - Aber Tag und Nacht! - Und jeder mit drei Pferden!

KARL ( ruhig ) : Ihr kennt uns, Hauptmann...! – Zumindest noch zwei Tage ...

OFFIZIER ( drängend ): Des Schweden Hauptmacht steht im Norden. Zwei Tagesritte nur! – Wir wollen durch die Wälder hier, ihm in die Flanke. – Der Fähnrich hatte unsren Plan und wollte ihn verkaufen. – Man wartet auf die Meldung, dass wir ihn abgefangen haben!

MICHAEL ( erstaunt, zu KARL ): Jetzt macht das einen Sinn...!

OFFIZIER ( nickt ) : Ich hatte keinen eingeweiht, denn sollten wir gefangen werden....

KARL ( zögernd ): Wenn das so wichtig war, Hauptmann... - Warum sind wir nur zwölf ge-wesen?

OFFIZIER: Ihr wart die Besten! – Zumal der Fähnrich nur mit seiner Gruppe ritt. – Dass er schon hier auf Schweden trifft, war nicht vorauszusehen.

KARL: Hm...

MICHAEL ( ungehalten): Doch ohne Meldung wär’ das dann umsonst?

OFFIZIER ( sinkt müde auf die Kissen zurück ): Nein! – Unser Plan wird trotzdem beibehalten. Die Schweden sind nur nicht gewarnt.

MICHAEL ( vorsichtig, sieht dabei vielsagend KARL an ): Ging also nur um den Plan! - Dass der nicht übergeben wurde...

OFFIZIER ( sieht MICHAEL lange an ): Es ging um eine große Sache, Michael.

MICHAEL ( wendet sich etwas ab, geringschätzig): Verzeiht mir, Hauptmann... In all den Jahren, geht’s immer nur um große Sachen, in diesem gottverdammten Krieg.

OFFIZIER ( freundlich ): Ich hatte mir das auch nicht ausgesucht.

KARL ( versöhnlich ): Geht schon in Ordnung, Hauptmann. – Dreifacher Sold und alle Beute, war uns dafür zugesagt!
( OFFIZIER nickt, sinkt erschöpft zurück und schließt die Augen )
- ( fest ) Sobald wir reiten können, Herr, gebt Order!

MICHAEL ( unverständig ): Kann denn nicht einer von den Bauern...

OFFIZIER ( rappelt sich wieder auf ) : Den ließen sie doch gar nicht vor. – Ich müsste schon was schreiben. Kann aber nicht, mit meiner Hand. –- ( grinst ) Schreiben könnt’ ihr ja wohl nicht... - Dass ich euch diktiere...

KARL ( steht eilig auf ): Ich bin Soldat! – Mein Degen ist mir Feder! – ( deutet auf MICHAEL ) Dem da auch!

OFFIZIER ( lächelt ): Hab’ euch schon richtig eingeschätzt.
(OFFIZIER sinkt erschöpft zurück ) ( Landsknechte ab.)

 

 

 

2.Akt.
4.Szene
MICHAEL und KARL in ihrer Stube. Es klopft. BADER tritt zögernd ein

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BADER ( unterwürfig ) : Darf ich euch stören, werte Herren?

KARL ( gut gelaunt ) : Nur rein mit Dir.

BADER ( druckst herum): Ich möchte weiter, werte Herren... - Ihr werdet euch gewiss erinnern: Ihr wolltet mich entlohnen.

KARL ( nickt, gelassen ) : Weshalb die Eile, lieber Freund?

BADER ( leichthin ): Ich? In Eile... ? – Keineswegs! - Man braucht mich nur nicht mehr! – Die Brennerin und dieser Alte...Da bleibt mir nichts zu tun! – Ihr wisst, der Bauer duldet keinen faulen Fresser. – Der Bauernmeister hat mich schon entlohnt. – Jetzt wollte ich nur höflich fragen...

KARL ( zu MICHAEL ): Gib ihm was!
( Er kramt aus seiner Kleidung zwei große Münzen und wirft sie dem BADER zu )

MICHAEL ( sucht gleichfalls nach Münzen, behält sie aber in der Hand, misstrauisch ): Und was, wenn der nur kommt, damit er überhaupt noch etwas kriegt?

KARL ( stutzt ): Was soll das, Michael ?

MICHAEL( misstrauisch ) : Der Bader, Karl, kommt rum, hier, bei den Leuten. – Der weiß wahrscheinlich mehr als wir!

BADER ( eilig ): Was könnte ich denn wissen, Herr? – Und wenn... Ich würd’ doch nichts verschweigen? – ( entschieden ) Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich will nicht gehen, Herr! - Ich muss!

KARL ( setzt sich entschlossen auf ): Das ist nicht wahr, mein Lieber! – Die hätten Dich vor Tagen weggeschickt!

MICHAEL ( zieht drohend sein Messer ): Ich stech’ Dich ab, Bader, wenn Du noch länger lügst!

BADER ( windet sich ): Bei meiner Ehre...

KARL ( scharf ): In unsrer Zeit gilt Ehre wenig! – ( eindringlich ) Ich will’s Dir anders sagen, Bader ... (deutet auf MICHAEL ) Der hat recht, wenn ich Dich hier zappeln sehe! - Ganz klar, dass Du Dich hier verdrückst! – Sag’, was Du weißt! – Ich schwör’s: Sonst kommst Du hier nicht lebend raus!
( Pause ) ( plötzlich betont freundlich )
Damit Du aber siehst, wie gut ich’s mit Dir meine, leg’ ich Dir sogar noch etwas drauf.
( holt ein weiteres Geldstück hervor und knallt es auf den Tisch. Greift sich dann mit einer Hand blitzschnell BADER und zwingt ihn auf den Stuhl am Tisch )

BADER ( ängstlich ): Ich sag’ euch alles, was ich weiß.

KARL ( ruhig ): Nur, warum Du wirklich gehst!

MICHAEL ( drohend ) : Und keine Sprüche, Mann! ( spielt dabei mit dem Messer )

BADER ( stotternd ): Mir braucht ihr nicht zu drohen! - Wär’ ich ein Held wie ihr, wär’ ich schon längst bei den Soldaten...

KARL ( freundlich ) : Dann einfach raus damit!

BADER ( eilig ) : Ich hab’ nur welche reden hören. Zufall eigentlich! - Die wollten von der Beute. - Und sprachen wirklich schlecht von euch. – Da dachte ich mir: Franz, Du solltest Dich verdrücken! – Das könnte Ärger geben! – - Das ist schon alles, werte Herren. – ( wird kleinlaut ) Und, wie gesagt, der Bauernmeister ...

KARL ( ruhig ) : Dem hast Du’s aber so begründet, wie bei uns? Am Anfang, mein’ ich ...

BADER ( nickt ): Der wollte sonst nichts wissen. - ( zuckt mit den Achseln ) Die Menschen hören nun mal, was sie möchten, Herr! – Was soll ich den verärgern?

KARL ( nickt ) : Wenn Du jetzt gehst, mein Freund: Zu niemand mehr ein Wort darüber!

BADER ( eilig ): Natürlich nicht, ihr Herren.
( KARL schnippt ihm die Münze hin )
Und nichts für ungut.
( Will nach dem Geldstück greifen )

MICHAEL ( scharf ): Halt! - Was war das noch mit unsrer Beute? – Und sag’ jetzt nicht, Du hättest nichts gehört!

BADER ( zögert ): Nun ja ... Sie wollen einen Anteil haben. – Für die Familien ihrer Toten.

KARL ( betont ): Du meinst, die wollen alles!

BADER ( zögernd ): Vielleicht nicht ganz...
( MICHAEL schlägt mit der Faust auf den Tisch )
- ( eilig ) Erregt Euch nicht, Ihr Herren! - Ihr wisst doch, wie die Menschheit ist. – Nichts ist ihr schlecht genug, dass es nicht einer denkt, auf Erden.

KARL ( scharf ) : Komm’ endlich raus damit!

BADER (unruhig ) : Die rotten sich zur Zeit wohl noch zusammen. - Der eine will, der and’re kneift. – Wie das so ist, bei solchen Leuten! – Mir sind das eben Warnsignale!

KARL ( trocken ): Die Dich das Weite suchen lassen...

BADER ( aufgeregt) : Versteht mich recht... - Ich mag mich täuschen... – Indem ich es zu schwer gewichte... - Doch hält mich hier auch nichts. Bin hier wie dort gut aufgehoben. – Es wäre töricht, hier zu bleiben!

MICHAEL ( misstrauisch ) : Und wohin gehst Du?

BADER ( zögernd ): Wohl in die Fürstprobstei, nach Hofersfelden. – War ohnehin schon auf dem Weg dahin. – Dort weiß man meine Kunst gewiss zu achten! – Ich mein’, das Handwerk mit den Zähnen...

KARL ( ruhig ) : Klingt vernünftig. – Dann wollen wir Dich auch nicht halten, Bader. – Doch könntest Du was für uns tun.

BADER ( geflissen): Aber ja doch...

KARL: Lass die bei Hofe wissen, dass Du uns hier getroffen hast. – ( vielsagend ) Noch bes-ser: Wie Du uns verlassen...

BADER: Das will ich gerne tun. – ( neugierig) Sollen die euch hier entsetzen?

KARL ( winkt gelassen ab ): Aber nein! Wir sind doch unter Freunden... – ( freundlich ) Es reicht, wenn einer weiß, dass wir noch lebten, als Du gingst.
( KARL schiebt BADER das Geldstück zu. Dieser eilig ab )

 

 

 

2.Akt.
5.Szene

Vorige.

__________________________

 

MICHAEL ( sieht BADER entgeistert nach. Haut schließlich mit der Waffe auf den Tisch ): Saubande, dreckige!

KARL ( nachdenklich ): Uns fehlen alle Trümpfe, Micha!

MICHAEL: Das ist beschloss’ne Sache, sag’ ich Dir!

KARL ( beschwichtigend): Die haben sicherlich was vor! – Doch fest beschlossen scheint noch nichts. – Sonst hätten die den auch nicht ziehen lassen. – ( anerkennend hinter BADER her ) Der Hund weiß ganz genau, nur jetzt kommt er noch aus der Stube! – ( gelassen ) Es bleibt uns noch genügend Zeit, den Dolchstoß zu parieren.

MICHAEL ( entschlossen): Wir hauen erst mal ab! – Die Beute holen wir dann später! –
( Pause )
( eindringlich) Was denkst Du, Karl? - Nur Du und ich! – Der Wald ist groß genug! Um zuzuschlagen und dann wieder zu verschwinden!

KARL ( sieht erstaunt auf, schließlich bedächtig ): Wir steh’n beim Falkenstein im Wort!

MICHAEL ( drängend ) : Der ist doch sowieso am Ende! – Wenn’s sein muss... ( macht die Bewegung des Halsabschneidens ) helfen wir ihm nach...
( Pause )

KARL ( nachdenklich, betont ) : Seit zwanzig Jahren, Micha, bin ich jetzt Soldat! – So man-ches ist da schon gelaufen! – - Mein Vater stand im Tagelohn! Bei einem harten Bauern. - Du weißt schon: Säue füttern, Rüben hacken.... –War nichts für mich! Ich wollte nur zu den Soldaten. – Und jetzt? In Zeiten, wie den unsrigen... - Da hat der Landsknecht sogar was zu sagen! Da spuckt dem keiner ins Gesicht! – Doch Marodeur...? – ( schüttelt den Kopf ) Jetzt bin auch ich mal König, Micha! – Was Du jetzt willst, macht vogelfrei!

MICHAEL ( drängend ): Karl! Immer nur für fremde Herr’n... – Dann ging es in die eig’ne Tasche! – Alleine aber kann ich’s nicht!
( Pause )
( KARL schüttelt den Kopf ) ( MICHAEL lehnt sich enttäuscht zurück )
Du bist ein selten sturer Kerl. – Überlegst es Dir ja vielleicht noch...

 

 


2.Akt.
6.Szene

OFFIZIER auf dem Lager, ALTER MANN, BRENNERIN und GRETE.

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OFFIZIER ( munter umherblickend ): Nur noch ein Wespenstich. In ein paar Tagen bin ich wieder auf. – Ein Meister Deines Faches bist Du, Alter!

ALTER MANN ( lächelt, milde): Nur Werkzeug eines Höheren... – Und dieser Wespenstich, wie Ihr das nennt, der plagt Euch noch in Wochen.

OFFIZIER ( betont munter ): Ein Feuer wird nun mal zur Glut, fehlt ihm der frische Wind! – Ich muss zu meiner Truppe!

BRENNERIN ( entschieden): Nichts da, mein Herr! Ihr bleibt im Bett! - Ihr seid dem Wundbrand knapp entkommen...

ALTER MANN ( besorgt ): Nehmt mir das ernst, mein Herr! – Die Wunde könnte brechen. – Wo sonst soll unser Körper Kräfte finden, wenn nicht in Schlaf und Ruhe?

OFFIZIER( ernst ) : Schon gut. Ich weiß. - ( launig ) Der Körper als Geschenk ... Das sieht man als Soldat meist anders. – ( anerkennend) Du könntest ein Vermögen machen, als Feldscher, alter Mann. Komm mit! Zu uns Soldaten! – Vergrab’ Dich nicht in einem Wald!

ALTER MANN ( lächelt ) : In meinem Alter, Herr... – Wozu nach Reichtum streben? – ( bedächtig ) Seht es im Zeitenwechsel eines Lebens, Herr ... Reift eine Knospe zu der Frucht heran, dann braucht es wirklich Fülle. – Doch fällt dann das Gereifte ab... Dann ist die Zeit des Gebens.

OFFIZIER ( lacht ): Reichtum schändet auch das Alter nicht! – ( spöttisch ) – Nimm Deine Kirche, Alter! - Die häuft die Güter nur so auf! - Mach aus der Armut keinen Kult, nur weil Du noch nicht reich gewesen!

ALTER MANN ( lächelnd ): Auch Jesus, Herr, besaß nur wenig. – Reichtum gibt dem Leben vielleicht Form! Doch keinen Inhalt...

OFFIZIER ( lacht anerkennend ) : Gut pariert! – Doch wäre einer reich... – Dürfte der es dann behalten?

ALTER MANN: Warum nicht? - So manchem ist das Zierrat seines Lebens. – Doch... Ist sein Leben dadurch auch ’gelebt’? –

OFFIZIER: Darüber lässt sich fraglos streiten...

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Nur wer auserwählt ist, lernt, dass Reichtum ein Gefäß ist, Gutes in die Welt zu tragen.

OFFIZIER ( spöttisch ) : ... das jederzeit zerbrechen kann! – Weshalb wir es ja selbst mit unsrem Leben schützen! – ( lacht gutmütig ) Das lass mal keinen hören, der sich um seinen Reichtum schindet, Alter. Sonst kommt der mit dem Knüppel!

ALTER MANN ( lächelt ): Ihr habt danach gefragt.
( OFFIZIER stutzt, grinst dann ) ( ALTER MANN lächelt und geht hinaus )

 

 


2.Akt
7.Szene

Vorige.

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BRENNERIN ( energisch ) : Genug geredet, Herr... Legt Euch jetzt bitte nieder!

OFFIZIER: Nein! – Wie weit sind meine Männer?

BRENNERIN ( nachdenkend ) : Noch ein paar Tage ...

OFFIZIER: Ich will sie sehen. Jetzt! – Habt ihr hier Feder und Papier?

BRENNERIN: Mit Eurer Hand?

OFFIZIER: Ich muss es wenigstens versuchen.

BRENNERIN ( spitz ): Ihr beugt nicht immer die Natur... ( auffordernd zu GRETE ) Geh’, Kind!

GRETE: Ja, Mutter. (geht ab )

 

 

 

2.Akt.
8. Szene

KARL und MICHAEL vor dem Haus auf einer Bank in der Sonne.

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MICHAEL ( wütend ): Ich habe einige gesehen! - Stolzieren hier in Waffen, als wären sie bei Hofe!

KARL ( gleichgültig): Solang’ die mir den Rang nicht streitig machen...

MICHAEL ( knurrig ): Die werden uns bescheißen, Karl!

 

 

2.Akt.
9.Szene

Ein Junge geht vorbei, mit einem Krug in der Hand

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KARL : He, Kleiner. Komm’ mal her! ( JUNGE kommt heran ) – Was hast Du da im Krug?

JUNGE ( arglos ): Wein, glaube ich!

KARL : Dann gib mal her.
( JUNGE will weglaufen, aber MICHAEL hält ihn blitzschnell fest )

MICHAEL( gelassen ) : Söhnchen! Hat niemand Dich Respekt gelehrt? – ( freundlich ) Er sagte doch: Gib her!
( JUNGE gibt ihm ängstlich den Krug )

 

 

2.Akt
10.Szene

Vorige. WAGNER eilt heran.

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WAGNER ( zu JUNGE ): Geh’, Peterchen. Ist schon in Ordnung.
( JUNGE läuft weg )

 

 

 


2.Akt
11.Szene

Vorige.

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MICHAEL ( herausfordernd, deutet auf den Krug ): Was ist, mein Freund? – Wem immer der gehört, wir werden ihn bezahlen. – Dir...?

WAGNER ( abweisend ): Nein!

KARL ( gemächlich ) : Dann sag’ das bitte weiter. – Sonst könnte einer böse sein.

MICHAEL ( betont vorwurfsvoll ) : Weißt Du ... - Ihr tragt das heimlich so vorbei, als wolltet ihr uns strafen. – Will uns denn niemand eine Freude machen?

KARL ( mit einladender Handbewegung ) : Setz’ Dich mal her...

WAGNER ( kühl ) : Ich habe Arbeit liegen...

KARL ( mit leicht drohendem Unterton ) : Ich bat’ Dich freundlich, noch zu bleiben...
( Er öffnet den Krug und reicht ihn WAGNER. Der aber sträubt sich )

MICHAEL ( ruhig ) Zier’ Dich doch nicht. – Zum Kämpfen waren wir euch gut. Warum nicht auch zum Feiern?
( WAGNER nimmt widerstrebend einen Schluck )

KARL ( ergreift seinen Arm und zwingt WAGNER auf die Bank ): Wir stehen mit der Kirche gut! Du hast hier nichts zu fürchten. – ( bedächtig ) Und alles zahlen wir mit unserm Blut! –

MICHAEL ( ruhig ) : Du siehst ja, was wir leiden mussten. - ( zupft etwas an WAGNER herum) Hast Dich wohl rausgehalten, aus dem Kampf?

WAGNER ( steif ): Ich war sehr wohl dabei, Ihr Herren. - Jetzt muss ich aber wirklich weiter!

MICHAEL ( schnell ) : Ein Wort noch, guter Mann. – Ich sehe manche so in Waffen, als zögen sie in einen Krieg...

WAGNER (hastig ): Das ist nichts! Tun sich nur Buben wichtig.

KARL ( ruhig ): Die scheinen mir nur ziemlich alt...

WAGNER ( steif ) : Das werdet Ihr verwechselt haben. – Auf jeden Fall: Es hat nichts zu bedeuten. – Ich werde es dem Bauernmeister sagen, damit er so was unterbindet.

KARL ( nickt nachdenklich ) : Da tut der sicher gut daran. – ( besorgt ) Das, missverstanden... Und so ein Bube nimmt dann Schaden...

WAGNER ( steht eilig auf und geht ab )

 

2.Akt
12.Szene

GRETE kommt heran. ANNA taucht ebenfalls im Hintergrund auf, nähert sich aber nicht.

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GRETE ( freundlich ): Der Herr von Falkenstein lässt mich Euch sagen, Ihr möget bitte zu ihm kommen.

MICHAEL ( hat sich freundlich lächelnd erhoben und bietet ihr seinen Platz an ): Du hast gewisslich etwas Zeit, mein Kind.

GRETE ( unbeschwert ) : Ich muss sofort zurück...

MICHAEL ( greift sie blitzschnell um die Taille, setzt sich und zieht sie sich dabei auf den Schoß, genießerisch ): Du bist ein prächtiges Geschöpf! ( GRETE wehrt sich, aber er hält sie fest ) Ich tu’ Dir nichts. – ( schlüpfrig ) Bin doch kein Schwede, süßer Fratz...

GRETE ( beherrscht ) : Ihr tut mir weh!

MICHAEL ( lässt sie aufstehen, hält sie aber weiter fest ): Dich würd’ ich gern vernaschen, Unschuld! (steht wieder auf, dreht sie sich ein bisschen in den Arm und kneift sie leicht in die Wange )

GRETE ( wird ängstlich ): Ich möchte gehen, Herr!

MICHAEL ( zu KARL ): Mit ihrer Sprödigkeit... Die lässt den Falschen mal nicht springen und schon hat der sie hexen sehen! - Und fest mit dem Gehörnten treiben...

KARL ( lacht, bedeutungsvoll zu GRETE ): Die Kutten sind die Schlimmsten. Ja! - Die würden’s Dir besorgen.
( GRETE beginnt fast zu weinen )

MICHAEL (wischt ihr im Gesicht, freundlich vorwurfsvoll ): Ein bisschen Spaß musst schon ertragen, Hübsche. – ( freundlich ) Glaubst Du, ich weiß nicht, wer Du bist, mein Kind?
( Er lässt sie los. Sie trocknet sich hastig die Tränen )

GRETE ( knickst, tapfer ): Ich hab’ das vielleicht missverstanden, Herr. - Entschuldigt bitte mein Verhalten.
( KARL macht MICHAEL hinter GRETES Rücken eine Handbewegung, sie wegzuschicken )

MICHAEL ( freundlich ): Ich wollte Dich doch nicht erschrecken! - Geh nur, zu Deiner lieben Mutter! -– Und sag’ dem Hauptmann, dass wir kommen. – Wir sind nur nicht so schnell wie Du.

( GRETE erleichtert ab) ( Unbemerkt hat ANNA wütend zugesehen und zieht sich nun gleichfalls zurück)

 

 


2.Akt.
13.Szene

Vorige.

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KARL ( mit einer Handbewegung) : Hol’ die Pistolen, Micha! – So Krücken können hilfreich sein. - Der Weg durch’s Dorf ist vielleicht tückisch.
( MICHAEL nickt und verschwindet im Haus. )

 

 


2.Akt
14.Szene

OFFIZIER versucht vergeblich, trotz seines Verbandes einen Brief zu schreiben. Schließlich gibt er auf.

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OFFIZIER( ärgerlich vor sich hin : Gibt’s denn hier keinen, der was schreiben kann?
( Es klopft laut. Zwei Bewaffnete treten ein )( OFFIZIER misstrauisch )
Wer seid ihr?

ERSTER: Vom Fürstprobst, Herr!
( BRENNERIN will zur Türe herein, macht diese aber sofort wieder halb zu und lauscht )

OFFIZIER: Und euer Auftrag, Männer?

ZWEITER ( steif ) : Diesen Alten holen, Herr!

OFFIZIER ( verständnislos ): Wen?

ZWEITER ( sachlich ): Ein Jude ...

ERSTER ( fest ): Ein Bader hat den Mann erkannt! – Bei Euch!

OFFIZIER ( scheinbar gelassen ): So einem glaubt ihr?

ZWEITER ( ungehalten ): Bloß weil der ehrlos ist? – Der Kirche ist sein Zeugnis gut!

OFFIZIER ( ruhig ): Was wird dem vorgeworfen, diesem Juden?

ZWEITER ( zurückhaltend ): Er achtet nicht die Kleiderordnung! – Hier hält man ihn für ei-nen Mönch!

OFFIZIER ( trocken, nickt ): Das wiegt schon schwer, in dieser Zeit ....

ZWEITER ( zögert, dann gereizt ): Kaftan und Tracht sind vorgeschrieben! - Ein Jude muss sich kenntlich machen!
( BRENNERIN verschwindet hastig )

OFFIZIER ( trocken, zustimmend ): Das trifft wohl zu, dass man den Christ nur an der Klei-dung kennt. – Doch kenn’ ich schwerere Vergehen. - Für so was macht ihr nicht den Weg!
( ERSTER und ZWEITER sehen sich an )( OFFIZIER ungehalten )
Was ist denn nun, mit diesem Juden?

ERSTER ( erklärend ) : War mal ein reicher Händler. – Und kennt sich aus in Vielerlei! Hier macht er an Verletzten rum...

OFFIZIER ( abfällig ): Dummes Geschwätz, wenn’s der ist, den ich meine! - ( spöttisch) Selbst wenn... - Tät’s Dich als Kranken kümmern, wer Dir hilft? - - Na also!

ZWEITER ( anzüglich ): Manche sind ja uneinsichtig, bei so Leuten...

OFFIZIER ( kühl ): Ich bin Gregor von Falkenstein! – Sagt euch das nichts?
( Die Bewaffneten sehen sich beeindruckt an )
Ihr kennt den Namen, wie ich sehe! – Halte Dich zurück, wenn Du hier redest!

ERSTER ( entschuldigend ): Wir streiten mit Euch nicht! - Wir haben nur die Ordnung herzustellen, Herr.

OFFIZIER ( kalt ): Ich kenne diesen Juden, ja!

ERSTER ( unbehaglich ): Es heißt, der Kerl erschleicht sich das Vertrauen braver Leute...

ZWEITER ( trotzig ) : ... und treibt damit ein finsteres Geschäft!

ERSTER ( fest ): Er wird der Zauberei beschuldigt!
( Pause )

OFFIZIER ( nachdenklich ): Das hat Gewicht! – Die Heilige Inquisition!

ERSTER ( steif ): Das macht man nicht gleich öffentlich!
( Pause )

OFFIZIER ( entschlossen ): Und was, wenn ihr den jetzt nicht findet?
( Pause )

ERSTER ( ruhig ): Ein Hexer, Herr! – Da sieht man nicht mehr weg!

ZWEITER ( belehrend ) : Die Pest, Herr, brachten auch die Juden!

OFFIZIER ( nickt, kühl ): Ich weiß, ihr seid auch nur der Knüppel, den ein andrer schwingt...

ZWEITER ( gereizt): Wenn ihr rechten wollt, mein Herr, um den ... – Macht das in Hofersfelden.

OFFIZIER ( beschwichtigend ) : Nein, nein! – Schon gut! – ( bedächtig ) Ich bin nur einfach nicht gewohnt, dass der Gehorsam den Befehl zu überholen trachtet.

ERSTER ( zögernd ): Wie meint Ihr das jetzt?
( Pause )

OFFIZIER ( ruhig ): Ich sage Euch, wie ich das sehe, Männer! – Ihr seid vom Inquisitor und der bezahlt euch auch für’s Menschenschinden. – ( sachlich ) Das ist in Ordnung, Männer. Keine Frage! Sonst macht es jemand anders. – Doch kenne ich die Bräuche! - Ihr kauft euch Zeugen wie den Bader, damit ihr wieder Arbeit habt und wieder Schindergeld bekommt. – Ich weiß, da seid ihr nicht die ersten! – Ich will auf etwas andres raus! – Ihr hättet folglich Geld verloren, an den Bader, bringt ihr den Juden nicht nach Hofersfelden. - Auch fehlt euch dann das Schindergeld. – Das gilt es beides zu ersetzen! Keine Frage!

ERSTER ( abwartend ): Er muss im Dorf sein, Herr...

OFFIZIER ( ruhig ): Der ist längst fort! – Kaum einen Tag nach diesem Bader. – Zurück, in diesen Fehrertann! –
( Pause )
Ein Goldstück, Männer! Jedem...! – Ihr wisst: Der Fehrertann ist tief.

ZWEITER ( ruhig ): Es hat so mancher seinen ‚guten’ Juden, Herr. Vielleicht ist das ja Eu-rer... – Doch Vorschrift ist, wir bringen ihn zu der gehörigen Befragung.

OFFIZIER ( trocken ): Was heißt, ihr brecht ihm auf dem Rad die Knochen und so 'geläutert’, wird er dann verbrannt.
( ZWEITER zuckt gleichgültig mit den Achseln )

ERSTER ( kühl ): Es wird nun mal geprüft, ob einer gut ist oder schlecht.

OFFIZIER ( nach Pause, ruhig ): Gefällt mir, Männer, wie Ihr eure Pflicht versteht.

ZWEITER ( verbindlich ) : Wir könnten allenfalls was machen, wie der stirbt. - Indem wir ihn erdrosseln, bevor man ihn verbrennt.

OFFIZIER ( schüttelt den Kopf ): Ihr müsst mich schon verstehen, Männer!
( er holt 4 Goldstücke hervor und legt sie einzeln vor sich hin )
– Ich lege noch ein Goldstück zu für jeden! – Ihr streift dann durch den Fehrertann und sagt, ihr habt ihn nicht gefunden.
( Bewaffnete sehen sich an. ZWEITER nickt zustimmend )

ERSTER ( zögernd zu ZWEITER ): Nun ja. - Fort ist er ja, wie wir jetzt hören ...

ZWEITER ( abwägend ) : Die Bauern haben ihn dort auch gefunden! – Willst Du aufs Rad, für einen Hexer?

OFFIZIER ( schnell ): Da hat man euch belogen! - Der Alte kam hier selbst vorbei! – Ihr würdet den nicht finden! - Und noch eins, Männer: Eurem Herrn sagt von mir Dank, dass er das Land vor Zauberei bewahrt! – Und sollte ich den Juden nochmals sehen, bekommt er ihn durch mich. – Gebt das so weiter!
( Die Bewaffneten sehen sich kurz an. OFFIZIER gibt ihnen die Goldstücke)
- ( mit leiser Drohung ) Ihr seid bei mir im Wort! – Wenn ihr es brecht... – Ich lass’ euch töten!

ERSTER ( unbeirrt, nickt ): Wir tun nur uns’re Pflicht.

OFFIZIER( zufrieden ): Gut denn! - - Ich danke Euch, dass wir das so vernünftig regeln konnten.
( Bewaffnete nicken sich zu und wollen abgehen )

 

 


2.Akt
15.Szene

Vorige. MICHAEL und KARL kommen herein. Beide ziehen sofort die Waffen.

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OFFIZIER: Halt! – Die Heilige Inquisition!

MICHAEL ( verächtlich ): Die Kerle mag ich auch nicht! – Die beten die besond’re Art! –
( scharf zu den Bewaffneten ) Was habt ihr hier zu schaffen?

OFFIZIER: Lass sie in Ruhe, Michael! – Die Sache ist erledigt!

ZWEITER ( drohend ): Stellst’ Du Dich gegen uns, bist Du ein Ketzer!

KARL ( legt MICHAEL beschwichtigend die Hand auf den Arm) : Es ist erledigt, Michael!
( MICHAEL steckt die Waffe gleichfalls wieder ein, bleibt aber misstrauisch )

ERSTER ( spöttisch zu OFFIZIER ): Ihr habt da aufgeregte Leute, Herr. - Nur gut, dass Ihr ein kühler Kopf! – Wir gehen dann. - Gott mit Euch, werte Herren!
( Bewaffnete ab )

 

 

2.Akt
16. Szene

Vorige.

__________________________

 

MICHAEL ( misstrauisch hinterher ): Was wollten diese Henkersknechte?

OFFIZIER ( erschöpft ): Den alten Mann! – Doch es ist vorerst abgewendet.

KARL ( erstaunt): Unsern Alten?

OFFIZIER ( beiläufig ) : Ein Jude ... Weiter nichts. - Der sich nicht nach Vorschrift kleidet und trotzdem hier geholfen hat. - Der Bader... der mal hier war ...hat ihn an die verkauft. – Ihr wisst ja, was die daraus machen.

MICHAEL ( aufgebracht ): Mir scheiß egal, als was wer mal geboren wurde... und wo und wie und was wer betet! Mir zählt, ob einer etwas taugt! – ( feindselig ) Wenn sich die zwei den Alten greifen, schlitz ich sie auf bis an den Arsch!

OFFIZIER ( lacht ): Ich habe sie bezahlt. Die ziehen erst mal wieder ab.

MICHAEL ( plötzlich, besorgt ) : Und wenn die sich den heimlich holen?

KARL ( besorgt ): Selbst wenn Ihr die bezahlt habt ... - Die lassen sich den Schinderlohn doch nicht entgehen!

MICHAEL ( knapp ) : Entschuldigt, Herr! – ( überprüft hastig seine Waffen ) Wir sollten wohl die zwei ein Stück des Wegs begleiten. – Wir kommen danach gleich zurück!
( OFFIZIER nickt und sinkt erschöpft zurück )
( KARL und MICHAEL eilig ab )

 

 

2.Akt
17.Szene

Voriger.

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GRETE kommt herein, mit einem Becher in der Hand, den sie OFFIZIER gibt.

OFFIZIER (erschöpft ): Frisches Wasser? – Das tut gut. - Ich danke Dir. ( Er trinkt )

GRETE ( himmelt ihn etwas an ) : Ich war für Euch am Brunnen, Herr. - Das Wasser hier war schaal geworden.

OFFIZIER ( achtlos ) : Sehr aufmerksam von Dir. – Doch sag’: Hast Du den alten Mann ge-sehen?

GRETE: Nein!

OFFIZIER ( drängend ): Dann geh’ ihn suchen, Grete! Schnell! – Er soll sich irgendwo verstecken! - Bis ich ihn wieder holen lasse.

GRETE ( aufgeregt, unverständig ): Die Mutter suchte auch nach ihm. – Ich weiß nur nicht, warum.

OFFIZIER: Zwei Männer sind im Dorf ... – ( verächtlich ) Fürstpröbstliches Gesindel...

GRETE ( erschreckt ) : Die zwei, die vorhin bei Euch waren? – Die gingen runter an den Bach.

OFFIZIER: Hast Du sie mit jemand reden sehen?

GRETE: Nein, Herr! – Nur leise, miteinander...

OFFIZIER ( beunruhigt ): Meine Männer sind den beiden nach. – ( nachdenklich ) Das kommt dann wohl in Ordnung.

GRETE ( beruhigend ): Die Mutter muss davon erfahren haben. – Soll ich jetzt trotzdem ge-hen, Herr?
( OFFIZIER winkt ab ) ( GRETE arbeitet etwas im Raum )

OFFIZIER ( irgendwann, müde ) : Du hast sehr viel für mich getan, die letzten Tage.

GRETE ( verlegen ): Da täuscht Ihr Euch, mein werter Herr.

OFFIZIER ( beharrt ) : Wenn ich erwachte, war immer jemand da. - Mal Deine Mutter, mal der Alte... - Oder Du!

GRETE: ( unsicher ): Wir sind so sehr in Eurer Schuld!

OFFIZIER ( lächelt müde ): So selbstlos war das nicht, mein Kind. – – Warst Du denn auch in dieser Höhle?

GRETE: Ich verstehe nicht...

OFFIZIER: Das Landvolk floh zu einer Höhle...

GRETE: Ach ja, die Höhle...

OFFIZIER: Warst Du dabei?

GRETE: Nein, Herr! Zum Glück! - Ich war bei meiner Mutter, fort.... Im Wald.

OFFIZIER: Ach, jetzt versteh’ ich. – Da hast Du wirklich Glück gehabt. ( nebenbei, leise versonnen) So zartes Fleisch lockt viel Wölfe.

GRETE: Ich versteh’ Euch nicht...

OFFIZIER: Ach, weiter nichts ...
( Pause )

GRETE ( schüchtern neugierig ) : Seid Ihr denn gern Soldat, mein Herr?

OFFIZIER ( müde ): Mit Leib und Seele. - Wir sorgen für den Fortbestand des Reiches. –
( mehr für sich ) Nur macht der jahrelange Krieg das Land zu einem Sumpf aus Blut und Trä-nen... aus dem die Ehre längst geflohen ist.
( GRETE sieht ihn ratlos an. OFFIZIER lächelt sie an )
Du bist noch viel zu jung, um schon den Schmerz zu fühlen, dass Dir Dein Leben seinen Traum verweigert.
( Pause )

GRETE ( zögernd ): Darf ich Euch etwas fragen, Herr?

OFFIZIER: Bitte.

GRETE: Die Mutter sagt, der Vater sei erschrocken, als er Euch vorgefunden hat. – Sie sagt, er kenne zwar den Ring, will aber nicht darüber sprechen. – Wie ist das zu erklären?

OFFIZIER ( verblüfft ): Der Ring? - Das ist das Erbe meines Vaters! – ( spöttisch ) Und wenn es Gott gefällt, geht der an meinen Sohn. - ( für sich, nebenbei ) Da braut sich vielleicht was zusammen. So mancher spannt sich so Geschwätz vor seinen Karren. – ( freundlich zu GRETE ) Ich muss das erst noch klären...

GRETE ( unsicher ) : Oh! – Hätt’ ich besser nichts gesagt?

OFFIZIER ( beruhigend ): Nein, Grete. Ist schon gut.

 


2.Akt
18.Szene

Vorige. HÖLZEBAUER, FRIEDBAUER, FRANZ und WAGNER kommen herein. HÖLZEBAUER winkt GRETE zu, den Raum zu verlassen. GRETE ab.

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HÖLZEBAUER ( förmlich ): Wir würden Euch gern sprechen, Herr.

OFFIZIER: Also dann...

HÖLZEBAUER: Es geht um unsern Anteil an der Beute, Herr.

OFFIZIER ( erstaunt ): Uns’re Beute, Bauernmeister! – Was wollt denn ihr mit Pferden, Waffen? – Marodieren?

FRIEDBAUER ( steht finster blickend etwas abseits, nebenbei ): Da sieht man’s wieder! – Ob Herr ob Hund: Das Pack frisst sich hier durch und hält uns dafür dann für dumm!

HÖLZEBAUER: Ihr werdet es vielleicht nicht wissen, weil Ihr hier Tage lang wie tot gelegen seid. – Doch elf Familien sind betroffen! – Tote und Verletzte... – Doch Feldarbeit ist jetzt zu tun und wer nicht auf den Acker kann, bleibt im Winter ohne Brot!

FRIEDBAUER ( nachdrücklich ) : Andern ist die Scheune abgebrannt! Wir haben nichts zum Leben!

OFFIZIER ( ruhig ): Not gibt es überall. – Wir haben’s nicht verschuldet.

FRANZ ( aufbegehrend ) : So geht das aber nicht!

OFFIZIER ( scharf ): Ihr habt hier nichts zu fordern! – Zehn meiner Leute sind gefallen! – Auch da sind Mäuler satt zu machen!

FRIEDBAUER ( nebenbei, aufgebracht): Der lässt uns seine Stiefel lecken, die wir zuvor bezahlen müssen!

WAGNER ( beharrlich ) : Vier jedenfalls sind tot von uns! Die anderen teils schwer verletzt!

OFFIZIER ( ungehalten ) : Rechnen wir jetzt Tote auf?

WAGNER ( trotzig ) : Wenn wir Euch nicht geholfen hätten, Herr, wärt auch Ihr gefallen!

OFFIZIER ( wütend ): Es wagte keiner, diesen Schweden Widerstand zu leisten! - Bis wir attackierten! – Was ihr jetzt noch besitzt, habt ihr meinen Männern zu verdanken! - Wo also Not entstand, müsst ihr sie selber lindern!

FRANZ ( gereizt ) : Wir haben unsern Preis bezahlt!

OFFIZIER ( höhnisch zu ihm ): Du kennst Dich in der Kriegskunst aus? – Hol’ Dir Dein Handgeld, Mann! So Köpfe brauchen wir Soldaten!

WAGNER ( aufbegehrend ) : Ist das nicht einen Anteil wert?

HÖLZEBAUER ( eindringlich ): Versteht doch, Herr...

OFFIZIER ( kalt ): Ihr müsst verstehen, Bauer! – ( milder ) So ist nun mal das Kriegsrecht, Leute!

WAGNER ( empört zu den anderen): Da seht ihr’s wieder mal: Wir zahlen stets Tribut! Im Frieden nimmt’s der Fürstprobst, im Kriege die Soldaten! - Und gebt ihr nicht, schlägt irgendwer uns tot! – (hasserfüllt zu OFFIZIER ) Für Arme, Herr, ist immer Krieg! Und Euer Kriegsrecht so gemein, wie Euer Recht im Frieden!

OFFIZIER ( schreit ihn an ): Kerl! - Wíe redest Du mit mir?

HÖLZEBAUER ( beschwichtigend halblaut zu WAGNER ): Halt doch Dein Maul! - Verdirbst nur alles! – ( zu OFFIZIER ) Entschuldigt bitte seine Art. Das alles lastet sehr auf uns.

OFFIZIER ( nach kurzer Pause, ruhiger ): Ich bin ein kriegserfahr’ner Mann, war aber nie ein Feind der Bauern. – Ich weiß, ihr habt uns sehr geholfen! Keine Frage. – - Das will ich daher anerkennen... – Wenn ich mich auch für einen rechne, so wie sie... – Dann sind es dreizehn gleiche Teile. – Je einen Teil an uns drei, je einen den Familien unsrer Toten. - Da kommen fünf bis sechs zusammen! – Der Rest danach an Euch!

HÖLZEBAUER ( beeindruckt ): Ein gut gemeintes Angebot...

FRIEDBAUER ( aufbegehrend ): Reicht doch nicht weit! – Für elf Familien...?

( HÖLZEBAUER will was sagen )

OFFIZIER ( ruhig zu FRIEDBAUER): Wenn ich Dir rate, nicht zu viel zu wollen, Bauer, so weiß ich, was ich rede. – Denn was geschieht, wenn ihr Soldaten um die Beute prellt? – Es kommen andre, sie euch abzujagen! – Zu viele leben heut’ vom Krieg!

WAGNER ( verbissen): Wir werden uns zu wehren wissen!

OFFIZIER ( nachsichtig ): Ich zweifle nicht an Deinem Mut! Ich hab’ euch kämpfen sehen! - Doch manchem der Soldaten liegt’s im Blut zu töten und wenn es sein muss, auch dafür zu sterben. – (eindringlich ) Für die ist das nicht nur Beruf! - - So Kerlen seid ihr nicht gewachsen!

FRIEDBAUER ( böse ): Mit Eurem Rat droht Ihr uns doch!

HÖLZEBAUER ( nachdenklich ): Ihr habt da sicher recht ...

WAGNER ( wütend zu ihm ): Der macht Dich doch durch Angst gefügig, Bauernmeister!

OFFIZIER ( versöhnlich zu WAGNER): Nicht gefügig! - Ich bring euch dadurch zur Vernunft! - ( zu HÖLZEBAUER ) Du bist der Bauernmeister? – Berede es mit Deinen Leuten!– Mir liegt daran, das jetzt im Guten abzuklären. ( deutet auf WAGNER ) Und hütet euch vor solcher Hitze!
( HÖLZEBAUER nickt )
- Mit meiner Hilfe wird sich das dann gut verkaufen lassen, bei der Truppe... - Und danach wird geteilt.

WAGNER ( missmutig ): Ich zweif’le Herr, dass es so geht. – Und ...bei allem schuldigen Respekt ... die Zweifel habt Ihr sicher auch!

OFFIZIER ( fest ) : Nein! So muss es sein! – Dragonerpferde! Waffen! - Wem könntet ihr die sonst verkaufen?

HÖLZEBAUER ( entschlossen ): Ihr müsst das für uns regeln! - (zu den anderen ) Die Sa-che ist besprochen! Gehen wir. – ( zu OFFIZIER ) Wir dürfen uns dann wieder melden, Herr...

OFFIZIER: Selbstverständlich.
( Bauern ab )

 

 

 


2.Akt
19.Szene

Voriger.

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OFFIZIER ( zu sich selbst ): Die Lunte scheint mir noch zu glimmen. – Ich nahm sie anfangs wohl nicht ernst genug! Sonst hätten die das nie gewagt! – ( gelassen ) Zwei Seiten einer Münze. – ( entschlossen ) Doch eine kann nur oben liegen.

 

 


VORHANG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Akt

 

 

 

3.Akt
1.Szene

OFFIZIER in einem Stuhl. BRENNERIN tritt ein.

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BRENNERIN ( vorsichtig ): Richtknechte waren hier. – Vom Fürstprobst, wie ich hörte.

OFFIZIER ( lächelt ): Du weißt gewiss schon mehr als ich! – Ist er in Sicherheit?

BRENNERIN ( zögert, nickt ): Ein Jude, Herr!

OFFIZIER (gleichgültig ): Und? – Mensch muss er sein!

BRENNERIN: Doch hielten alle ihn ...

OFFIZIER ( nachdrücklich ) : ... für einen Mönch! - Ich wünschte, öfters so getäuscht zu wer-den.

BRENNERIN ( unsicher ): So meinte ich das nicht.

OFFIZIER ( gutmütig ): Die Heilige Inquisition.... – Ich kenne Deine Ängste, Frau! – ( nach-drücklich ) Wenn es Dir hilft: Verleugne ihn. - Nur solltest Du ihn nicht verraten! - ( zitiert spöttisch ) Und über eine kleine Weile traten hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich Du bist auch einer von denen, denn Deine Sprache verrät Dich. Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht.

BRENNERIN ( steif ): Ihr macht Euch wieder lustig, Herr.

OFFIZIER ( freundlich): Brennerin! Gebrauche den Verstand!

BRENNERIN ( aufgebracht): – Die Juden sind nun mal nicht so wie wir!

OFFIZIER : Ich bitte Dich! – Euch wärmt der Pfaffe doch nur stets die gleiche Suppe!

BRENNERIN ( abweisend ) : Ich stehe fest im Glauben, Herr! - ( sieht ihn unverständig an ) Die Heilige Inquisition! - Macht die Euch keine Angst?

OFFIZIER ( geringschätzig): Mir? – Wir kämpfen für sie um die Macht! – Mir geht die nicht ans Leder!

BRENNERIN ( steif ): Ihr kämpft mit Worten, wie mit Eurer Waffe, Herr!
( Pause ) ( nimmt ihre Arbeit auf ) – ( beiläufig, mehr für sich ) Ihr könnt Euch vieles leisten. - ( seufzt, dann laut ) Als Witfrau hab ich manchen Hochmut zu ertragen. - Könnt Ihr glauben. – ( gewollt heiter ) Ich helfe mir auf meine Weise... – Lass meinen Stolz zu Hause! - ( bitter, mehr für sich ) Stiehlt ihn dir keiner... - ( nach einer Pause, sachlich ) Er sollte aber baldigst weg! - So mancher wird es nicht verzeihen, ihm Dankbarkeit gezeigt zu haben.

OFFIZIER ( nickt ): Der ist im Fehrertann auch nicht mehr sicher! – Ich nehm’ ihn besser mit.
- ( nachdenklich ) Was ich mir nicht erklären kann .. Die Bauern haben nichts erwähnt, von diesen Schergen...

BRENNERIN ( winkt ab ): Nichts sehen und nichts hören, wenn es um andre geht ... - Die dachten sich schon, wie Ihr zu ihm steht

 

 

 


3.Akt
2.Szene


Vorige. GRETE kommt herein.

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GRETE ( ruhig ) : Vielleicht ist es ja auch nicht wichtig, Mutter... – Es haben sich noch mehr bewaffnet.

OFFIZIER ( beunruhigt ): Landvolk...?

GRETE ( wichtig ) : Ihr solltet die mal sehen, Herr...
( BRENNERIN sieht OFFIZIER fragend an )

OFFIZIER ( nach kurzer Pause, geringschätzig): Nach so was steigen immer Wichtigtuer auf den Mist und krähen wie die Hähne. – Das geht vorbei, dass die so ihr Gefieder plustern.

BRENNERIN ( wütend ): Nehmt sie nur noch in Schutz!
( OFFIZIER verblüfft )
Und wenn die uns ins Unglück stürzen, Herr? – Kriege, heißt es, seien Männersache! – Die Männer kämpfen aber bloß! – Und selbst, wenn sie verloren haben, als Krüppel umeinandersteh’n, tun manche sich noch weiter wichtig! - Mit Erinnerung und Ehrenzeichen...

OFFIZIER (entschuldigend ): Ich wollte es doch nur erklären...

BRENNERIN ( wütend) : In Wirklichkeit trifft uns der Krieg! - Nur Weiber seht ihr weinen, Herr! Um einen Mann, die Kinder... ( bitter ) nicht selten um sich selbst. – - ( wütend ) Deshalb fragt uns ja auch vorher keiner! Weil wir das nämlich nicht so wollen! – ( beginnt zu weinen )
( Pause )
BRENNERIN ( verlegen, wischt sich ihre Tränen ab ): Entschuldigt, Herr.

OFFIZIER ( unsicher ) : Nein, nein... So Unrecht hast Du nicht ...

BRENNERIN ( mühsam beherrscht ): Es ist doch so! - Ein dummes Wort, nur eine Geste, schon schlägt das dumme Mannsvolk los. – Und haben die erst Waffen. - - ( gefasst ) Doch Euch, Herr, jetzt doch eine Warnung! - Zwei der Verletzten... ( zu GRETE ) der Erich und der Hans ... geht es schlecht! Die nahmen unsre Warnung auch nicht ernst. - Dem einen ist der Bruch verschoben, der andre blutet aus dem Bauch. – ( deutet auf den Stuhl ) Haltet Ihr Euch wenigstens zurück!

OFFIZIER ( bedauernd): Ich habe keine Wahl, Brennerin! Es gilt, ins Speichenrad zu greifen, b e v o r der Wagen abwärts rollt.

BRENNERIN ( nickt müde, geht zur Türe ): Ich hör’ mich dann mal um, bei unsren Leuten.

OFFIZIER ( nachrufend ) : Und schicke mir den alten Mann! Hier ist er sicher. – ( spöttisch, mehr für sich) Noch, hoffe ich, verschafft mein Stand mir nötigen Respekt! ( GRETE sieht ihn verständnislos an )

 

 


3.Akt
3.Szene

ALTER MANN müde am Tisch. OFFIZIER.

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OFFIZIER ( freundlich ) : Du bist Jude, wie ich höre.

ALTER MANN ( müde ): Ich hätte es Euch sagen sollen...

OFFIZIER ( gelassen ): Nicht von Belang! - - Der Bader nannte Dich in Hofersfelden. – Was habt ihr miteinander? - - Erzähle mir von Dir.

ALTER MANN ( hilflos ) : Was soll ich sagen, Herr. – ( gefasst ) Ich war ein wirklich reicher Jude, könnt’ man sagen. – Deshalb kennt mich wohl der Bader. - So einer kommt viel rum. Auch bei uns Juden.

OFFIZIER: Und weshalb gingst Du in den Wald? – Mal wieder ein Pogrom...?

ALTER MANN ( bitter ): Verfolgung? - Nein! – Die hat es immer schon gegeben. -– Mit so was lernten Juden zu leben, seitdem sie euch das Christentum gebracht und nicht von ihrem Glauben ließen.

OFFIZIER: Ihr meint, es geht nicht um den Glauben, sondern Macht...?

ALTER MANN ( bitter ) : Ging es schon jemals nicht darum? – So lange Religion ein Volk beherrschbar macht, wird Religion von Macht beherrscht! – Wer sich dem dann nicht unterwirft, den werden beide töten!

OFFIZIER (nickt nachdenklich): Wir kämpfen auch nur um die Macht! - Der Kaiser betet zwar katholisch, doch wär’ er Jude oder Lutheraner... Es ging genau so hitzig um die Macht!
( Pause )
Doch warum dann?

ALTER MANN ( atmet tief durch, dann gefasst ): Nach einer Schlacht suchten Kaiserliche einen Offizier der Schweden. - Bei uns. In meiner Stadt... – Sie fanden ihn dann, schwer verletzt, bei meiner Tochter. – ( mühsam ) Es war Verrat zu helfen...

OFFIZIER ( betroffen, zögernd ): Ein Exempel wurde statuiert?

ALTER MANN ( nickt, mühsam ): In einem Sack ertränkt! – Wie ihren Mann... - Und ihre Kinder.
( Pause )
( leise ) Ich wollte es dort lassen. – Jetzt holt es mich wohl wieder ein.

OFFIZIER ( behutsam, mehr für sich ): Wie ich die Menschen kenne, galt dieses Blutgericht wohl Euch... - Ihr wart doch reich! – Da hatte sich der Neid mal wieder was gefunden.
( ALTER MANN schweigt bekümmert.) ( Pause )
- ( unverständig ) Du wolltest niemals Rache?

ALTER MANN ( schüttelt langsam den Kopf ) : Aug’ um Auge, Zahn um Zahn... - Das war nie meine Art zu denken.

OFFIZIER ( verständnislos ) : Ich könnte so was nicht! – ( betroffen ) Mir fällt es schwer, von der Erziehung frei zu kommen. - Ich bin wie alle andern. – ( unverständig ) Es waren Eure Kinder, Herr! – Gesackt! - Von meinen Leuten! – Ein Exempel...

ALTER MANN ( in sich gekehrt ): Das war vor Eurer Zeit als Kriegsherr, Hauptmann. - Längst vorbei, wenn niemand das Vergessen lüftet. – ( OFFIZIER schüttelt energisch den Kopf, will etwas sagen ) Bedenkt: Das Schicksal hat noch niemand auferlegt, sich seinen Kummer
ewig zu bewahren. Es trennt uns auch von solchen Fragen.
( OFFIZIER sieht ihn nachdenklich an ) ( ALTER MANN mehr für sich )
Der Offizier, der das Kommando hatte, hat damals nach Gesetz gehandelt. - - Das macht es mir nicht leichter, Herr, doch es erklärt Euch vielleicht manches.

OFFIZIER ( zögernd ): Und hängt das mit dem Ring zusammen? – Ihr sollt erschrocken sein, als Ihr den bei mir saht.

ALTER MANN ( erschrickt, nach kurzer Pause aber bedächtig ): Ich bin ein Sonderling. Ein alter Narr für manche Leute. – Gebt nichts auf solche Worte.

OFFIZIER ( schüttelt den Kopf, freundlich ): Ihr weicht mir aus, mein Herr!

ALTER MANN ( verlegen ): Mag sein, dass ich für Augenblicke wähnte, Euren Ring zu ken-nen, Herr... - Doch das Geschlecht ist weit verbreitet! Wohl mancher trägt das gleiche Wappen. – ( als er OFFIZIER zögern sieht) Ich küsste einen Ring! - In Tränen und auf Knien! – Wer weiß, was ich gesehen habe, Herr? – ( freundlich ) Ich sage doch: Ich klage niemand an. – Werft mir nicht vor, dass mich Erinnerung befiel ...

OFFIZIER ( zögernd ): Ich will nicht weiter in Euch dringen, Herr. Ihr habt Euch über die Vergangenheit erhoben. – ( ernst ) Doch bitte schweigt darüber! Sonst züngelt das gefährlich fort. – Die Stimmung hier ist aufgeladen. – Mit Namen, Titel ist zwar Einfalt zu beherrschen, doch lange schützt so Blendwerk nicht. ( ALTER MANN nickt zustimmend ) – Und noch ein’s, werter Herr. - Ich nehm’ Euch mit! - Hier seid Ihr nicht mehr sicher. Auch nicht in Eurem Wald! – Ich habe es nur aufgeschoben! – Wo Ihr dann wünscht, verlasst Ihr uns.

ALTER MANN ( erleichtert ): Da bin ich Euch verbunden, Herr.

OFFIZIER ( trocken ): Rührt schon mal einer selbstlos seine Finger ... - Kämt Ihr auf’s Rad, mein Herr, wäre alles, was Ihr hier getan, zu Eurem Nachteil ausgefallen. – So mancher sähe sich da noch bestätigt!

ALTER MANN ( sorgenvoll ): Bringt Euch nicht selber in Gefahr, mein Herr...

OFFIZIER ( macht eine wegwerfend Bewegung, danach sachlich ) : Doch etwas anderes! - Ihr seid gewiss dann auch des Schreibens mächtig. Nicht?
( ALTER MANN nickt ) ( OFFIZIER seufzt )
Hätte ich das nur gewusst! – Ein Brief ...zu meinem Hauptquartier! – Sucht mir auch bitte jemand, der ihn dann besorgt. – Er muss genau nach Norden! Inzwischen wohl zwei Tage nur. Dort wird er auf die Vorhut treffen. – Er zeigt den Brief und jemand führt ihn dann zum General!

ALTER MANN ( nickt ) : Ihr müsstet nur diktieren.

OFFIZIER ( erleichtert ) : Ich danke Euch, mein Herr. - Doch, bitte, gebt mir zuvor noch von dem Trank.
( ALTER MANN nickt und holt Tropfen, die er in den Krug gibt
- ( OFFIZIER inzwischen nachdenklich ) Schwächen, die noch nichts bedeuten, vermitteln ein Gefühl von ihm. – Doch wenn der Tod sich wirklich nähert, erahnen wir es meistens nicht.

ALTER MANN ( lächelt ): Das Sein verliert sich, nicht die Seele! – Für sie ist eine Prüfung abgeschlossen. Weiter nichts. – Der Tod dabei ist stummer Diener, ein Helfer, der vor Gott geleitet...
( ALTER MANN greift sich dabei Feder und Papier ) ( Pause )

OFFIZIER ( sammelt sich, plötzlich hart ) Zum Teufel auch! Ich will das wissen! – Ihr müsst doch einen Namen kennen!
( ALTER MANN schweigt ) ( OFFIZIER packt ihn erst hart am Arm, dann fast bittend )
Sagt es! Ohne Angst!

ALTER MANN ( schließlich entspannt ) : Der Offizier war Euer Ebenbild.

OFFIZIER ( lacht bitter auf ): Ein harter Mann. Fürwahr! – ( bewundernd ) Und trotzdem gebt ihr mir! (zitiert, mit heiserer Stimme ) Er betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorüber gehe, ich trinke ihn denn. So geschehe Dein Wille.
(Pause )
- ( berührt den Arm des ALTEN MANNES, freundlich) Ich danke Euch von ganzem Herzen, Herr.

 

 


3.Akt
4.Szene

Vorige. Nach Klopfen tritt HÖLZEBAUER unaufgefordert ein.

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HÖLZEBAUER ( wichtig ): Ich komme wegen Eurer Männer, Herr ( zu ALTER MANN ) Du, Jude, gehst hinaus!

ALTER MANN (kommt OFFIZIER zuvor ): Ich komme später wieder, Herr.
( geht ab )

 

 

3.Akt
5.Szene

Vorige.

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OFFIZIER ( kühl ): Nun ...

HÖLZEBAUER ( wichtig ): Sie planen Euren Tod und wollen danach in die Wälder! – Uns dann von dort aus überfallen!

OFFIZIER ( lacht ): Wer kommt auf solchen Unsinn, Mann?

HÖLZEBAUER ( steif ) : Ein Zeuge hat die zwei belauscht!

OFFIZIER ( scharf ): D e n bring mir her! - Nicht die Verdächtigung!

HÖLZEBAUER ( überlegen ): Genügt Euch nicht, dass wir Euch warnen?

OFFIZIER ( verächtlich ): Und wäre es die Wahrheit, Bauer ... – Der Landsknecht träumt von reicher Beute, vom Siegen und Gelagen. – So ist nun mal die Zeit! - Die Wirklichkeit sieht anders aus! - Die beiden aber kennen sie!

HÖLZEBAUER ( kühl ) : Das haben wir gehört ...

OFFIZIER ( geringschätzig ): Die führten große Reden, um einem Lauscher Angst zu machen! – (scharf) Schluss damit. - Wenn Du es wagst, bring mir die beiden! - Dann wiederhole, was Du weißt!

HÖLZEBAUER ( unwillig ): Die würden Euch doch nichts gestehen! – ( gleichgültig ) Wir dachten jedenfalls, Ihr sollt es wissen! – Und dass wir Euch beschützen werden...
( Pause )

OFFIZIER ( nachdrücklich ): Von mir droht euch erst recht Gefahr, wenn ihr die zwei ermordet!

HÖLZEBAUER ( verächtlich ): Zwei solche Galgenvögel...

OFFIZIER ( wütend ): Sie sind mir anvertraut!

HÖLZEBAUER ( aufgebracht ) : Die gehen selber davon aus, dass Ihr sie hängen lasst, wenn sie uns plündern! – ( nachdrücklich ) Deshalb seid Ihr denen ja im Weg!

OFFIZIER ( sieht ihn zunächst böse an, schüttelt dann den Kopf ): Schon weil es Zeugen gibt! – (erklärend ) Man würde sie zu Tode hetzen! - Sonst wär’ die Disziplin beim Teufel!

HÖLZEBAUER ( zögernd ): Das seht I h r so, Herr...

OFFIZIER ( gelassen ): Selbst wenn ich friedlich sterbe, Bauer, müssen die zurück zu ihrer Truppe. – Sonst machen Uns’re Jagd auf sie! – Du siehst, ihr spinnt euch was zusammen!
( HÖLZEBAUER schweigt ) ( OFFIZIER gereizt )
Wer wird sie töten? – Du?

HÖLZEBAUER ( steif ): Wir bringen Euch zu Eurem Heer. – Lassen Euch die ganze Beute, wenn Ihr wollt...
( Pause )

OFFIZIER ( böse ): Du versucht uns aufzuspalten! – Ihr wollt sie töten... Mit meiner Rückendeckung! – Damit wir neu verteilen können! - Und hofft dabei auf meinen Dank! Das ist es also! – ( gereizt ) Und ihr Gesindel stellt euch über meine Leute! - ( wütend ) Wer bin ich, dass Du wagst, mir solchen Handel anzutragen...?

HÖLZEBAUER ( halbherzig ): So ist das ja nun nicht...

OFFIZIER ( verächtlich ): Noch heute Mittag war der Anteil euch zu wenig! – Wollt ihr jetzt plötzlich gar nichts mehr?

HÖLZEBAUER ( unsicher ) : Nur, was Ihr geben wollt ...

OFFIZIER ( scharf ): Mehr würdet ihr auch nie bekommen!

HÖLZEBAUER ( kleinlaut ): Ihr glaubt mir nicht, mit Euren Männern, Herr! – Doch sollte es so kommen und die sind in den Wäldern ... Die vielen Pferde, diese Waffen , dann ist das Zeug für uns gefährlich! – Ob Kaiserlicher oder Schwede... Jeder würde Rache an uns nehmen, wenn einer denkt, w i r hätten Euch erschlagen!

OFFIZIER ( unverständig ): Euch treibt die Angst schon wunderliche Blüten ...

HÖLZEBAUER ( achselzuckend ): Angst hatte immer eig’ne Regeln...

OFFIZIER ( trocken ): Wie das Geld. Ich weiß. – Und wo die zwei zusammentreffen...
- (sieht HÖLZEBAUER vorher prüfend an ) In ein paar Tagen zieht mein Heer hier durch.

HÖLZEBAUER ( verblüfft ):Das sagt Ihr doch nur so!

OFFIZIER ( kühl ): Die Schweden waren kein versprengter Haufen! – Mein Auftrag war, sie abzufangen! - Uns folgt inzwischen uns’re Hauptmacht nach. – ( spöttisch ) Ihr lasst uns also besser leben! Alle drei! - Soldaten nehmen’s gründlich mit der Rache!

HÖLZEBAUER ( unruhig): Das glaubt, von uns, mir keiner...
( OFFIZIER zuckt mit den Achseln )
- ( aufgebracht) Da wären wir ja wieder angeschmiert!

OFFIZIER ( gelassen ): Ihr habt die Suppe selbst so angerührt... – ( entschieden ) Jetzt geh’ und sorge, dass meinen Männern nichts geschieht! – ( eindringlich ) Handelt ein Mal nach Vernunft! – (versöhnlicher ) Es bleibt bei meinem Wort, dass ich die Beute gut verteile.

HÖLZEBAUER ( eifrig ): Gewiss, Herr. ( Will abgehen )

OFFIZIER: Den alten Mann schick’ wieder rein...

HÖLZEBAUER ( erstaunt ): Den Saujud’, den verdammten? – ( überlegen ) Ihr solltet mit dem nichts zu schaffen haben, Herr! - Ich weiß, Ihr habt sie fortgeschickt...

OFFIZIER ( zischt ): Wenn ihr so feige seid, dass ihr ihm Dankbarkeit verweigert, Bauer, erstick’ ich euch in eurer Angst!

HÖLZEBAUER ( glatt ): Der Mann hat Zauberkraft in seinen Händen, Herr! – Ein guter Christ könnt’ so was nicht! Fragt doch den Pfarrer!

OFFIZIER ( kalt ): Der Alte bleibt mir ungeschoren! – Auch wenn Du glaubst, mich damit wieder in der Hand zu haben. – ( verächtlich ) Da zeigt sich wieder: Feigheit hat nicht immer was mit Angst zu tun. - ( scharf ) Und jetzt tue was für meine Leute!

HÖLZEBAUER ( kühl ): Wir wollten nur behilflich sein...
( HÖLZEBAUER eilig ab )

 

 

 


3.Akt
6.Szene

Voriger. ALTER MANN tritt kurz danach ein.

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OFFIZIER ( besorgt ): Was denkt Ihr... - Kann ich auf ein Pferd? – Wir müssen weg! - Sie auch!

ALTER MANN ( schüttelt den Kopf ): Das könnt Ihr nicht riskieren, Herr.

OFFIZIER ( aufgeregt ) : Das Landvolk stellt sich gegen uns!

ALTER MANN ( bekümmert ) : Es waren Euch nicht alle wohl gesonnen... – Einer forderte sogar von mir, ich solle der Natur mehr überlassen ... - Sie verstehen eben vieles nicht.

OFFIZIER ( ungehalten ): Deshalb sind sie so gefährlich! – Da gärt schon lange was im Kes-sel! - Das kann nicht mehr genießbar sein!

 

 

 

3.Akt.
7.Szene

Vorige. BRENNERIN eilt herein.

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BRENNERIN ( aufgeregt ): Sie wollen Euch ans Leben, Herr!

OFFIZIER (kurz betroffen ): Wann?

BRENNERIN: Sie hielt nur noch die Angst vor Euren Männern!

OFFIZIER ( unverständig ): Der Bauernmeister war soeben hier... - Die wollen mich sogar beschützen!

BRENNERIN ( eindringlich ): Ich weiß, wovon ich rede, Herr!

OFFIZIER ( zweifelnd ) : In ein paar Tagen sind doch meine Truppen hier!

BRENNERIN ( entgeistert): In unserm Tal?

ALTER MANN ( zweifelnd ): Das wissen die?

OFFIZIER: Ich hab’ es ihm gesagt!

BRENNERIN ( fahrig belehrend ): Ihr seid gewiss ein großer Herr, wo man den Kaiser ach-tet. – Doch, mit Respekt, hier glauben andere, dass sie das Sagen haben.

( Im Hintergrund fallen vier Schüsse )

- ( BRENNERIN aufgeregt ) Das galt jetzt Euren Männern, Herr! - ( zu ALTER MANN ) Ihr, ehrwürd’ger Vater, müsst mir helfen. - Rafft alles Nötige zusammen, was Ihr für seine Wunden braucht. – Ich packe Proviant für eine Woche ...

OFFIZIER ( hält sie am Arm fest, beschwichtigend ): Es wäre sinnlos, gute Frau.

BRENNERIN ( entschlossen ): Die Wälder hier sind günstig, Herr! - Ich kenne eine kleine Höhle! – Beim Morgengrauen wärt Ihr dort.
( Sie will sich vergeblich los machen)

OFFIZIER ( ruhig ) : Bist Du Dir nicht im klaren, was das für Dich bedeutet?
( lässt sie los )

BRENNERIN ( gezwungen ) : Kann ich denn Eure Pläne kennen, Herr? – Gebt mir ein Goldstück, wenn Ihr wollt. Das zeig’ ich als Entlohung....Als Ihr heut’ nacht gegangen seid. – Mir hättet Ihr gesagt, Ihr wollt zu Euren Truppen. – ( achselzuckend ) Und ich? Als Frau... Ihr wisst ja, wie die Männer denken ... versteh’ doch nichts von solchen Dingen!

OFFIZIER ( sieht sie anerkennend an ): Du wagst sehr viel!

BRENNERIN ( fest ): Viel hab’ ich nie besessen, Herr. Doch Werte gibt es auch für mich. Die opfert man nicht dumpfer Angst!

ALTER MANN ( besorgt ): Komm lieber mit! - Die könnten jemand strafen wollen, Brennerin!

BRENNERIN ( schüttelt den Kopf, fest ): Von Kindheit an leb’ ich jetzt hier. – Soll ich noch umeinander ziehen? – Und betteln vor den Kirchen?

OFFIZIER ( ruhig ): Für Dich gibt es noch anderes zu tun! Dafür sorge ich!

BRENNERIN ( entschlossen ): Ich tu’ kein Unrecht, Herr! Im Unrecht sind die andern! – Seid ohne Sorge: Ich weiß mich schon zu wehren, wenn einer dumme Sprüche macht.

ALTER MANN ( ernst ): Wer wagt, der Feigheit einen Spiegel vorzuhalten, gute Frau, wird meist besonders hart gestraft!

BRENNERIN ( verbissen ): Das wird sich zeigen.
( Pause )

OFFIZIER ( entschlossen ): Dein Tun will ich Dir gut belohnen! – Es darf nicht in so Bosheit untergehen!

BRENNERIN ( ruhig ): Nein! Bitte nicht! - Ihr wisst, wie Neider denken. – Besonders heut’, wo überall die Hexen brennen. - ( eilig ) Ich sehe mal nach Euren Männern.– Ihr, Vater, tut, worum ich Euch gebeten habe.
( ALTER MANN ab )

 

 

 

3.Akt.
8.Szene

Vorige. GRETE eilt herein. Hält BRENNERIN fest, als diese hinausgehen will

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GRETE ( ruft zu OFFIZIER ): Sie haben sie erschossen, Herr!

BRENNERIN: Also doch ....

GRETE: Es ging wohl um den frommen Vater. – Der Frieder, Mutter... Und der Wagner... - Die stritten sich mit denen. - Es kam zum Kampf. - Der Selmesbauer, der war auch dabei.

OFFIZIER ( ruhig ) : Du hast sie fallen sehen!

GRETE ( zögernd ): Das wieder nicht! - Der Streit zog sich die Mühltalgasse durch. Ich blieb zurück. - Und hörte dann nur Schreien. – Und die Schüsse...
( Pause )

OFFIZIER : Den Bauernmeister hast Du nicht gesehen?

GRETE ( schüttelt den Kopf ) : Doch! - Er kam auf all den Lärm herbei, ging aber sofort wie-der.

OFFIZIER ( nachdenklich): Schau an, der Fuchs... ( zu BRENNERIN ) Ich bitte Dich! Sieh nach, was mit den zwei geschah. - ( zu GRETE, weist in die Ecke zu seinen Waffen ) Und Du, Kind, bitte die Pistolen. – ( gelassen ) Die klären manchen auf, der glaubt, ein Held zu sein.
( GRETE folgt erschrocken der Anweisung )

 

 


3.Akt.
9 Szene

BRENNERIN trifft auf dem Weg HÖLZEBAUER.

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BRENNERIN ( dringt auf ihn ein ) : Was ist bloß los mit euch?

HÖLZEBAUER ( macht sich frei, ungehalten): Was willst Du?

BRENNERIN ( drängend): Die Schüsse, Hölzebauer! – Die Soldaten...

HÖLZEBAUER ( unwirsch ) : Hab’ nichts gesehen, Brennerin!

BRENNERIN ( aufgebracht ) : Du hast weggesehen, Hölzebauer!

HÖLZEBAUER ( wütend ): Werd’ mir nicht frech!

BRENNERIN ( herausfordernd ): Du hast doch hier das Sagen, Hölzebauer! Warum hältst Du die Unsern nicht zurück? - Muss es denn noch mehr Tote geben?

HÖLZEBAUER ( ärgerlich): Das geht Dich gar nichts an!

BRENNERIN ( wütend ): Du hast nur Angst, sie könnten Dich in Ungnad’ bringen, bei un-serm Fürstprobst! – Doch Du bist auch dem Falkenstein verpflichtet! - Schau also ja nicht weg, was die mit seinen Leuten machen!

HÖLZEBAUER ( böse ): Dann will ich D i r jetzt mal was sagen, Brennerin! – ( gehässig ) Mit diesem Hexer, diesem Juden, seist Du offenbar recht gut ... - Heißt es wenigstens, im Ort! – Das will man gleichfalls prüfen lassen.

BRENNERIN ( erschrocken ): Wer? – ( aufbegehrend ) Ich habe mir nichts vorzuwerfen!

HÖLZEBAUER ( von oben herab ): Wirst Du noch früh genug erfahren, Brennerin!

BRENNERIN ( empört ): Ich habe viel für euch getan!

HÖLZEBAUER ( gehässig ): Nur seltsam, dass Du nicht zu Hause warst, als diese Schweden kamen... Dem Hexer gabst Du zudem gleich Quartier ...

BRENNERIN ( unterbricht ängstlich, fasst HÖLZEBAUER flehend am Arm ): Dem Offizier doch auch! – Wir schlafen in der Scheuer, ich und die Grete! - Ich wusste doch auch gar nicht, wer der ist.

HÖLZEBAUER ( macht sich frei, überlegen ): Mit einem Hexer so vertraut ... - Es gibt Me-thoden, dies zu klären.
( Pause )

BRENNERIN ( böse): Du hast mich früher haben wollen, Hölzebauer. Kaum, dass der Mar-tin tot war. Damals ... – Und jedem ist das hier bekannt! - - Ist das jetzt Deine Rache? –
( plötzlich hasserfüllt ) Ich sag’ Dir, Hölzebauer: Wenn ich verbrenne, brennst Du mit! – Dann warst Du mir mein Hexenbuhle! Und jeder, schwör’ ich, wird es glauben! – Du weißt, Du bist nicht unumstritten...

HÖLZEBAUER ( zurückweichend ): Verdammte Schlange! - ( kleinlauter, aber drohend ) Komm’ mir nicht in die Quere, Brennerin! – Sonst, schwöre i c h, war es das letzte Mal!

BRENNERIN ( verächtlich ): Das Bett, Hölzebauer, hättest Du zu gern mit mir geteilt. – Doch meine Werte nicht! – Schon richtig, dass ich Dich nicht haben wollte!
( Pause ) ( beide beruhigen sich langsam )
– ( ruhig ) Doch lass es gut sein, Hölzebauer. Du verstehst mich nicht. - - Was ist jetzt, mit den Kaiserlichen?

HÖLZEBAUER ( ruhiger ): Ich weiß es wirklich nicht.– Geschossen wurde... - Wen das traf?
( zuckt mit den Achseln, dann leicht verlegen ) - - Hast vielleicht recht, Brennerin... - Ich wollte es auch gar nicht wissen.

BRENNERIN ( versöhnlich ): Du kannst eben auch nicht anders, Hölzebauer. – Doch diese Hexenreden... – Da denkst Du besser drüber nach ... - ( eindringlich) Hölzebauer! Allerorts zünden Lügen sich die Scheiterhaufen an... – Wir beide, Du und ich, müssen nicht die nächsten sein! – Auch weißt Du ganz genau: Ich war stets gottesfürchtig!

HÖLZEBAUER ( unbehaglich ): Ja, ja. – Ich werde das schon richten. – Wir brauchen Dich hier schließlich auch. - Halt Du Dich aber raus, aus allem! Sonst kann ich Dich nicht schüt-zen.

 

 


3.Akt
10.Szene

GRETE. OFFIZIER erschöpft auf seinem Lager. Die Pistolen neben sich. ALTER MANN tritt eilig ein, mit allerlei Bündeln.

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ALTER MANN ( atemlos ) : Der Bote ist jetzt weg.

OFFIZIER: Und? - Ist er zuverlässig?

ALTER MANN ( nickt ) : Hab’ es ihm so erklärt, wie ihr es wolltet. – Er braucht das Geld! – Wird sich den Botenlohn schon holen!

OFFIZIER: Dann bin ich ja beruhigt.
( Pause )

ALTER MANN ( aus dem Hintergrund ): Von Euren Männern weiß ich leider nichts. – Die Leute sind mir jetzt verschlossen. - ( bekümmert ) Dass es so weit gekommen ist... - Das wird für alle noch zur Niederlage...

OFFIZIER ( gelassen): So schlimm wird’s schon nicht werden. – Doch bleibt Ihr besser hier, im Haus! - Die Meute ist womöglich schon auf Jagd. – Ihr werdet sonst ihr nächstes Wild! –
( aufmunternd zu ALTER MANN ) Auch Trümmer bergen manchen Schatz! - Lasst jetzt den Kopf nicht hängen!

ALTER MANN ( hilflos ): Ich weiß nicht, was ich denken soll. Mich überrennt das plötzlich alles.

OFFIZIER ( fest ) : Es geht nun mal um mehr! - Nicht nur um Beute ...

ALTER MANN ( sorgenvoll ): Verfangt Euch bloß nicht noch darin, mein Herr. – Verdienst bringt niemand Zeitgewinn, geht es ans Sterben!

OFFIZIER ( ruhig ): Ich bin noch nie zurückgewichen.

ALTER MANN ( besorgt ) : Mein Alter weiß, wie sehr das Leben uns bestimmt. - Ihr wollt’ gewiss noch selbst entscheiden!

OFFIZIER ( lächelt, zitiert ): Mein Vater, ist es nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ich trinke ihn denn...

ALTER MANN ( verzagt ): Das 'Wie’ macht mir nur Angst...

GRETE ( angstvoll ): Kann niemand etwas tun? – Vielleicht die Mutter....?

OFFIZIER ( freundlich ) : Geh’ zu ihr, Grete! – Das ist gewiss das Beste!

( GRETE ab )

 

 

 

3.Akt
11.Szene

Vorige. HÖLZEBAUER tritt ein und schwenkt einen aufgebrochenen Brief.

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OFFIZIER ( mühsam beherrscht ): Du wagst es, meinen Brief zu öffnen?

HÖLZEBAUER ( überlegen ): So hab’ ich ihn bekommen. – Ich bring’ ihn nur zurück. – ( ver-halten wütend ) Ihr habt Soldaten angefordert! – Mich machtet Ihr noch glauben, dass wir einig seien!

OFFIZIER ( böse ): Das werde ich mir merken!

HÖLZEBAUER ( unbeeindruckt, höhnisch ) : Wozu wollt Ihr eigentlich noch die Eskorte, wenn jetzt doch Eure Hauptmacht kommt?

OFFIZIER ( kalt ) : Ihr schießt doch schon auf uns!

HÖLZEBAUER ( gelassen ): Genaues weiß ich jetzt noch nicht, doch was ich hörte, haben die geschossen! - ( deutet auf ALTER MANN ) Seinetwegen! – Wir wehrten nur den Angriff ab.

OFFIZIER : Wenn sie nicht tot sind, Bauernmeister ... – Wo sind die beiden dann ?

HÖLZEBAUER ( gleichgültig ): Werden sich verkrochen haben...! - ( schwenkt den Brief ) Ich denke nicht, dass Ihr gerecht bewertet, Herr! – ( nachdrücklich ) Schreibt wenigstens in diesem Punkte anders! – Nur diese zweite Seite... – Der Jude ist Euch ja zu Willen.
( Pause )

OFFIZIER ( wütend ): Der Brief bleibt, wie er ist!

HÖLZEBAUER ( vieldeutig ): Ich kann da keinen zwingen, Herr... - Ihr wisst, wie krank die Leute hier noch sind.

OFFIZIER ( wütend ): Ich h a t t e einen Boten! – Und geht der nicht, lass ich Dich hängen, Hölzebauer! – Ich habe hier Befehlsgewalt!

HÖLZEBAUER ( ruhig ): Nur weil wir überfallen wurden, Herr, gilt nicht das Kriegsrecht! – Ich halte mich daher an die Gesetze. - ( sieht dabei den ALTER MANN an ) Gerade in so Zeiten!

OFFIZIER ( fasst sich ) : Nun gut! - Auch Dir droht das hier aus der Hand zu gleiten – Doch wenn Du jetzt versagst, dann trifft es Dich mit voller Härte, Bauernmeister! – Ihr könnt mich schließlich nicht mehr töten! – ( lauernd ) Oder wollt ihr alle Zeugen niedermachen? – ( spöttisch ) Was anderswo ja auch schon war... – ( selbstbewusst ) Ich habe nur den besten Ruf, Bauernmeister! – Wenn ich nicht überlebe, geht hier mancher auf die Folter. - ( entschieden, böse ) Du kannst mir nur gehorchen!
( Pause )

HÖLZEBAUER (verunsichert ): Wärt ihr hier alle umgekommen und hätten wir die Schweden schließlich selbst erschlagen, so drohte uns dafür nun Folter?
( OFFIZIER sieht ihn an, zuckt dann mit den Achseln ) ( HÖLZEBAUER aufgebracht )
Ihr gebt Euch immer so! – In Wahrheit gilt Euch Leben nichts!

OFFIZIER ( deutet auf ALTER MANN, kalt ): Das seine schon! – Versteck’ ihn vor den Schergen! - Ich nehme ihn dann später mit.
( Pause )

HÖLZEBAUER ( zögernd ): Der Heiligen Inquisition darf niemand vorenthalten werden! – Ihr wisst, das wäre Ketzerei!

OFFIZIER ( kalt ): Ihr seid ihm zum Dank verpflichtet!

HÖLZEBAUER ( windet sich ): Gegen die Heilige Inquisition ...

OFFIZIER ( ruhig ): Ihr stellt euch gegen deren Schergen! Weiter nichts! – ( fest ) Doch Schluss damit! Ein klares Wort!

HÖLZEBAUER ( unbehaglich, deutet mit dem Kinn auf ALTER MANN ): Mir schien er auch ein braver Mann... – Half, ohne einen Lohn zu fordern...

OFFIZIER ( nickt ) : Na also! – Im übrigen hat auch das Fegefeuer hier auf Erden seinen Preis! – (auffordernd ) Was kostet so ein Mensch?

HÖLZEBAUER ( unsicher ): Macht das jetzt nicht zum Schacher, Herr! – Ich klage den doch gar nicht an! Ich diene nur der Obrigkeit...
( Pause )

OFFIZIER ( ruhig ): Hier hast Du fünf Goldstücke. Mehr habe ich jetzt nicht. - - Dafür bestellt Du noch den Brief!
( gibt HÖLZEBAUER 5 Goldstücke )

HÖLZEBAUER ( sieht sich hastig um ): Nun gut! – Ich nehme das auf meine Kappe. - ( halblaut zu ALTER MANN ) Du kommst zur Scheune an der Biegung. Unauffällig! – Weißt Du wo? ( ALTER MANN sieht erst hilfesuchend auf OFFIZIER, nickt dann )

 



3.Akt.
12.Szene

Vorige. MICHAEL taumelt blutüberströmt herein, den Degen in der Hand.
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MICHAEL ( grinst gequält ): Da staunt ihr! Was?

HÖLZEBAUER ( entgeistert ): Aber ...

( MICHAEL wendet sich jäh zu HÖLZEBAUER und tötet ihn mit einem Degenstoß,
während OFFIZIER zur Warnung in die Luft schießt )

OFFIZIER: Halt!

MICHAEL ( zufrieden ) : Erst muss ich mal die Bauernsau hier schlachten. - ( mit Genugtuung ) So kann der nicht mehr schaden, Herr!

OFFIZIER ( schreit ): Was tust Du, Kerl?

MICHAEL ( sinkt auf den Boden, mühsam ): Mir habt Ihr nichts mehr zu befehlen, Herr. – Tut mir fast selber leid... -– Wir hatten in die Luft geschossen und dachten, damit sei es dann vorbei. – Doch sind die hinterrücks gekommen! – Beim Karl ist es gelungen. – Ich nahm mir zwei noch mit! - Die andern sind geflohen!
( ALTER MANN beugt sich aufgeregt über MICHAEL, der aber freundlich abwehrt )
Verschwinde, Alterchen. – Die suchen Dich schon wieder.
( MICHAEL stirbt )

 

 


3.Akt.
13. Szene

Vorige. BRENNERIN und GRETE stürzen herein.

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BRENNERIN ( aufgelöst ): Sie kommen, Herr!

( sieht die Toten, erschrickt heftig. GRETE klammert sich an BRENNERIN ) ( Durch das Fenster sind die Lampen der heranrückenden Bauern zu sehen und Stimmen zu hören) ( GRETE sinkt auf die Knie und betet )

 

 


3.Akt
14.Szene

Vorige. Landbevölkerung drängt drohend herein. Stoßen dabei GRETE um. ALTER MANN weicht ängstlich zur Seite. OFFIZIER richtet beide Pistolen auf sie. Die Bauern zögern, weichen etwas zurück

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OFFIZIER ( schneidend ): Kommt zur Vernunft, Leute!

EINER ( beugt sich über HÖLZEBAUER ): Der Hölzebauer!

FRANZ ( deutet auf MICHAEL ) : Da ist der andere!

FRIEDBAUER ( gehässig, aus dem Hintergrund ) : Jetzt seht ihr, wie er denkt, der hohe Herr!

ANNA ( hasserfüllt aus dem Hintergrund ): Soldaten will er holen! - Dann geht das Plündern weiter!

WAGNER ( zeigt auf HÖLZEBAUER und dann auf OFFIZIER ): Der hat ihn erschossen!

ALTER MANN ( ruft verzweifelt ): Nein! Der Landsknecht! - Er wollte ihn noch retten!

FRIEDBAUER ( energisch von hinten ): Glaubt ihm kein Wort, dem Juden! Der hat uns lang genug belogen!

OFFIZIER ( scharf ): Nein! – ( deutet auf MICHAEL ) Der Bauernmeister starb durch ihn!

ANNA ( tritt vor, zeigt auf OFFIZIER, feindselig auffordernd zu den anderen ): So lange der da lebt, wird das kein Ende haben! - Habt ihr noch nicht genug gelitten?

GRETE ( stürzt weinend vor ): Bitte! Er hat uns doch geholfen!

ANNA ( verächtlich, schlägt auf GRETE ein ): Was weißt denn Du schon, schöne Larve? – Das nächste Mal bist Du dabei! – Dann weißt Du, was ich meine!

BRENNERIN ( schreit energisch ): Lass ja mein Kind in Ruhe, Anna! – Was Dir geschehen, dafür kann sie nichts! – ( deutet auf den OFFIZIER ) Und der da auch nicht!

ALTER MANN ( drängt vor ) : In Gottes Namen! Wahret Frieden!

SCHMIED ( schlägt ihn nieder ): Du, Hexer, gebrauchst nicht Gottes Namen!

GRETE ( neben ALTEN MANN auf dem Boden kauernd, verzweifelt ) : Vater!

BRENNERIN ( dringt auf den SCHMIED ein ): Schmied! Verdammt! – Er hat doch nichts getan!

SCHMIED ( wütend, stößt sie zurück ) : Bist doch schon selbst so eine Hexe, Brennerin!

( SCHMIED will BRENNERIN mit seinem Hammer niederschlagen)
( OFFIZIER schießt ihn nieder )

OFFIZIER ( schneidend ): Genug! Es ist vorbei! – Den nächsten kostet es das Leben!

FRIEDBAUER ( drängt aus dem Hintergrund vor, zeigt höhnisch auf OFFIZIER): Jetzt hat er sich verschossen, mit dem Bauernmeister und dem Schmied...!

ANNA ( außer sich ): Übt denn hier keiner mehr Gerechtigkeit?

ALTER MANN ( kommt taumelnd wieder hoch, fest ) : Beendet endlich dieses Töten! – Ist nicht genügend Leid verschüttet?
( Die Umstehenden sehen sich unsicher an) ( MÜLLER steht mit einer gesenkten Pistole herum )

FRIEDBAUER ( tritt an MÜLLER heran, entschieden ): Schieß, Lumpenmüller!
( MÜLLER sieht ihn unsicher an ) ( FRIEDBAUER auffordernd )
– Willst doch zu uns gehören! Oder? – Zeig’s!
(schlägt ihm auf die Schulter und zeigt auf OFFIZIER ) ( die übrigen weichen erschreckt aus der Schusslinie) ( MÜLLER schießt nach kurzem Zögern auf OFFIZIER) ( FRIEDBAUER nickt betont zufrieden und tritt nach hinten zurück )

OFFIZIER ( im Sterben zu dem fassungslosen ALTEN MANN, leise ): ... ist es nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ich trinke ihn denn...
( GRETE hält ihm hilflos die Hand ) ( OFFIZIER stirbt )

BRENNERIN ( verzweifelt ): Oh Gott!

ALTER MANN ( erschüttert ): Herr, vergib ihnen...

( ALTER MANN nimmt OFFIZIER in den Arm. )
( MÜLLER lässt erschrocken die Pistole fallen. Die übrigen blicken ihn unsicher an )

 

 

 

3.Akt. 1
5.Szene

Vorige. Drei Bewaffnete kommen herein.

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BEWAFFNETER ( drängt die Leute zur Seite ): Platz da! – Der Fürstprobst schickt uns!

FRIEDBAUER ( laut ): Gott sei Dank! Jetzt herrschen wieder Recht und Ordnung!
– (ungehalten zu den anderen ) Geht doch zur Seite, Leute!
– ( zu den Bewaffneten, deutet auf ALTER MANN) Wenn ihr den Juden sucht ...!
( Die beiden anderen Bewaffneten binden sofort ALTER MANN )
- ( deutet auf BRENNERIN ) Die ist mit dem im Bunde!
( Ein Bewaffneter fast die Brennerin am Handgelenk und zieht einen Strick hervor )

GRETE ( schreit auf ): Mutter! Nein!

FRIEDBAUER (zu den Bewaffneten, verächtlich): Die nehmt gleich mit! - Das gleiche schlechte Blut!
( Er will abgehen ) ( Landvolk sieht den Bewaffneten wie gelähmt zu )
( FRIEDBAUER fällt das schließlich auf. Weit hinten dreht er plötzlich um,
tritt vor an die Rampe, auf OFFIZIER und MICHAEL deutend, selbstgefällig )
Du rackerst dich kaputt und so Gesindel fackelt es uns nieder! – Als hätte Fleiß nie was gegolten! - Wir sind nur Vieh und das die Schlächter! - Dass ihr's wisst!

( Stapft nach hinten. Beim Stichwort 'Fleiß' wird seine Ansprache von verschiedenen Seiten aus dem Zuschauerraum bedächtig drei, vier Mal beklatscht )

 


ENDE